johannas Tagebuch

16.01.-19.01.2016 Fort de France, Martinique

Fort de France ist auch nicht besonders schön. Dafür ist der Ankerplatz direkt vor der Stadt, ausreichend groß und mit gutem Ankergrund. Wir finden einen Platz in der ersten Reihe und begrüßen die Richard Parker etwas später direkt hinter uns. Die Tage sind eher eindruckslos. Wir besorgen ein paar Dinge, die schon lange auf der Liste sind, wie zum Beispiel neue, dunkle Kissenbezüge. Die weissen, die wir haben sind auch die Dauer doch eher unpraktisch. Einen Abend laufen wir zum Sundowner in eine Hotelbar direkt am Strand einige Kilometer weg. Nach einem völlig überteuerten Cocktail gehen wir wieder zurück und machen Raclette auf der Richard Parker. Die Schweizer können Raclette auch ohne Strom. Sie haben ein kleines Metallgestell, in das zwei Teelichter gestellt werden, die den Käse schmelzen. Dauert zwar etwas länger, ist aber urgemütlich und genauso lecker. Wir entscheiden uns, Martinique zu verlassen und endlich nach Dominica zu segeln. Für uns ist das eines der Ziele, das wir unbedingt sehen wollen und auf das wir uns schon lange freuen. Da es einige Meilen sind und wir ankommen wollen, bevor das Zollbüro übers Wochenende schließt, entscheiden wir uns mal wieder für eine Nachtfahrt. Gegen zehn holen wir im Dunklen den Anker ein und segeln aus der Bucht. Es wird eine gute, ruhige Nacht.

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Cocktails. Und Salzstreuer…
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Raclette Remote. (sorry für die schleche Qualität)

 

10.01.-16.01.2016 Le Marin / Anse de Arlet Martinique

Es ist mal wieder ein ruppiger am Wind Kurs, aber wir können fast die ganze Zeit segeln und bekommen auch gleich einen Liegeplatz, als wie gegen fünf Uhr ankommen. Es ist beeindruckend, ich habe wohl noch nie so viele Schiffe auf einem Haufen gesehen. Schon als man in die riesige Bucht reinfährt sieht man den ersten Ankerplatz vor St. Ann. Von da an ist es mehr oder weniger ein einziger Ankerplatz, der in Mooringbojen und die Marina übergeht. Masten so weit das Auge reicht. Schön ist der Ort aus meiner Sicht nicht. Dafür ist er für den gemeinen Europäer ein Paradies. Nicht, dass wir verreisen damit alles so ist wie zu Hause. So sind wir wirklich nicht drauf. Aber ist doch ein Luxus, wenn man morgens zu einem richtigen Bäcker gehen kann, wo man frische Croissants und bestes Baguette zu günstigen Preisen bekommt. Vor allem nach den Inseln die hinter uns liegen. Wo man für ein bisschen Gemüse oder Brot oft fast zehn Euro hinlegen musste. Nach Croissants und Kaffee beim Bäcker, wo wir natürlich direkt wieder die Richard Parker treffen, machen wir eine Tour durch die Bootsausrüster. Davon gibt es einige und wir besorgen, was sich so angesammelt hat auf unserer Liste in den letzten Woche. Es gibt auch einen riesigen Waschsalon mit Maschinen bis zu 14 kg und heißem! Wasser. Ich wasche wie eine wilde Laken, Unterlaken, Bezüge, Handtücher und alles was sich nicht wehrt. Die Wäscheleine biegt sich unter der Last. Wir basteln ein bisschen am Boot und genießen den direkten Landanschluss. Uns gegenüber liegt ein deutscher Kat, die Buggaboo aus Bremen. Sie liegen hier das ganze Jahr. Einen Abend gehen wir rüber und werden mit köstlicher Suppe, gebrannten Erdnüssen und wertvollen Tips versorgt. Es ist ein sehr schöner Abend und wir können uns kaum verabschieden. Einen anderen Abend kommen Claas und Sophie zum Thai Curry vorbei. Einen anderen gehen wir auf die Hamaka und lernen Thomas und Doris endlich persönlich kennen. Vorher kannten wir sie (fast) nur über facebook. Am nächsten Abend machen wir Atlantic Odyssey revival Treffen mit sechs oder sieben Crews. Alle liegen hier in der Nähe und es macht Spass sich wieder zusehen und auf den neuesten Stand zu bringen. Wir haben eine gute Zeit in Le Marin. Nur dass wir nichts von dem gemacht bekommen, was wir eigentlich wollten. Die lokalen Dienstleister sind nicht besonders serviceorientiert, vor allem nicht, wenn man kein französisch spricht. Antifouling müssen wir wohl wo anders machen lassen. Nach ein paar Tagen wird es mir zu eng der Marina. Tagsüber ist es super heiß und man kann nicht schwimmen. Mir fehlt es, einfach ins Wasser zu hüpfen, wenn einem danach ist. Wir müssen aber noch einkaufen, bevor wir weiterfahren. Der lokale Discounter ist eine Dinghifahrt entfernt und hat einen eigenen Anlegesteg. Wir bunkern 180 Liter Wasser in Flaschen, Stefan fährt nur dafür zweimal hin und her. Ausserdem kaufen wir Bier und Softdrinks, ein paar Konserven und viel frischen Käse und sowas. Das lohnt sich wirklich, nirgendwo kann man so günstig einkaufen und hat so eine Auswahl. Als das erledigt und verstaut ist legen wir ab. Erst nach mittag, in die Ankerbucht ist es nicht so weit. Ein Fehler, wie sich rausstellt. Als wir nach wenig Wind gegen halb fünf ankommen ist es super voll. Wir probieren drei oder vier Ankermanöver und werden dabei von Franzosen beschimpft. Nicht, dass wir das Volk eh schon besonders sympathisch finden… Auf dem Seegras am Grund hält aber auch einfach nix. Wir entscheiden uns in die nächste Bucht zu fahren, bevor es dunkel wird. Auch hier ist es voll und wir bekommen nur einen Platz ganz aussen auf acht Meter Wassertiefe. Wir wären gerne ein bisschen geblieben um uns das Dorf anzuschauen und die Bucht zu genießen. Aber da wir so doof liegen und uns nicht wirklich wohl fühlen bleiben wir abends an Bord und fahren am nächsten Tag weiter nach Fort de France, die Hauptstadt von Martinique.

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Fuhre eins von drei – Wasser und Klopapier für die nächsten hundert Tage

06.01.-10.01.2016 Marigot Bay, Saint Lucia

Die Marigot Bay ist klasse. Die Bucht ist wunderschön und ein Anlaufpunkt für Superyachten. Wir liegen mit dem Heck zum Steg in der Marina, die einem Luxus Hotel angeschlossen ist. Als Marina Gast können wir alle Hoteleinrichtungen kostenlos nutzen. Und das machen wir natürlich. Der Hotelpool ist super und es gibt jeden Tag frische Handtücher. Wenn man dann da so rum liegt kommt ab und zu jemand mit einem kleinen Snack oder einem frischen Saft rum. Alles kostenlos. Was ein Luxus. Wir bestaunen die riesigen >100 Fuß Motor oder Segelboote, die neben uns am Steg liegen. Abends gehen wir zum Sundowner zu Doolittle. Da gefällt es uns nicht so gut. Das nächste Mal gehen wir ins Hurricane ist es Hole. Viel besser. Pünktlich um sechs treffen sich hier die Segler und es wird geklönt. Ausserdem gibt es super Pizza. Die gönnen wir uns, wie immer, nach der Nachtfahrt. Wir lernen Claas und Sophie von der Hera mit ihrer kleinen Tochter kennen und verbringen viel Zeit gemeinsam. Die beiden sind genau unsere Kragenweite. Wir treffen uns wahlweise auf der Hera zum Frühstück mit selbstgemachten Crepes, zum Wein auf der Richard Parker oder einfach am Pool. Wir haben immer Gesellschaft in diesen Tagen, das ist wirklich schön. Neben noch ein paar anderen Booten die wir flüchtig kennen sind auch die Marina Angestellten sehr freundlich und immer für einen kurzen Plausch am Steg zu haben. Am 08.01. verlässt uns Pete. Er nimmt die Fähre nach Martinique und wir sind alleine. Es ist ein trauriger Abschied für mich und ein komisches Gefühl in den kommenden Tagen. Nach sieben gemeinsamen Wochen fehlt einfach etwas, wenn einer weg ist. Leider müssen auch wir weiter, obwohl es so schön ist. Wir wollen nach Le Marin auf Martinique, DEM Yachtzentrum in der Karibik. Ein paar Arbeiten am Boot machen und machen lassen. Gemeinsam mit der Richard Parker und der Hera segeln wir morgens los Richtung Norden.

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Luxus Hotel mit Marina Steg.
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Die Poolbar! Musste natürlich getestet werden.

27.12.2016-05.01.2017 – Chartertour durch die Grenadinen

Nach Mustique sind es 95 Meilen. Wir klarieren aus und machen uns nachmittags auf den Weg. Am nächsten Morgen wollen wir da sein. Der Trip beginnt super. Konstanter Raumwind mit ca. 20 Knoten bringt uns im flachen Wasser flott voran. Wir geniessen es, wieder bei perfekten Bedingungen auf dem Wasser zu sein. Am späten Abend nimmt der Wind zu. Ausserdem werden die Wellen höher, als wir nicht mehr in der Abdeckung von Barbados sind. Wir surfen die Wellen runter und das ganze Schiff vibriert. Wenn wir so weiter fahren sind wir gegen vier Uhr morgens in der Ansteuerung von Mustique. Das wollen wir nicht und nehmen daher die Fock rein. So segelt es sich bei inzwischen bis zu 30 Knoten Wind deutlich angenehmer. Ich kann wie immer in der ersten Nacht nicht schlafen und als ich um drei Uhr meine Wache antrete bin ich eher müde. Aber es ist ja nur eine Nacht, bald sind wir da. Ich sehe die Lichter der Richard Parker hinter uns. Sie sind ein paar Stunden später los gefahren. Als wir zwischen den Inseln durchfahren und nach Mustique abbiegen segeln wir friedlich nebeneinander her.

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… und die grosse Richard Parker

Mustique ist landschaftlich super schön. Grüne Hügel mit hübschen Anwesen oben drauf. Ein weisser Sandstrand, ein malerisches kleines Dorf mit ein paar Boutiquen und einem winzigen Supermarkt. Die Straßen sind gefegt und die Gehwege mit Conch Schneckenhäusern eingefasst. So stellt man sich die Karibik vor. Wenn man ehrlich ist, ist die Karibik aber das genaue Gegenteil. Zum Einklarieren müssen wir zum Flughafen. Obwohl es nicht weit ist dürfen wir nicht laufen, sondern müssen ein Taxi nehmen. Der gemeine Segler darf sich auf der Insel nur mehr oder weniger im Radius seiner Ankerkette frei bewegen. Hinter Basil’s Bar auf der einen und dem Supermarkt auf der anderen Seite beginnt die Privatsphäre der Schönen und Reichen. Gut, dass wir auf dem Rückweg von Flughafen einfach kein Taxi finden und so gezwungenermaßen laufen MÜSSEN. Viel gibt es aber ehrlich gesagt auch nicht zu sehen. Wir gehen lieber schwimmen und gucken uns die Fische unter Wasser an. Ansonsten chillen wir und lassen uns die Sonne auf den Bauch scheinen. Wenn man in Mustique liegen will muss man die erste Nacht sehr teuer bezahlen, darf aber dann drei Nächte bleiben. So werden die Chartersegler abgezockt. Uns ist es recht, wir hatten eh vor nicht gleich weiterzusegeln. So feiern wir auf Mustique auch noch in Stefans Geburtstag rein. Zur Feier des Tages machen wir uns chic und gehen zusammen mit der Richard Parker in Basil’s Bar. Die Preise sind insgesamt wirklich unverhältnismäßig. Das günstiges Gericht auf der Karte ist ein Burger. Gut, dass wir eh Bock auf Burger haben. Für 22 US Dollar gibt es saftiges Rindfleisch, Pommes und Cole Slaw. Alles super lecker. Allerdings kommen nochmal 10% VAT und 15% Service Charge oben drauf. Naja, so was gönnt man sich ja nicht so oft und ausserdem ist ja Stefans Geburtstag. Danach gehen wir zu uns aufs Boot und trinken Rum Punsch. Wir haben inzwischen natürlich alle Zutaten für dieses leckere Getränk an Bord. Um Mitternacht überrascht Vera Stefan mit einem selbstgebackenen Schokokuchen. Stefan liebt Schokokuchen. Nach Glückwünschen und einem Stück des göttlichen Gebäcks gehen wir langsam schlafen. Wir wollen ja morgen weiter.

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Alles „hübsch“ auf Mustique
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Basils Bar, Stefans Geburtstagslocation

Und es sind immerhin 15 Meilen bis nach Canouan. Es wird ein segel- und sonnentechnisches Geburtstagsgeschenk. Wir kommen mittags an und verbringen den Tag mit schwimmen, schnorcheln und Ortsbegehung. Ausserdem müssen wir natürlich eine Location für die Silvesterfeierlichkeiten ausfindig machen. Das Hotel, vor dessen Strand wir liegen, hat ein nettes kleines italienisches Restaurant mit Pizza aus dem Holzofen. Das ist doch was für uns. Wir reservieren einen Tisch für fünf und lassen uns Aperitif, Vorspeise, Hauptspeise und Wein schmecken. Für grenadinische Verhältnisse zu günstigen Preisen. Gegen zehn sind wir satt und glücklich. Später treffen wir uns noch auf der Richard Parker, um gemeinsam bis null Uhr durchzuhalten. Leider ohne Pete. Der fühlt sich schon ein paar Tage nicht so gut und verschläft den Jahreswechsel. Bei uns ist es aber auch wirklich unspektakulär. Nach einer Flasche Weisswein rudert Stefan uns wieder auf die Good Times. Aber da wir im Moment ja viele spektakuläre Tage haben ist das nicht weiter schlimm. Den 1. Januar vergammeln wir im Großen und Ganzen. Wir kühlen uns im Wasser ab, hängen rum und essen Spaghetti mit Tomatensauc

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Traumhaft in Canouan

Von Canouan segeln wir am nächsten Morgen ganze 5 Meilen auf die Tobago Cays. Gut, dass wir früh kommen. Die Buchten sind UNFASSBAR voll. Wir bekommen um 12 Uhr mittags die letzte Boje und die Richard Parker den letzten Ankerplatz. Wäre es nicht so schön hier wäre es mir zu voll. Vor allem liegen hunderte Charterboote um uns herum. Aber ich kann verstehen, dass jeder hier hin will. Wir ja auch. Kaum angelegt fahren wir mit dem Kontrollboot zum Strand zum Schnorcheln. Hier ist es witzigerweise nicht so voll und man kann in Ruhe gucken. Den richtig beeindruckenden Spot finden wir aber erst am nächsten Tag, etwas weiter weg und ohne Parkmöglichkeit. Hier sind wir buchstäblich die Einzigen. Es ist ein Erlebnis. Zwei Meter Wassertiefe und weisser Sand auf dem Grund. Dazwischen immer wieder kreisrunde Korallen, mit vielleicht zehn bis zwanzig Meter Durchmesser. Sie sehen aus wie kleine Dörfer. Ob die Fische sich auch mal gegenseitig in ihren Dörfern besuchen schwimmen? Wir sehen Papageienfische, Kugelfische, eine großen Kraken, Rochen und jede Menge Schildkröten. Nach über zwei Stunden fahren wir völlig druchgefroren wieder zurück zum Boot. Abends lassen wir fünf uns von unserem Boat Boy Michael zum Barbeque am Strand überreden. Wir ziehen uns etwas Ordentliches an und werden um sechs abgeholt. Als wir am Strand ankommen werden unsere Erwartungen deutlich übertroffen. Zwischen den Palmen sind Lichterketten gespannt, die den Strand in stimmungsvolles beleuchten. An Sechsertischen, die unter den Palmen verteilt sind, sitzen schon ein paar Leute. Insgesamt gibt es vielleicht 20 bis 30 Tische. An einer Seite sind weisse Zelte aufgebaut. Hier wird gegrillt und gekocht. Wir haben unsere eigenen Getränke mitgebracht und lassen uns erst mal einen Rotwein schmecken. Als das Essen irgendwann kommt sind wir wieder überrascht. Es ist ein riesiger Teller, auf dem eine ordentliche Hummerhälfte liegt. Sie ist mit geraspeltem Gemüse überbacken und umringt von Reis, Kartoffeln und gemischtem Gemüse. Alles ist super lecker und kaum zu schaffen. Als die Teller abgeräumt sind kommt ein Kellner auch noch mit einem Teller Bananabread und frischem Obst zu uns. Wir bleiben noch lange sitzen, bis Michael uns auffordert langsam die Fahrtgelegenheit aufs Boot in Anspruch zu nehmen. Wir hatten ein bisschen Angst in die Touri Falle getappt zu sein, aber der Abend hat sich wirklich gelohnt.

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Lobster Dinner am Strand, grandios!
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Pete und ich auf Landgang

Nach zwei Tagen auf den Cays setzt sich die Reisegruppe „Good Parker“ wieder Richtung Norden in Bewegung. Wir hatten ja ursprünglich gar nicht geplant, auf die Grenadinen zu segeln. Zu viel hat man gehört und gelesen. Über gestohlene Dinghys, Einbrüche und sogar Raubüberfälle. Da haben wir keine Lust drauf. Es gibt so viele tolle Inseln, warum sollen wir dann ausgerechnet da hin, wo man sich nicht sicher fühlt? Aber mit einem anderen Boot im Verbund haben wir uns dann doch getraut und uns gemeinsam langsam vorgetastet. Und man muss sagen, wir haben uns nie unsicher gefühlt. Im Gegenteil, die Leute waren alle extrem freundlich und hilfsbereit. Michael unser Boat Boy, mit dem wir uns lange unterhalten haben, hat uns viel erzählt. Auch für die lokalen Dienstleiter ist es natürlich extrem wichtig, dass die Yachties sich sicher fühlen. Zu schnell spricht es sich rum wenn es Probleme gibt. Und da ihr Einkommen von den Booten abhängt die auf die Inseln kommen, haben sie ein großes Interesse ihr Geschäftsgebiet sicher zu halten. Nur Saint Vincent hat es nach wie vor nicht im Griff. Mit dem Ergebnis, dass sich wirklich nur noch vereinzelte Yachten auf die Insel verirren. Auch wir haben die Insel nicht angelaufen, sondern sind vorbei gesegelt. Insgesamt fühlt sich die Tour durch die Grenadinen echt an wie zwei Wochen Charter Urlaub. Wir chillen die meiste Zeit anstatt am Boot zu arbeiten, segeln nach ein bis zwei Tagen weiter anstatt Wochen an einem Ort zu verbringen und lassen es uns richtig gut gehen, wie immer.

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Traumhafte Aussicht über unsere Bucht in den Tobago Cays. Looks like paradise!

Aber bevor es nach St. Lucia geht segeln wir nach Bequia. Die Admirality Bay ist süß und und relativ ruhig. Wir schlendern ein bisschen durchs Städtchen und testen die Strandbar. Leider können wir nur eine Nacht bleiben und segeln am nächsten Tag abends schon weiter. Der Wind ist für unseren Kurs gerade so angesagt, dass wir nicht gegenan kreuzen müssen. Und da Pete uns bald von St. Lucia verlassen muss, haben wir keine Wahl. Nach dem Abendessen brechen wir auf. Zwischen Bequia und St. Vincent bekommen wir schon richtig auf die Mütze und binden das erste Mal überhaupt das dritte Reff ins Groß. Wir haben oft 30 Knoten scheinbaren Wind, auf am Wind Kurs nicht angenehm. Dafür erreichen wir bald die Südspitze von St. Vincent, wo es schlagartig ruhig wird. Stefan und Pete legen sich schon mal hin, obwohl es gerade erst halb acht ist. Ich muss in der Landabdeckung dann sogar den Motor anwerfen. Kaum nähern wir uns später dem offenen Wasser vor St. Lucia geht es wieder ab. Trotz viel Wind kommen wir nur leider kaum voran, da wir Höhe knapsen müssen wo es geht und die steilen Wellen uns ausbremsen. Als wir früh morgens 15 Meilen vor der Marigot Bay sind schaffen wir es unter Segel nicht mehr näher zum Ziel. Ich werfe den Motor an. Wir müssen jetzt genau gegen Wind und Welle und kommen nur mit quälenden 3 Knoten voran. Wir sind heilfroh, als wir mit dem Heck am Steg in der Capella Marina liegen. Spaß hat dieser Schlag wirklich keinen gemacht.

 

23.12.-27.12.2016 Christmas in Carlisle Bay

Mittags werfenwir den Anker zwischen der Bonaire und der Blue Zulu. Wir kennen fast alle Boot die hier ankern, die meisten sind mit uns über den Atlantik gesegelt. Die erste Schildkröte begrüsst uns, als wir den Anker abtauchen. Wir sind ganz aufgeregt, aber anscheinend wimmelt es hier nur so den niedlichen Tieren. Die nächsten Tage schnorcheln wir immer wieder mit ihnen gemeinsam und beobachten sie beim grasen.

Am 24. ist Heiligabend. Gemeinsam mit der Richard Parker und der Anyway wollen wir am Strand des Yachtclubs feiern. Es ist ein toller Abend. Als Vorspeise gibt es original importiertes Schweizer Käsefondue vom Camping Kocher. Ich habe dazu frisches Baguette gebacken, das deutlich besser dazu passt als das lokale Papp-Brot. Danach werfen wir den Grill an. Es gibt Rindersteaks und Würstchen mit selbstgemachten Salaten. Als Nachtisch hat Vera einen unglaublichen Schokokuchen mit flüssigem Kern gebacken. Es ist ein Festmahl. Auch das Ambiente ist super. Wir können die Tische und Stühle vom Yachtclub nutzen und schmücken die Bäume unter denen wir sitzen mit stimmungsvollen Lampions. Eine kleine Bescherung innerhalb der Good Times Crew gibt es auch. So klönen wir ganz gemütlich bis spät abends.

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Glückliche Christkinder
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Käse Fondue mit selbstgebackenem Brot – Vorspeise
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Hauptspeise unter Lampions

Am nächsten Tag geht es weiter. Die britischen Crews feiern ja traditionell erst am 25. und organisieren deshalb ein Potluck zu Mittag. Wir machen es uns wieder am Strand des Yachtclubs gemütlich. Dieses Mal sind wir bestimmt 20 Leute und es gibt ein grandioses Buffet. Mit traditionellem gebackenen Schinken und gegrilltem Schwertfisch, Purree von Yam (eine lokale Wurzel die schmeckt wir Kartoffel), gebackenem Kürbis, Wassermelonen Salat mit Feta und diversen leckeren Kuchen zum Nachtisch. Wir sitzen bis zum Sonnenuntergang zusammen. Als wir zurück zum Boot kommen wollen wir noch schnell ein paar Dinge erledigen bevor es dunkel wird. Das Fock Fall muss gekürzt und der Flicken ersetzt werden. Als Stefan das Fall mit dem Segelmesser absäbelt schneidet er sich böse in den Finger. Er blutet alles voll und ich hechte unter Deck um die Sachen für einen Druckverband zu holen. Gott sei Dank bekommen wir die Blutung schnell in den Griff und können desinfizieren und verbinden. Was ein Schreck. Mal wieder eine Aktion nach dem Motto: Noch schnell schnell was erledigen. Das geht meistens in die Hose. Pete und ich ziehen die Fock wieder hoch bevor wir uns alle unter Deck verziehen.

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Potlock am Strand zum 1. Weihnachtsfeiertag
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Poser!

Am 26. Dezember wird gearbeitet. Nach dem Aufstehen ziehen die Jungs mich in den Mast und ich mache mich daran, die Funk Antenne wieder einsatzfähig zu machen. Mit zwei Rohrzangen drehe ich sie so fest ich kann in die Halterung. Das war der einfache Teil. Danach muss ich die Rückstände vom Panzerband irgendwie weg bekommen. Obwohl ich Bremsenreiniger mit oben habe (das beste Lösungsmittel das es gibt) klebt das Küchenpapier mehr am Mast als dass es die Spuren beseitigt. Nach fast einer Stunde und einer verlorenen Küchenrolle ist es so gut es geht geschafft. Ich spüre meine Beine nicht mehr, mache aber trotzdem noch schnell ein paar Bilder von der Ankerbucht. Als ich unten bin bin ich todesfertig. Ich muss mich erst mal ausruhen, bevor wir andere ToDos des Tages abarbeiten. Als alles erledigt ist fahren wir mit dem Kontrollboot zum Yachtclub und gönnen uns einen leckeren Lunch. Ich habe Flying Fish Sandwich, eine Spezialität aus Barbados. Tastes like Chicken. Im Anschluss spazieren Stefan und ich eine Runde am Strand entlang, zur anderen Seite der Bucht. Hier wollen wir unsere restlichen Barbadian Dollar verflüssigen. Der Rum Punch in der Pirates Cove hat einfach Tradition. Und wen treffen wir da? Wie so oft die Richard Parkers. Da wir zwei Crews anscheinend oft die gleichen Tagesordnungspunkte haben entscheiden wir, am nächsten Tag gemeinsam weiterzusegeln.

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Nach fast einer Stunde im Mast muss noch Zeit bleiben für ein paar Fotos

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16.12.-23.12.2016 – Barbados Careenage Marina

Am Tag nach der Party verlegen wir in die Careenage Marina, das Hafenbecken mitten in Bridgetown. Wir sind kaum wach als es klopft. Andy, der lokale Ansprechpartner für Alles, holt Stefan ab um den Hafen zu besichtigen. Wir haben alle einen einigermaßen dicken Kopf. Ich mache in der Zeit eine Maschine Wäsche für 20 Dollar. US Dollar! Dafür ist das Wasser kalt. Naja, immerhin haben die Laken mal was Anderes gesehen als Salzwasser und riechen gut. Als Stefan gegen halb elf wiederkommt hat er einen Becher Rum Punsch in der Hand. Ich glaube ich seh nicht richtig. Der erste Gang mit Andy morgens um neun war wohl in die Bar seines Vertrauens. Der Rum Punsch wird ToGo genommen, welcome to the carribean. Gegen elf legen wir ab, trotz Konter Rum Punsch laufen die Manöver souverän. In der Marina angekommen jagen wir uns ein paar Bier und Eiswürfel im Supermarkt und trinken Anleger. Das Ziel ist ja, mindestens drei Tage am Stück zu feiern. Und das tun wir auch. Die Jungs sitzen abends bis ultimo im Cockpit und trinken Gin Tonic. Ich halte nicht so lange durch. Die nächsten Tage verlaufen ähnlich. Ausser ein bisschen persönlicher Körperpflege mit Haare und Bärte schneiden lassen wir das Chaos an Bord Chaos sein. Der Salon ist voll mit Zeug, aber wir halten uns ja eh nur draussen auf. Das entspricht ja eigentlich gar nicht meinem Naturell. Erst nach ein paar Tagen fange ich langsam an, mal das Bad zu putzen oder die Teppiche auszuschlagen.

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Careenage Marina, mitten in der Stadt. Viele Boote unserer Flotte und die kleine Good Times mitten drin (verdeckt).

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Gin Tonic abends  Cockpit

Morgens wachen wir früh auf. Die Sonne geht schon kurz nach sechs auf und um sieben ist das Leben in vollem Gange. Wir bleiben zwar noch ein bisschen liegen, sitzen aber spätestens um halb neun mit frischem Kaffee im Cockpit. Mittags gehen wir ein bisschen in die Stadt und essen irgendwo eine Kleinigkeit. Gegen drei oder vier geht es dann zum Strand. Dort trifft man sich und geht eine Runde schwimmen. Schwimmen kann man es eigentlich nicht nennen. Wir treiben mehr im Wasser rum. Eine Horde erwachsener Menschen. Statt im Cafe zu sitzen und zu quatschen sitzen wir im angenehm warmen Wasser. Pünktlich zum Sundowner hat man sich in den Strandduschen frisch gemacht und angezogen. (Die Strandduschen sind unsere einzige Duschmöglichkeit. Es gibt immerhin Kabinen. Haare waschen und kuren ist unter dem Piesel Wasserstrahl allerdings ein Geduldsspiel) Dann sitzen alle mit einem Rum Punsch in der Hand im Sand. Meistens bleibt es nicht bei einem. Wenn es gegen sechs dunkel wird löst sich die lustige Runde dann langsam auf und es wird zu Abend gegessen. Ab und zu trifft man sich danach noch mit seinen Lieblingscrews auf einen Wein oder ein Bier an Bord. Oder auf die Siegerzigarre, die Dominique uns und den Anyways vor der Abfahrt in Teneriffa geschenkt hat. Es wird früh dunkel und gegen neun ist der Tag oft schon langsam zu Ende. Die berühmte Sailor’s Midnight, es gibt sie wirklich.

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Ferig für den Sundowner

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Ein Teil der täglichen Strand Community

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Die Jungs mit der Sieger Zigarre

Essen in der Karibik ist so eine Sache. Gute Restaurants sind ziemlich teuer, vor allem Abends. Wenn man spät noch raus will haben einige Läden schon zu. Die Auswahl ist also eher gering und wir enden oft in Fast Food Läden. Ich war in meinem ganzen Leben noch nicht so oft bei Burger King wir in diesen zwei Wochen. Aber egal, nach vier Wochen gesundem Essen auf See hauen wir uns gerne mal den ein oder anderen Burger rein.

So laufen die Tage dahin. Wir erkunden die Stadt oder fahren auch mal mit den Richard Parkers mit dem Bus ein paar Orte weiter zum Schnorcheln. Bus fahren an sich ist schon ein Erlebnis. Auch da muss natürlich die lokale Beach Bar getestet werden. Ist auch gut. Emily von der Bonaire hat sonntags Geburtstag. Sie dealt mit der Beach Bar, dass sie uns ein paar Tische zur Verfügung stellen und veranstaltet ein lustiges Potluck. Das heißt, dass jeder etwas zu Essen mitbringt und alles geteilt wird. Bei so vielen Crews aus verschiedenen Ländern kommt da eine leckere Mischung zusammen. Mit bestimmt 30 Leuten feiern wir bis „Mitternacht“. Es ist wirklich super, so viele nette Crews zu kennen, die alle an einem Ort sind. Das ist wirklich ein Vorteil, wenn man an einer Rally teilnimmt.

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Potluck am Strand

Nach ein paar Tagen in der Marina mitten in der Stadt haben wir langsam genug. Es ist nachts ziemlich laut, es gibt Horden von Mücken und das Hafenbecken ist völlig verdreckt. Um aufs Boot zu kommen muss man jedes Mal heftig an der Leine ziehen und mit einem mutigen Satz über den Bugkorb hechten. Für mich kleine Person alleine kaum zu machen. Wir melden uns also zur Brückenöffnung an und verlegen gemeinsam mit ein paar anderen Booten in die Carlisle Bay zum Ankern.

15.12.2016 – Ankommen

Wir sind uns sicher, dass wir am 16. Dezember ankommen. Wenn wir endlich durchgängig einen Schnitt von 5 Knoten machen. Von anderen Crews, die schon da sind haben wir erfahren, dass die Ankunftsparty am 14. stattfindet. Mist, das schaffen wir auf keinen Fall. Vielleicht, wenn alles besser läuft als gedacht, schaffen wir eventuell noch den 15. abends. Ein paar Tage machen wir dann Etmale über 140 Meilen. Also über 6 Knoten. Das hätten wir nie gedacht. Die Good Times rauscht durch die Wellen wie eine Große. Wir müssen alles festhalten, insbesondere uns selbst. Es ist nicht sehr bequem. So geht es zwei Wochen lang. Wir werden immer sicherer, dass wir den 15. Dezember schaffen. Und zwar schon nachmittags. Als wir die Meldung an das Rally Team funken bekommen wir gleich Antwort. Sie freuen sich, uns am 15. rechtzeitig zur Willkommensparty in Empfang zu nehmen. Da sich mit uns noch zwei andere Boote angekündigt haben, wird die Party auf den 15. verlegt. Jetzt zählt es für uns. Es wird ausgerefft, die Wolken nachts werden alle samt als Nicht-Squall-Wolken abgetan und die Fock draussen gelassen.

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Wir können bis kurz vor die Hafeneinfahrt segeln und machen einen Mordskrach als wir die imaginäre Ziellinie überqueren. Frisch geduscht und mit sauberen Klamotten laufen wir in die Barbados 50 Marina ein. Wir freuen uns auf ein entspanntes Anleger Bier und einen ausgelassenen Freudentanz auf dem Steg. Aber daraus wird nichts. Wir weden von einem riesen Komitee in Empfang genommen. Jimmy und die ganze Mannschaft, drei andere Crews und die Jungs von den Behörden. Jimmy muss los zur Rumfabrik-Führung, will aber vorher noch unbedingt ein Foto mit uns machen. Die Behörde wartet schon auf uns und will in den Feierabend. Und wir wollen eigentlich erst mal ankommen. Aber naja, ohne Anleger und ohne Schuhe werden wir durch die Büros der Immigration-, Zoll- und Gesundheitsbehörde gescheucht. Auf dem Steg laufen und mit einem Stift Formulare ausfüllen fühlt sich ungewohnt an. Als der offizielle Teil abgeschlossen ist schaffen wir es doch noch zu einem kurzen Anleger. Leider im Squall, aber das ist uns egal. Dann eine schnelle Dusche und ab ins Taxi zur Party.

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Wir sind total durcheinander und super aufgedreht, als wir zwei Stunden nach dem Anlegen im Yachtclub ankommen, wo die Party stattfindet. Da hilft der erste Rum Punsch, aus dem schnell mehrere werden. Von den anderen Crews werden wir überschwänglich begrüßt. Es ist unglaublich schön, so viele bekannte Gesichter zu sehen, auch wenn wir einige davon wirklich nur vom Sehen kennen. Egal, man fällt sich in die Arme, beglückwünscht sich und tauscht Geschichten und Erlebnisse aus. Der Rum Punsch ist leer bevor die Sonne untergeht und irgendwann ziehen wir mit den Richard Parkers und ein paar Anderen langsam weiter. Erst in ein Restaurant in der Stadt und dann zu uns aufs Boot, das kalt gelegte Bier killen.

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Was ein Empfang, besser kann man es sich nach vier Wochen auf See nicht wünschen. Die Anteilnahme und Herzlichkeit zwischen den Crews ist einfach toll. Zwar ging Alles ziemlich schnell und wir hätten uns ein bisschen mehr Zeit zum Ankommen gewünscht, aber vielleicht war es auch besser so. Wir sind auf jeden Fall überglücklich und können es noch nicht so ganz fassen.

24.10.-09.11.2016 – Leben und arbeiten auf Teneriffa

Zweieinhalb Wochen vergehen wie im Flug. Die erste Woche ist super busy. Tagsüber arbeiten wir unsere Todo Liste ab und abends sitzen wir mit Sabine und Stefan an Bord oder verbringen sonst irgendwie Zeit gemeinsam. Die Liste der Sachen, die wir vor dem Atlantik noch erledigen wollen ist lang. Gut, dass es hier in Santa Cruz vier gute Yachtausrüster gibt. Weniger gut ist, dass sie weit auseinander liegen und man gut daran tut, Preise zu vergleichen. Wir machen also ordentlich Meilen zu Fuss und sondieren das Angebot. Manchmal latscht man auch vergebens durch die halbe Stadt, z.B. wenn das Geschäft während der Öffnungszeiten einfach mal nicht offen hat. Wir brauchen eine neue Ankerkette und müssen einen Riss im Ankerkasten fixen und anmalen, der Sail Drive verliert immer noch Öl und muss repariert werden, verschiedene kleine Dinge für die Odyssey Ausrüstungsvorschriften wollen besorgt oder selber gebastelt werden, die Genua soll genäht werden, wir schreiben einen Essensplan und eine Proviantliste für die Überfahrt und überlegen, was wir noch in Europa für die Karibik bunkern wollen. Und so weiter. Das hört sich viel an, aber wir kommen super voran. Einen Tag nehmen wir uns sogar frei und gehen mit den Darmstädtern in den Zoo. Eine lustige und willkommene Abwechslung. Sonst treffen wir uns meistens abends bei uns auf dem Boot und klönen. Mit den Zweien wird es einfach nie langweilig. Ab und zu sind noch andere Segler dabei, die wir nicht ganz vernachlässigen wollen. Nach einer Woche fliegen sie heim, der durchschnittliche Arbeitnehmer hat ja in der Regel nur zwei Wochen Urlaub am Stück.

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Bier Probe in der deutschen Kleinbrauerei auf Teneriffa

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Zoobesuch. Die Erdmännchen entsprechen im Moment leider eher unserem Lebensstil als die Faultiere…

Wir vertiefen uns die zweite Woche in Santa Cruz ganz in die Arbeit. Die Mechaniker für den Sail Drive sind zwei Tage an Bord und bauen den ganzen Motor auseinander. Und erfreulicherweise auch wieder zusammen. Wir genießen die Zeit in der Stadt. Wir sind ja beide eher Stadtmenschen und seit Lissabon hatten wir keine mehr vor der Tür. Santa Cruz ist wirklich cool. Es gibt alles was man braucht, Einkaufsmöglichkeiten, nette Restaurants und gemütliche Kneipen mit günstigem, guten Bier und schnellem Internet. Wir fühlen uns auf jeden Fall extrem wohl hier und obwohl wir viel zu tun haben machen uns die Dinge Spaß. Abends haben wir dann Zeit die anderen Crews zu treffen. Sabina und Michael von der Anyway sind ja schon die ganze Zeit mit uns hier. Dann kommen auch noch Vera und Dominique von der Richard Parker, die wir seit Oeiras nicht mehr gesehen haben. Wir drei Boote fahren dann am 19. November auch gemeinsam mit der Odyssey über den Atlantik. Clement und Marjolaine, von dem Boot mit dem französischen Namen den ich nicht buchstabieren, kann treffen wir einen Abend zum Tapas essen bei ihnen an Bord. Als wir an einem anderen Abend auf unseren Steg kommen, sehen wir ein holländisches Boot in den Hafen fahren. Wir erkennen, dass es die Island Lady mit Pleuni und Jouke ist und brechen in Jubel aus. Sie haben wir seit Lissabon nicht mehr gesehen. Sie kommen gleich mit frisch gefangenem, gegrilltem Fisch zu uns rüber und nach dem Essen gehen wir auf zwei bis zwölf Bier in die Stadt. Ein paar Tage später kommt auch die Noah mit Alex und Alex und den Kids. Es ist ein Highlight sie auch noch wieder zu sehen. Ich hätte nie gedacht, wie eng die Community schon in Europa ist und wie sehr man sich freut, lieb gewonnene Crews wiederzutreffen.

Das ist umso wichtiger, weil wir Deutschland und unser Zuhause im Moment ziemlich vermissen. Wir würden gerne mal wieder einfach Alles unter uns fallen lassen, anstatt ständig alles rum räumen zu müssen. Oder einen Abend auf Couch vor dem Fernseher verbringen. Oder samstags mit der Bahn in die Stadt fahren, Fussball gucken im Extrablatt und dann mit guten Freunden ein paar Bier im Ratskeller trinken. Oder Freunde treffen im Allgemeinen. Oder in der Badewanne liegen. Oder abends ins Fitnessstudio gehen. Oder mit dem Auto zum Supermarkt fahren und drei Kisten Wasser einladen. Oder Kräuter aus dem Garten ernten, ein riesen Festmahl kochen und dann die Spülmaschine die Arbeit machen lassen. Oder sich einfach nicht jeden Tag den Kopf anstoßen. Versteht uns nicht falsch. Es geht uns wirklich gut und ich könnte mindestens zweitausenddreihundertachtundsiebzig Sachen aufzählen, die in unserem derzeitigen Leben einfach hammer geil sind. Aber ein bisschen Heimweh haben wir schon. Wir mochten unser Leben in Deutschland ja auch sehr gerne.

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Die Marina in Santa Cruz. Mit Fähr- und Kreuzfahrtterminal. Viele nette Leute an den Stegen.

Die Temperaturen gehen hier auch langsam runter. Tagsüber ist es meistens noch schön warm und kurze Hose und Tshirt sind angesagt. Abends wird es aber dann echt kühl, so dass man mindestens einen Pullover braucht. Ausserdem regnet es eigentlich jeden Tag ein bisschen. Wir saßen wohl einen Abend zu lange draussen auf der Richard Parker. Ohne Pulli. Zwei drei Tage später hat Stefan die Rüsselseuche. Nicht schlimm, aber er verbringt schon knapp zwei Tage im Bett. Ich muss mir auf den anderen Booten neue Spielgefährten suchen. Jetzt hat es mich auch erwischt. Halsschmerzen und laufende Nase. Dabei habe ich mir so gut zugeredet. Naja, nicht schlimm. Ein bisschen was kann ich immer noch machen. Zumindest Blog schreiben geht auch unter der Wolldecke.
Am 19. November starten wir in die Karibik. Schon diese Woche Sonntag kommen meine und dann auch Stefans Eltern. Wir wollen möglichst viel Zeit mit ihnen haben und nicht mehr viel arbeiten. Bis dahin sind es nur noch ein paar Tage. Langsam wird die Zeit knapp. Wir sind fast fertig mit Allem und ziemlich entspannt, aber trotzdem ist es ein komisches Gefühl, dass es sich jetzt eher um Tage als um Wochen handelt. Wir liegen zwei Stege weiter von der Anyway und der Richard Parker. Das ist schade, weil der Steg-Talk schwieriger ist und man sich nicht einfach über den Weg läuft. Auf der anderen Seite finden wir es manchmal gut, dass wir nicht immer mitbekommen was Andere so alles vorbereiten. So werden wir weniger nervös.

15.-23.10.2016 Porto Santo und Überfahrt Teneriffa

Das Stegleben hier auf Porto Santo ist toll. Fast alle Boote sind Langfahrer. Bei manchen hat man allerdings das Gefühl, das sie hier hängengeblieben sind. Da ist der Wasserschlauch dauerhaft an Deck montiert und die Leinen sind an den Klampen schon fast durchgescheuert. Aber wir fühlen uns wohl. Mit den Anyways und den Noahs hat sich eine coole Truppe gebildet. Tagsüber trifft man sich auf dem Steg, spricht über Wetter, Ausrüstung (die Männer) oder über Wäschewaschen und Kochen (die Mädels) oder hilft sich gegenseitig mit dem ein oder anderen aus. Seien es Bücher, Sackkarren oder Farbe für die Gemälde an der Hafenmauer. Einen Abend grillen wir gemeinsam am Strand. Für mich ist es eins der Highlights unserer bisherigen Reise. Wir sitzen auf Decken, grillen über einer Mulde im Sand, essen lecker, trinken Rotwein und hören Musik. Es ist warm, die Wellen rauschen und wir unterhalten uns mit netten Menschen. Was will man mehr?
Stefan geht es leider einige Tage nicht so gut. Er hat wieder Magenprobleme und ein bisschen Fieber. Ich hoffe, dass das nicht an meinen Kockkünsten liegt. Leider drückt das die Stimmung ein bisschen und ich mache mich ab und zu alleine auf in den Ort.

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Grillen im Sand, super praktisch
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Gesammelte Köstlichkeiten auf der Decke
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Sundowner

Am Donnerstag den 20. machen sich die Anyway und die Noah auf die Reise. Ihnen wird der Schwell im Hafen zu viel und sie segeln in eine Ankerbucht nach Madeira. Von dort aus wollen sie dann am nächsten Morgen gen Süden auf die Kanaren. Es ist allgemein große Aufbruchstimmung an dem Tag. Viele andere Boote legen auch ab und nachmittags ist der Steg richtig leer und wir ein bisschen einsam. Der Grund für den allgemeinen Aktionismus ist ein großes Tiefdruckgebiet, dass sehr weit in Richtung Süden kommen soll. Also auch bis Madeira und sogar weiter bis zu den Kanaren. Das ist für diese Jahreszeit eher ungewöhnlich. Noch ist aber ein bisschen Zeit um seeklar und sich aus dem Staub zu machen. Noch eine Woche wollen auch wir nicht auf Porto Santo bleiben. Es ist zwar schön und ruhig, auf Dauer aber etwas zu ruhig. Ausserdem machen Freunde von uns gerade Urlaub auf Tenriffa, sie möchten wir unbedingt noch sehen. Wir planen unsere Abfahrt für den nächsten Morgen. Mit dem leeren Steg wird es auch an der Waschmaschine ruhig. Ich nutze die Gelegenheit nochmal kostenlos Betten und Handtücher zu waschen. Wer weiß wann es wieder eine kostenlose Waschmaschine gibt. Den Rest des Tages bereiten wir ein bisschen vor, räumen auf und ich koche mal wieder Eintopf (dieses Mal indisch vegan, damit es nicht langweilig wird).

Wir legen gegen zehn Uhr morgens ab. Für den ersten Tag ist Wind von schräg vorne angesagt, aber moderat. Am zweiten Tag soll er von hinten kommen und uns schieben. Es stimmt leider nichts davon. Kaum sind wir aus dem Hafen raus fängt es an zu wehen. Von schräg vorne, aber mit ordentlich Kraft. Wir binden schnell ein Reff ins Großsegel um die Lage zu vermindern. Dafür geht es mit Rauschefahrt voran. Über sieben Knoten sind keine Seltenheit und obwohl es anstrengend ist freuen wir uns über den ungewohnten Speed. Den ersten Tag verbringen wir anfangs noch im Cockpit. Man muss sich gut festhalten, damit man nicht von der Bank weht. Irgendwann, als alles eingestellt ist und keine Boote mehr in Sicht, verziehen wir uns unter Deck. Da bleiben wir dann auch mehr oder weniger für die nächsten zwei Tage. Ausser für ein paar Stunden nachts. Da steigt der Windmesser in Schauerböen auf über 30 Knoten. Da sitzt dann doch einer von uns oben und überwacht das Geschehen. Irgendwann dann muss auch unser Topspeed von 11,4 Knoten entstanden sein, den unser GPS Tracker am nächsten Morgen anzeigt. Der Wind dreht natürlich auch nicht, wie vorhergesagt. Das macht das Leben an Bord eher beschwerlich. Daher bleiben wir einfach in der Horizontalen. Nachts halten wir Wache nach dem üblichen Schema und sind gut gelaunt weil es so flott voran geht. Am Ende der zweiten Nacht sehe ich den Leuchtturm auf Teneriffa. Es dauert dann noch bis nachmittag, ehe wir am Steg liegen. Ein paar Meilen vor dem Hafen bekommen wir allerdings noch eine kostenlose Bio-Bootswäsche. Während ich noch ein Runde schlafe, schüttet es draussen aus Kübeln. Stefan sitzt im Niedergang und versucht durch den Schleier andere Boote auszumachen. Was ein Glücksfall, so müssen wir das Boot nicht erst vom Salz befreien, wenn wir ankommen. Wir genießen unseren Anleger im sauberen Cockpit und können dann auch gleich ohne schlechtes Gewissen Sabina und Michael von der Anyway einladen, die morgens angekommen sind.

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Der Tiede, der höchste Berg Spaniens, begrüßt und mit seinem schneebedeckten Gipfel

Der nächste Glücksfall für uns sind Sabine und Stefan. Sie sind Freunde von zu Hause aus Darmstadt und machen gerade Urlaub auf Teneriffa. Nachdem wir geduscht haben stehen die zwei mit einem riesen Bierpaket bei uns auf der Matte. Endlich wieder gutes Bier, das portugiesische war nach einer Weile kaum noch zu genießen. Wir freuen uns wie bolle die beiden zu sehen und haben Mordsspaß. Es ist schön, mal wieder über andere Dinge als Boot und Ausrüstung zu sprechen. Später gehen wir gemeinsam in die Stadt, Pizza essen. Das ist fast schon Tradition nach Überfahrten. Dieses Mal ist es sogar eine ganz besonders Gute. Auch die nächsten Tage werden wir viel Zeit gemeinsam verbringen, aber dazu später mehr.

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03.-14.10.2016 – Madeira Überfahrt & Urlaub

Wir legen montags ab. Nachmittags gegen halb drei geht es los. Ich habe wieder mal vorgekocht. Mal wieder Kartoffeleintopf, Pfannkuchen und das Ganze. Wir können es eigentlich schon nicht mehr sehen, so oft wie ich das in letzter Zeit gekocht habe. Der Morgen verläuft in reger Geschäftigkeit. Boot klar machen, noch ein paar Dinge einkaufen, duschen und aufräumen. Wir sind aufgeregt und freuen uns wie blöd, dass es endlich los geht. Das Wetter ist super. Nach der Vorhersage hatten wir gedacht, dass wir die ersten paar Stunden Motorboot fahren müssten. Aber im Gegenteil. Wir brausen mit einem am Wind Kurs los und machen ordentlich Fahrt, trotz Reff in Groß und Genua. Die Stimmung ist dementsprechend gut. Gegen Abend wird es ruhiger und PETE steuert zuverlässig. Im Sonnenuntergang sehen wir die ersten Delfine. Es sind viele. Und sie springen komplett aus dem Wasser. Wie beeindruckend. Wir probieren es dieses Mal mit drei Stunden Wachen, statt vier wie bisher. Man merkt deutlich, dass es Herbst ist und wir weit südlich sind. Es wird gegen sieben dunkel, viel früher als noch in Holland. Hell wird es erst wieder gegen halb acht. Die Nächte sind also länger und man ist damit irgendwie auch müder. In meiner Wache von 21 bis null Uhr sind sie wieder da, die Delfine. Ich sehe sie im Schein des Steuerbordlichtes. Und nicht nur sie. Überall glitzert es. Tausende kleine Fische, die teilweise aufgeregt aus dem Wasser springen. Es ist ein tolles Schauspiel, wie die kraftvollen Tiere durch Wasser schießen und jagen. Ich höre sie neben dem Boot auftauchen und atmen. Das geht stundenlang so und es wird nicht langweilig zu beobachten. Ausserdem hat man ja sowieso nichts Anderes zu tun.

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Die Tage verlaufen ereignislos. Wir haben bis max. 15 Knoten scheinbaren Wind und angenehme Welle. Die ersten zwei Tage essen wir Vorgekochtes und verbringen die Zeit entweder draussen oder in der Horizontalen. So haben wir Gott sei Dank nicht mal einen Anflug von Seekrankheit. Wir liegen rum, lesen oder hören Hörbücher. Der Wachrythmus um beginnt um sechs abends. Ich versuche dann schon mal ein bisschen zu schlafen, meist ist es aber ein bloßes in der Koje liegen. Um neun bin ich dran, bis Mitternacht. Wir sitzen während der Wache nicht mehr draussen. Es macht nicht so richtig Sinn. Es ist immer noch kalt nachts und man sieht eh nicht wirklich was. Ich bin also unter Deck und liege im Salon rum. Alle 20 Minuten geht der Wecker und ich gehe raus gucken, ob etwas in Sicht ist. Ab und zu sieht man ein Licht am Horizont, meißt sind wir aber alleine. Kurs prüfen, Windpiloten anschauen und AIS checken. Wenn alles ok ist wieder hinlegen. So vergehen die Stunden ziemlich schnell. Bis um drei ist dann Stefan dran, dann wieder ich bis um sechs morgens. Bis um neun schlafe ich dann nochmal, bevor wir gemeinsam frühstücken. Stefan ist es langweilig, was er häufig kund tut. Es ist aber auch unspannend. Wir haben natürlich auch gutes Wetter. Wenn wir mehr Wind und Welle hätten sähe wahrscheinlich alles anders aus. Die letzten 24 Stunden fahren wir Motorboot. Der Wind ist weg. Morgens sind wir ganz aufgeregt. Stefan hat Land in Sicht gemeldet. Die Stunden vor der Ankunft am Nachmittag vertreibe ich mir mit aufräumen und so ist alles picobello als wir in Porto Santo einlaufen. Sobald wir Netz haben kommen die Telefone raus. Ich schreibe mit Sabina von der Anyway. Sie sind schon länger im Hafen und melden uns beim Hafenmeister an. Wir sind das dritte Boot auf der Warteliste für einen Stegplatz. Das heißt wir müssten im Vorhafen ankern. Als wir kurz vor dem Einlaufen telefonieren meldet Sabina einen freien Platz an ihrem Steg. Also einfach mal rein fahren, wegschicken können sie uns immer noch. Aber wir haben wahnsinnig Glück und dürfen bleiben. Wie schön! Wir sind super happy und freuen uns angekommen zu sein. Darauf gibt es einen, bzw. einige, Anleger, bevor wir abends mit Sabina und Michael Pizza essen gehen.

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Einlaufen in Porto Santo, Sabina knipst von der Hafenmole. Eine unwirkliche Landschaft.

Die erste Nacht durchschlafen in der Koje ist wunderbar. Es schläft sich so gut und wir sind fit als wir morgens wach werden. Die ersten Tage verbringen wir entspannt und trödeln so vor uns hin. Natürlich muss das Boot entsalzt und so einiges Andere gemacht werden, aber wir lassen es ruhig angehen. Jeden Morgen kommt auch hier der Brötchenhase, in Form von Michael von der Anyway. Was ein Service. Wir planen unseren Ausflug nach Madeira, auf die Hauptinsel. Porto Santo ist unschlagbar günstig und wir haben hier einen super Liegeplatz. Daher entscheiden wir uns, mit der Fähre rüber zu fahren und uns für ein paar Tage ein Zimmer und ein Auto zu nehmen. Von den Anyways bekommen wir einen Reiseführer geliehen, was die Planung enorm erleichtert. Und Montag Abend geht es dann auch schon los. Wir packen ein paar Sachen, machen das Boot dicht und gehen rüber zur Fähre. Irgendwie schon ein komisches Gefühl, das Boot so abzuschließen und alleine zu lassen. Aber wir freuen und auf unseren Urlaub. Urlaub vom Urlaub.

Die Fähre ist richtig groß uns wir machen es uns mit einem Bier auf dem Achterdeck bequem. Nach zwei Stunden sind wir da und nehmen den Bus zu unserem Zimmer, das etwas ausserhalb liegt. Unser Gastgeber Luis ist nett und das Zimmer sauber. Zwar sehr einfach, aber ok. Wir fallen sowieso nur noch erschlagen ins Bett.

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Unser Zimmer, einfach aber dafür günstig.

Am nächsten Morgen gehen wir zu erst auf einen schellen Bica (Espresso auf Madeirisch) in das Café gegenüber. Hier wuselt es von Einheimischen, die sich hier vor der Arbeit ihr Frühstück schmecken lassen. Es wird Zeitung gelesen uns Croissant geknabbert. Wir sind begeistert von der authentischen Atmosphäre. Noch besser finden wir allerdings die Rechnung von unter zwei Euro für zwei Kaffee und ein Croissant. Mit dem Bus fahren wir in die Stadt. Unser erster Stop ist die berühmte Markthalle. Die Obststände sind eindrucksvoll. Viele der Sorten habe ich noch nie gesehen. Wir werden gleich als Touristen identifiziert und von einem netten Verkäufer auf deutsch angesprochen. Er lässt uns alles probieren, Bananen-Ananas, Maracuja-Bananen, (oder umgekehrt) und 5 weitere Sorten Maracuja. Wir lecker das alles ist. Ich kaufe einen Bananen-Ananas und eine Zitronen-Maracuja. Wieder werden wir vom Preis überrascht, allerdings dieses Mal in die andere Richtung. 7,50€ für zwei Stück Obst! Wir sind wohl auf die Masche reingefallen. Aber der gute Herr kann ja auch nicht wissen, dass wir keine wohlhabenden Kreuzfahrt Touristen, sondern arme Segelschlucker sind. Den Rest der Tages lassen wir uns durch die Stadt treiben. Viel gibt es nicht zu sehen und so machen wir ab nachmittags Bar hopping und testen die lokalen Biere. Abends essen wir die beste Pizza seit Deutschland, toller dünner Boden und frischer Belag. Genau nach unserem Geschmack ist auch, dass man sich eine Pizza mit zwei unterschiedlichen Belägen teilen kann. Bei der Größe von Pizza für uns vollkommen ausreichend. Dazu gibts einen frischen Salat. Gegen zehn nehmen wir den Bus nach Hause und lassen uns auf Bett fallen. Wir lesen noch ein paar Seiten, mehr kann man in dem Zimmer auch nicht machen.

Am nächsten Morgen holen wir den Wagen ab. Ein kleine Fiat 500 in weiss, mit Panoramadach. Ein cooles Gefährt für die Insel. Stefan fährt. Ich weiß nach 4 Monaten glaube ich nicht mehr, wie das geht mit dem Schalten. Wir fahren zunächst nach Norden und wollen uns Monte anschauen. Der Ort auf dem Berg oberhalb von Funchal soll malerisch sein. Allerdings haben wir nur eine ganz grobe Karte und lassen uns daher meist von den Schildern leiten. Zweimal klauen sie uns ohne Ankündigung die Straße. Wir kommen einfach nicht hin, nach Monte. Es hat vor kurzem ziemlich große Waldbrände gegeben auf Madeira und anscheinend sind sie noch voll mit Aufräumen beschäftigt. Nachdem wir über zwei Stunden im Nirgendwo rumgefahren sind geben wir auf und fahren Richtung Osten. Mittags gehen wir in Machico bei Gala essen, ein Tip von Kati und Johannes. Ich essen Espada, den lokalen Fisch, der aus er Tiefsee gefangen wird. Dazu gibt es gebackenen Banane, Kartoffeln und Salat. Eine sauleckere Riesenportion für neun Euro. Anschließend fahren wir weiter nach Quinta da Lorde. Da liegt Niko mit der Lisa. Wir besuchen ihn an Bord und quatschen beim Kaffee über die Überfahrt. Es ist schön ihn wiederzusehen und wir können noch stundenlang erzählen. Aber wir wollen weiter, es gibt noch viel zu sehen für uns. Die Nordküste ist beeindruckend. Es geht hoch und runter, riesige bewaldete Berge und saftig grüne Täler wechseln sich ab. Und immer sieht man irgendwie das Meer.

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Berge, Täler und das Meer. Und unser kleiner Fiat.
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Ein Aussichtpunkt nach dem Anderen. Jedes halbwegs gerade Fleckchen wird zum beackert.

Es juckt mich in den Füssen, die tausenden Wanderwege abseits der Straßen zu erkunden. Jeden Stein und Grashalb aus der Nähe zu betrachten. Aber wir haben nicht so viel Zeit und wollen wenigstens einen groben Überblick über die Insel bekommen. Mitten durch die zentralen Berge fahren wir am späten Nachmittag wieder Richtung Süden. Aber nicht ohne einen Abstecher auf den Pico Areiro zu machen, einen der höchsten Gipfel Madeiras. Als wir oben aussteigen können wir es nicht glauben. Es ist kalt. Eiskalt. der Wind pfeift und ich halte es kaum aus auf dem kurzen Pfad bis zum Gipfelkreuz. Wir lassen uns im Eiltempo von der Aussicht beeindrucken und schießen ein paar Fotos, bevor wir bibbernd zurück ins Auto hechten und Richtung zu Hause fahren. Wir haben keine Lust mehr in die Stadt zu gehen und lassen uns in einem kleinen, netten Imbiss-Restaurant gegenüber der Wohnung nieder. Hier gibt es eine Kleinigkeit zu essen, einen echten Poncha zu trinken und Internet, um die nächsten Tage zu planen.

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Pico Areiro, in schnelles Foto muss reichen. Zu kalt hier oben. Aber auch der kurze Blick war super.

Am nächsten Tag wollen wir eine der berühmten Levada Wanderungen machen. Einige Leute haben uns den Weg bei den 25 Quellen empfohlen, der an Wasserfällen vorbei führt. Dafür muss man auf die Hochebene Paul de Serra fahren, wo der Weg losgeht. Aber wir haben Pech. Je weiter wir in die Berge kommen, desto schlechter wird das Wetter. Erst ist es neblig, dann regnet auch noch. Am Parkplatz angekommen steigen wir kurz aus. In kurzer Hose und T-Shirt kann man hier nix gewinnen. Aber bei dem Wetter hätte es auch in langen Sachen keinen Spaß gemacht. Wir steigen also wieder ein und entscheiden uns, zurück an die Südküste zu fahren. Da ist das Wetter eigentlich immer gut. Man muss flexibel bleiben. Wir fahren nach Estoril de Camara de Lobos und gehen auf die Levada do Norte. Den Tip und die Wegbeschreibung bekommen wir von meiner Mama per WhatsApp. Alles richtig gemacht. Es ist angenehm warm und der Weg ist wunderschön. Durch grüne Täler, Weinreben und Bananenplantagen laufen wir bis zum Cabo Girão. Hier steht man fast 600 Meter auf einer Klippe über dem Meer. Wir gönnen uns ein Taxi zurück zum Auto und düsen heim. Heute nehmen wir Abends noch den Bus in die Stadt. Wir essen was in einem coolen Bürgerladen und gehen dann noch auf ein Bier (für 1,20€) auf die Terrasse unserer Lieblingkneipe.

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Los gehts in an der Lavada do Norte. Anfangs unter Weinreben durch.
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Dann immer an der Lavada entlang durchs Tal. Niemand hier ausser uns.
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Finale am Cabo Girao, wirklich beeindruckend so hoch überm Meer.

Wir werden wieder früh wach und haben genauso schlecht geschlafen wie die letzten Nächte. Dabei ist das doch mal wieder ein richtiges Bett. Es ist schon der letzte Tag. Wir schwingen uns ins Auto und erkunden den Westen der Insel. Wir klappern die kleinen Dörfchen an der Südküste ab, laufen hier und da ein bisschen rum schauen uns alles an. Weiter gehts zum Leuchtturm im äußersten Westen und nach Porto Moniz (kein schöner Ort). An der Nordküste fahren wir zurück und machen zum Nachmittagessen Stop in Sao Vincente. Hier gibt es ein all you can eat Buffet mit typisch madeirischen Speisen für 6€. Buffet ist sonst so garnicht unser Ding, aber heute haben wir da irgendwie Lust drauf. Der Laden ist auch nicht wirklich schön, aber voll mit Einheimischen und das Essen ist gut. Viel frischer Salat, Fischpfannen, Fleischeintöpfe und Beilagen. Alles ganz gut. Pappsatt machen wir uns auf den Rückweg, geben dann das Auto ab und laufen zur Fähre. Die Überfahrt ist dieses Mal ganz schön rau und wir sind froh, dass wir einen Platz draussen an der Luft haben. Gegen halb zehn sind wir zurück im Hafen. Die Anyways sitzen noch bei Alex und Alex auf der Noah. Wir gehen garnicht erst an Bord sondern gleich rüber zum klönen. Es fühlt sich wie nach Hause kommen an.

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Adios Madeira, es war ein schöner Urlaub.

22.-29.09.2016 – Hafentage Oeiras

Wir sprechen uns mit Niko von der Lisa ab. Er ist auf seiner Colin Archer unterwegs und will mit seinen beiden Söhnen nach Madeira segeln. Malte kommt allerdings erst am 25. an, also ist am 27. Ablegen angesagt. Je nach Wind natürlich. Lange Zeit sieht es für den Dienstag gut aus, weniger Wind als die Tage vorher, aber immer noch relativ viel. Wir arbeiten darauf hin. Machen Essenspläne, gehen einkaufen, ich koche vor. Pfannkuchen Kartoffeleintopf, Möhrensalat, gekochte Eier und so weiter. Wir haben Alles gut im Griff und sind beschäftigt. Zwischendurch verabschieden wir noch Dörte und Felix, sie legen Montag morgen ab um aus dem Wasser zu gehen. Schon komisch, die Zwei nach ein paar Monaten mehr oder weniger gemeinsamen Segelns zu verabschieden. Aber wir werden uns wiedersehen.

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Rigg Check, alles in Ordnung

Wir blicken gespannt auf Dienstag. Die Vorhersage schwankt leicht. Aber insgesamt ist immer sehr viel Wind, mit bis zu 36 Knoten in Böen, angesagt. Wir hoffen, dass es bis zum Stichtag noch weniger wird. Jeden Morgen machen wir Wind-Konferenz bei Niko. Er hat die Wetterwelt Daten und ist guter Dinge. Ihm macht so viel Wind wohl weniger aus. Ausserdem verbringen seine Jungs ihren Jahresurlaub auf dem Boot, da will man nicht in Oeiras festhängen. So kommt es auch, dass sie sich entschließen am Dienstag abzulegen. Wehmütig werfen wir ihnen die Leinen los. Für uns ist das Nichts. Ich wäre gerne gefahren und Stefan und ich streiten uns viel in diesen Tagen. Wir wollen beide endlich weiter, aber er ist vernünftiger als ich und behält das letzte Wort. Wir haben die letzen Tage auch nicht viel Anderes gemacht, als Wetter zu checken und uns vorzubereiten. Man kann schon Stunden damit verbringen, sich verschiedene Programme, Datenquellen und Berechnungen anzuschauen. Schlauer wird man dadurch trotzdem nicht unbedingt. Das Problem ist, dass es keine Aussicht gibt. Bis Dienstag ist viel, danach gar kein Wind gemeldet. Ein riesiges Sturmtief über Irland drängt das Azorenhoch nach Süden und beschert uns Flaute. Ausserdem liegt ein zweites, lokales Hoch direkt über der Bucht vor Lissabon. Es ist wirklich frustrierend. Jeden Tag eine andere Vorhersage, aber nichts Stabiles mit dem man planen kann. Wir wollen vor Allem vermeiden, tagelang Motorboot zu fahren. Schlussendlich beschließen wir, am Mittwoch erstmal die Zeit zu nutzen und nach Sintra zu fahren.

Wir nehmen den öffentlichen Bus und fahren durch jeden Ort zwischen Oeiras und Sintra, in Schlangenlinien. Nach fast einer Stunde für eine Strecke von 20 km sind wir da. Obwohl Mittwoch Vormittag ist, ist es voll. Nicht auszudenken, wie es am Wochenende sein muss. Es gibt einen Bus, der alle Sehenswürdigkeiten nacheinander abklappert. Mit 5€ bist du dabei. Als ich die Sardinenbüchse sehe wird mir ganz anders. Wir entscheiden uns, den Palacio da Pena zu Fuss du erklimmen. Er liegt hoch auf einem Berg, aber was solls. Wir finden den Wanderweg und erfreuen uns der plötzlichen Stille. Den ganzen Weg nach oben sind wir die Einzigen. Es ist schön und kühl. Oben angekommen buchen wir unser erstes Sightseeing Ticket der Reise. 14€ für den Parque und den Palacio. Es lohnt sich Gott seid Dank. Der Park ist wirklich beeindruckend. Aufgrund der schon hinter uns liegenden Höhenmeter sehen wir allerdings leider nur einen Teil der 80 Hektar großen Fläche mitten im Gebirge. Es gibt kleine Teiche, Brunnen, Aussichtspunkte und kilometerlange kleine Wege. Ein riesiger, künstlich angelegter Park, der sich wunderbar in die natürliche Landschaft einfügt und diese ergänzt. Wir stapfen die letzten Meter hoch zum Palast und treffen sie wieder, die Touristen Horde. Es ist echt zum abgewöhnen. Aber der das Innere des (alten) Bauwerks ist trotzdem sehenswert. Nach einer Runde durch die Gemächer und einem Bier auf der Terrasse machen wir uns auf den Rückweg. Der geht vorbei an der alten Maurenburg und ist nicht weniger schön. Wir sind fix und fertig, als wir im Tal sind und wieder im Bus Richtung Oeiras sitzen. Diese Mal hat Stefan mich überredet, den Weg hoch zu laufen und es war wirklich ein super schöner Tag. Als wir zu Hause sind falle ich um halb zehn ins Bett.

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Unterwegs im Wald, immer bergan. Aber keine Touristen
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Vor dem Palacio da Pena

Am nächsten Morgen das übliche Ritual. Wetter Check und auch heute sieht es wieder schlecht aus. Aber wir lernen ja dazu und statt uns zu streiten treffen rasch die Entscheidung nicht abzulegen. Dafür gehe ich an den Strand, zum lesen, Musik hören, sonnen und sogar schwimmen (sehr kalt!). Am späten Nachmittag nehmen wir die Bahn nach Lissabon und gehen nochmal auf „den Platz“, ein guter Tip von Niko und Laurenz, und nach Santa Catarina zum Sundowner. Wir genießen die warme Sonne und das unvergleichbare Feeling hier. Mal sehen ob wir morgen ablegen können, oder Samstag. Die Vorhersagen sehen immer besser aus.

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Gastronomie auf „dem Platz“ – zwei Bier und ein Cafè für 3,10€
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Wir genießen den Tip von Niko und Laurenz, die zwei haben hier mehrere Nachmittage verbracht
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Sundowner am Aussichtspunkt Santa Catarina
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die „Band“ – muss man wohl bekifft sein, um das cool zu finden

15.- 21.09.2016 – Hafentage Oeiras

Der nächste Tag ist nicht gut. Um halb eins kann ich immernoch nicht aufstehen. Dementsprechend passiert nichts. Essen und wieder schlafen. Der nächste Tag ist besser. Wir sind wieder fit und voller Tatendrang. Stefan geht in die Backskiste um den Autopiloten zu checken. Er dreht die Mutter nochmal fest. Und nach fest kommt bekanntlich: Ab! Mist. Als ich das System ausschalte wird es dann richtig mies. Die Hydraulik fährt in Nullstellung und das komplette Öl spritzt raus. Stefan ins Auge. Kacke. Erstmal spülen. Er will zum Arzt, es gibt wohl einen im Ort. Ich gehe in der Zeit mit Vera und Dominique einkaufen, das hatten wir schon verabredet. Der Arzt entpuppt sich als Optiker und die Klinik, in die eine nette Optikerkundin Stefan fährt, als Privatklinik. Er telefoniert sich durch, landet in der Augenklinik Frankfurt und bekommt von dort telefonisch Entwarnung. Kann eigentlich nichts passieren. Puh, welche Aufregung. Abends begleiten wir Vera, Dominique und Sabina und Michael von der Anyway zum Essen bei Peter Cafe Sport. Wir zwei trinken allerdings nur GinTonic für 2,90€.

Samstags ist mal wieder Waschen angesagt. Nachmittags gehen wir kurz schwimmen im kostenlosen Meerwasser Schwimmbad nebenan. Sonntag soll es für die Richard Parker und die Anyway endlich los gehen nach Madeira. Abends gehen wir noch rüber auf die Etap und wünschen Mast und Schotbruch. Mit acht Mann wird es mal wieder länger als geplant aber immerhin bleibt es bei zwei drei Mini-Bier.

Morgens winken wir mit dem Taschentuch, als die zwei Boote ablegen. Wir haben uns inzwischen entschieden, auch nach Madeira zu gehen und nicht die Algarve runter zu segeln. Allerdings brauchen wir noch ein paar Tage um den Autopiloten zu fixen und das Sat-Phone einzurichten. Wir haben keine Lust mehr auf Hafenhopping. Lieber segeln wir eine lange Strecke und bleiben dann ein paar Tage an einem Ort. Aber erstmal bleiben wir noch in Oeiras. Die nächsten Tage sind unspektakulär. Es kommen Mechaniker, die den Autopiloten ausbauen, reparieren und wieder einbauen. Wir haben beide MagenDarm und sind zwei Tage mehr oder weniger out of order. Wir lesen viel und sind auch sonst ziemlich faul. In einem Anflug von Aktionismus wollen wir zwischendurch neue Markierungen an der Ankerkette anbringen. Ganz raus bekommen wir die Kette nicht, der letzte Meter ist zu einem Klumpen zusammengerostet. Aus kurz mal die Kette markieren wird die Kette mit einer kleinen Scheiß-Säge aufsägen, den Ankerkasten sauber machen und feststellen, das Farbe ausgebessert werden muss, die Kette mit einer neuen Leine festbändslen, noch schnell die Ankerboje klarmachen und dabei ein riesen Chaos an Bord veranstalten. Uff.
Heute ist Mittwoch der 21. Ursprünglich sah das Wetter für morgen gut aus. Jetzt ist morgen bis Sonntag kein und danach zu viel Wind angesagt. Mal sehen wann wir loskommen. Bis dahin genießen wir die schöne Marina und die frischen Brötchen jeden Morgen, hier in Oeiras.

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11.-14.09.2016 Hafentage Lissabon

Wir verbringen einen super Tag mit Barbara. Wir frühstücken typisch portugisisch im Hafen, bevor wir in die Stadt gehen. Mittags laufen wir durch das Alfama Viertel. Die engen, mit alten Straßenbahnen befahrenen Gassen sind mit Touristen überschwemmt. Es ist ja auch Sonntag. Wir versuchen die ausgetretenen Pfade so schnell es geht zu verlassen. Bei der Hitze ist schnell allerdings relativ. Am frühen Nachmittag essen wir leckere, gegrillte Sardinen und trinken Vinho Verde in einem netten Restaurant, dessen Terrasse einen ganzen Platz einnimmt. Eine gute Wahl. Nachmittags ist es noch heißer und wir nutzen die Wasserflaschen nicht nur zum trinken. Wir schlendern Richtung Barrio Alto und machen zwischendurch den ein oder anderen Einkehrschwung. Abends essen wir erst ein paar Muscheln an einem winzigen Tisch in einem winzigen Restaurant. Sie sind mit Butter und frischem Koriander zubereitet und köstlich. Stefan wird davon natürlich nicht satt. Auf dem Heimweg laufen wir Gott sei Dank an einem Laden vorbei, wo es auch was für ihn gibt. Currywurst. Wir bestellen erst eine Portion mit Pommes und dann noch eine. Der Inhaber des Lokals ist Deutscher und so schmeckt auch die Wurst. Nach ein paar Monaten unterwegs ist so ein Schmankerl doch mal was Feines. Es ist Mitternacht als wir zurück an Bord sind. Hier nehmen wir noch einen Absacker, oder zwei, bevor wir in die Kissen fallen.

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Barbara muss heute schon wieder los. Wir stehen auf, duschen und suchen uns ein Taxi. Stefan und ich wollen noch in ein Einkaufszentrum und so begleiten wir Barbara ein Stück im Taxi zum Flughafen. Es war so schön, meine liebe Schwester zu sehen. Dass sie für zwei Nächte hergeflogen ist werde ich ihr nicht vergessen. Schade nur, dass die Zeit zusammen so kurz war. Stefan und ich suchen ein Objektiv für die Kamera, werden aber nicht fündig. Wir schauen das Stadion an und trödeln dann langsam wieder Richtung Stadt und Hafen.
Den nächsten Tag vertrödeln wir auch. Es ist wieder heiß und im Hafen regt sich kein Lüftchen. Erst abends gehen wir zum Schiffsausrüster um noch Seekarten zu besorgen. Danach gönnen wir und schon wieder was. Wir gehen zum Thailänder. Solange wir noch in einer Großstadt sind und es einen(!) Thai in der Stadt gibt müssen wir das ausnutzen. Das Essen ist auch wirklich gut.

Irgendwie ist bei uns im Moment ein bisschen die Luft raus. Die letzten Tage waren voll gepackt und anstrengend. Viele Meilen, viel auf den Beinen und wenig Schlaf. Wir sind müde. Wie geht es weiter? Wollen wir wirklich die Algarve runter fahren? Stefan liest im Törnführer von einem Tourismus Overkill. Haben wir da Lust drauf? Wollen wir weiter in Tagesetappen tingeln und alle zwei Tage die Leinen loswerfen? Irgendwie hört sich das gerade nicht so sexy an. Wir überlegen ziemlich lange hin und her. Algarve oder Madeira? Mittelmeer als Backup oder die finale Entscheidung für den Atlantik? Es ist nicht leicht. Ich will zumindest erstmal weg aus Lissabon. Es ist zwar cool und man ist in 15 min in der Stadt, aber es ist auch laut, heiß und ein bisschen einsam, da nur einheimische Wochenendsegler um uns herum liegen. Wir bekommen eine Mail von Felix. Sie liegen in Oeiras, gemeinsam mit den Richard Parkers und den Anyways. Deren Abfahrt nach Madeira hat sich wohl verzögert. Für uns ist das die Entscheidung, am nächsten Tag erstmal auch nach Oeiras zu gehen.

Hochwasser ist erst gegen drei Uhr und wir müssen den Ebbstrohm flussabwärts nutzen. Wir haben also noch den Vormittag Zeit um uns den Motor anzuschauen. Seit ein paar Tagen haben wir ein bisschen Öl in der Motorbilge. Es ist kein Motoröl und kein Diesel. Kommt es aus dem Saildrive? Wir haben ja keine Ahnung. Wir müssen wohl einen Termin mit dem Mechaniker in Cascais machen, der sich auch die Richard Parker angeschaut hat. Wir rufen an und sie wollen für einen Termin zurückrufen. Als Stefan vom Duschen zurückkommt hat er einen Typen im Schlepptau. Er trägt ein Yanmar T-Shirt und guckt sich sofort unseren Motor an. Er bestätigt die Saildrive Theorie. Nachmittags schickt er seine Mitarbeiter, die das in Ordnung bringen sollen. Wow. Manchmal lösen sich die Dinge schneller als erwartet. Mit frisch getauschter Dichtung und gespannten Keilriemen legen wir gegen 17 h ab und sind mit Mordsströhmung um 19h fest in Oeiras. Felix hat uns die Leinen abgenommen und lädt uns auch gleich zum Abendessen ein. Fein, wir freuen uns. Dörte hat wunderbares Risotto gemacht und es reicht locker für vier. Es gibt leider etwas zu viel Rotwein.

10.09.2016 Cascais – Lissabon

Barbara landet um 13:30 h und Hochwasser ist schon um 10 h morgens. Zwar sind es nur 12 Meilen, aber wir wollen unter allen Umständen vermeiden, gegen den Strom anzusegeln. Also stehen wir früh auf, gehen duschen und checken um 9:00h, als die Reception öffnet, aus. Der Wind ist komisch. Mal 6 Knoten, mal 15 Knoten. Wir rupfen die Segel raus und es geht gut. Und wird immer besser. Nach vielen Meilen mit Wind von hinten macht so ein am Wind Kurs mal wieder richtig Spaß. Stefan steht am Ruder und ich sitze am Traveller. Bei 18 Knoten Wind mache ich ein bisschen auf, bei über 22 ganz. Dicht geholt wird zwischendurch natürlich auch. Es macht richtig Laune und wir hatten einen coolen Morgen, als wir um 11h unseren Platz im Doca de Alcantara finden. Dann heißt es erstmal aufräumen, Wasser tanken und das Deck abspritzen. Wir wollen ja, dass der Besuch sich wohl fühlt. Auf dem Weg zum Marina Office treffen wir dann auch noch Pleuni von der Island Lady. Wir freuen uns sie zu sehen und schnacken ein bisschen. Ein bisschen zu lange, denn wir müssen uns beeilen zum Supermarkt zu kommen, bevor Barbara vom Flughafen eintrifft. Als wir gerade auf dem Weg sind höre ich meinen Namen. Sie sieht uns gerade noch in der Unterführung verschwinden, als sie aus dem Taxi steigt. Was ein Zufall. Wir fallen uns in die Arme und verbringen die erste halbe Stunde erstmal mit einkaufen. Ein bisschen Wasser brauchen wir auf jeden Fall. Danach trinken wir an Bord einen ordentlichen Anleger in Form von Lillet und Gin Tonic. Es ist heiß und Barbara kühlt sich im Tejo ab. Pleuni und Jauke kommen auch noch kurz vorbei, bevor wir uns auf den Weg zum Abendessen machen. Es hat schon deutlich abgekühlt und die Mädels brauchen länger, bevor sie wissen was sie anziehen wollen. Die Wahl für das Restaurant des Abends ist dann deutlich einfacher. Wir laufen durch eine Gasse ausserhalb des Zentrums und sehen einen netten Laden. Wir fackeln nicht lange und bekommen einen tollen Tisch. Das Konzept ist, sich mit mehreren Leuten verschiedene Hauptgänge zu bestellen und zu teilen. Ganz nach meinem Geschmack. Es gibt gebratenen Thunfisch mit einer wunderbar süsslichen Sauce, Pulpo mit herzhaftem Gemüse und frittierte Calamari. Alles drei ausgezeichnet. Danach sind wir so glücklich, dass wir aufs Boot wollen. Und dann auch ins Bett. Gegen halb zwei werden wir wach. Es ist wohl Samstag und der neue Club im Hafen öffnet. Ich versuche es mit Ohropax, aber das lässt die Bässe, die durch unsere Matratze wummern, auch nicht verschwinden. Barbara meint, dass sie gegen halb sieben eingeschlafen ist.

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09.09.2016 Peniche – Cascais

Wir werden schon um 7 wach. Da der Wecker eh bald geklingelt hätte stehen wir auf. Es liegen 50 Meilen vor uns und wir sind ja nicht so schnell unterwegs. Gegen acht legen wir ab und segeln die ersten Meilen. Vor uns sind schon ein paar andere Boote losgefahren, wir sehen sie auf dem AIS. Als wir ein paar Meilen draussen sind sehen wir auch die Festina Lente aus dem Hafen kommen. Als sie uns überholen machen wir gegenseitig ein paar Bilder von den Booten unter Segeln. Hatten wir bisher noch keine. Kurz danach wird der Wind weniger. Wir kommen kaum noch vorwärts und durch die hohen Wellen schlagen die Segel irgendwann nervtötend. Ich bin frustriert. Die Faurby ist schon weit vor uns und von hinten kommen die nächsten unter Gennaker angerauscht. Nur wir dümpeln vor uns her und kommen nicht vom Fleck. Wir brauchen dringend auch einen Gennaker oder etwas in der Art. Irgendwann bin ich fast wütend und schmeiße die Maschine an. Zwei drei Stunden fahren wir, bevor der Wind zurück kommt. Die Festina Lente ist nicht mehr zu sehen. Sie funken uns an und wir stellen fest, dass sie ca. 7 Meilen vor uns sind. Der Wind wird kurz vor dem Kap immer besser und wir fahren mit über 6 Knoten. Jetzt macht es wieder richtig Laune und der Ärger ist verflogen. Auch die Meilen nach dem Kap gehen richtig ab und wir schaffen es doch noch fast wie geplant um halb sieben in die Marina. Wir wussten, dass Cascais teuer ist. Als wir 35 € lesen sind wir dann fast ein bisschen erleichtert. Bis wir hören, dass da noch 23% VAT zukommen. 43 € also. Aber es gibt eine Flasche Wein dazu. Ich hätte sie ihnen gerne um die Ohren gehauen. Ausserdem haben wir keinen Cash, um das Pfand für die Chipkarte zu bezahlen. Wir sollen anlegen, zum Geldautomaten in der Marina gehen und dann zurückkommen. Ich bin sauer, die Marina ist riesig, es ist spät und wir haben echt anderes zu tun. Ohne Karte kommen wir allerdings nirgendwo rein. Nach dem Check in legen wir uns auf unseren Platz und trinken einen gestressten Anleger. Wir müssen kochen, spülen, Wasser tanken, die Chipkarte holen, ein bisschen aufräumen und putzen bevor Barbara kommt und wollen eigentlich auch nochmal durch die wirklich schöne Marina laufen, bevor wir morgen ziemlich früh wieder ablegen um nach Lissabon zu segeln. Wir haben immerhin 43 € für die Nacht bezahlt. Wir sitzen gerade kurz im Cockpit als Vera von der Richard Parker rüber ruft und uns einlädt. Sie haben schon die Festina Lentes und ein anderes Paar an Bord. Wir kommen natürlich gerne, nur noch nicht gleich. Ich sprinte zum Marina Office die Karte holen, während Stefan die Pizza in den Ofen schiebt. Essen und spülen tun wir im Schweinsgalopp. Der Rest fällt aus. Mir fällt es schwer, die ganzen ToDos einfach zu ignorieren. Aber warum machen wir die Reise? Das Wichtigste ist doch, andere Crews zu treffen und die Kontakte zu pflegen, die man hat. Wir gehen also rüber und lernen Sabina und Michael von der Anyway kennen. Sie sind auch in unserem Alter und haben einen ähnlichen Plan. Es ist ein toller Abend, ein bisschen wie Abschied nehmen. Die Festina Lente geht bald ins Winterlager. Richard Parker und Anyway sind vor dem Sprung nach Madeira und wir haben vor, noch ein bisschen die Algarve runter zu segeln. Wir sehen uns dann wohl erst viel später wieder. Es ist schon wieder spät, als wir zurück an Bord und im Bett sind.

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08.09.2016 Hafentag Peniche

Eigentlich wollten wir heute gleich weiter. Meine Schwester kommt am Samstag nach Lissabon geflogen und es sind noch ca. 80 Meilen. Allerdings ist aus dem guten Wind, den sie angesagt haben inzwischen zu viel Wind geworden. Als Stefan für einen Tag den Hafen bezahlen will wundert sich der nette Herr im Büro und rät uns davon ab heute weiterzufahren. Kurz vor Caiscais, unserem nächsten Ziel, muss man um das Cabo Roca rum. Wir haben auch schon von den Richard Parkers gehört, dass der Wind hier plötzlich extrem zunimmt und es ungemütlich werden kann. Wenn eh schon über 20 Knoten angesagt sind wird es ums Kap bestimmt deutlich mehr. Nagut, wir bleiben also. Es ist auch eigentlich ganz nett. Wir schlappen durch den Ort, trinken im gleichen Pub ein Bier und gehen einkaufen. Den Rest des Tages vertrödeln wir anderweitig. Abends ruft Dörte rüber und wir gehen auf ein (haha) Bier vorbei. Eigentlich wollten wir auch noch essen, aber das fällt heute aus. Dörte versorgt uns gut mit Käse, Salami und Chips. Muss reichen. Aus einem grünen Wein werden mehrere Flaschen und wir sind mal wieder viel länger aus als wie geplant hatten.

07.09.2016 Nazare – Peniche

Bis Peniche sind es nur 25 Meilen. Wir können es kaum erwarten loszukommen und dem Gestank zu entfliehen. Die ersten paar Meilen können wir segeln, aber dann schläft der Wind ein und wir fahren Motorboot. Als wir ankommen ist kein Platz an dem kleinen Gastlieger Steg frei und wir gehen bei einer holländischen Contest ins Päckchen. Das ungleiche Paar ist super nett und es stellt sich raus, dass er Spanier und sie Deutsche ist. Wir unterhalten uns lange von Boot zu Boot. Sie haben beide einige Jahre auf Superyachten als Crew gearbeitet, es ist spannend was sie zu erzählen haben. Später kommt auch die Festina Lente, sie haben wohl auch genug gehabt von Nazare. Abends gehen wir in einem Pub ein Bier trinken und kochen danach an Bord.

05. & 06. 09.2016 Leixoes – Nazare

Wir entscheiden uns für den langen Schlag nach Nazare. Es sind 100 Meilen, aber der Hafen soll bei allen Bedingungen sicher sein. Pleuni und Jouke wollen direkt die 200 Meilen bis nach Lissabon. Morgens kochen wir noch Kartoffeln, damit wir es auf See  einfacher haben. Es lässt sich super an. Wir stellen Pete ein und machen richtig Fahrt. Zu Beginn unter Vollzeug über 6 Knoten im Durchschnitt. Der Wind kommt aber immer achterlicher und wir nehmen die Fock weg . Trotzdem sind wir gut unterwegs, nur deutlich Stressfreier. Abends will ich Katoffelsalat machen. Es ist abenteuerlich. Dressing anrühren wird zum Geschicklichkeitspiel, Majo Glas, Essigflasche und Rührschüssel wollen unter Kontrolle behalten werden. Stefan schneidet im Cockpit die Kartofflen und findet es auch nicht gerade lustig. Das nächste Mal machen wir wohl den ganzen Salat fertig bevor wir ablegen. Als wir gerade fertig sind mit Essen kommen Delfine vorbei. Es sind bestimmt 5-10 Tiere und sie begleiten uns für Stunden. Meine Wache ist cool. Ich höre altes Elektrozeug auf dem Ipod und halte mich mit Kniebeugen warm. Es ist ein tolles Gefühl, unter Segeln und einem wahnsinnigen Sternenhimmel durch die Nacht zu rauschen.

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Irgendwann wird mir aber doch sehr kalt und ich bin müde. Die letzte Stunde ist wirklich hart und ich bin froh, als ich endlich Stefan wecken kann. Der Arme hat bei der Action leider kaum geschlafen. Die Wellen waren aber auch echt hoch. Ich habe dieses Mal Glück, der Wind nimmt ab und es schaukelt weniger. Ich kann sogar ein bisschen schlafen. Als ich um sechs wieder dran bin ist der Wind komplett weg und wir machen die letzten 10 Meilen nach Nazare unter Motor. Wir sind total happy, 90% segeln auf der Nachtfahrt hatten wir noch nicht. Noch glücklicher sind wir allerdings als wir ins Bett fallen und sofort tief schlafen.
Der Hafen von Nazare ist wirklich nicht schön. Wir sind, mit der Festina Lente und zwei drei anderen Booten, die Einzigen. Die Stege sind ausserdem total von Mövenschiss verdreckt und es stinkt nach Guano. Wirklich wohl fühlen wir uns nicht. Nach dem Ausschlafen und Duschen machen wir uns auf den Weg in den Ort. Richtig fit sind wir natürlich nicht und wir schleppen uns mehr oder weniger die 2 km in die Stadt. Es erinnert stark an Massentourismus. Hunderten Souveniershops an der Promenade, die billiges Plasikzeugs und Sonnenschirme verkaufen, viele Menschen die sich über die Gehwege schieben und Restaurant-Hascher, die einen einfangen wollen. In solche Läden gehen wir ja schon aus Prinzip nicht. In der zweiten Reihe plumpsen wir schließlich an einen freien Tisch und bestellen ein Bier. Auf den zweiten Blick sieht die Kneipe wirklich nett aus. Alle Tische sind besetzt und auf den meisten stehen Teller voll mit Muscheln verschiedenster Coleur. Als das erste Mini Bier fast leer ist stehen Dörte und Felix an unserem Tisch. Sie sind zufällig vorbei gekommen. Die nächsten Biere trinken wir gemeinsam und tauschen uns über die letzten Wochen aus. Wir haben uns länger nicht gesehen. Die zwei haben schon gegessen und wir ziehen alleine los. Wir können uns mal wieder nicht einigen wo es hingehen soll. Stefan will kein Fisch und ich will kein Fleisch. Wir enden bei einer Dönerbude am Strand. Haben wir auch ewig nicht gegessen. Schmeckt zwar nicht wie in Deutschland, aber wirklich gut und ist günstig. Gegen neun sind wir wieder auf dem Boot. Eigentlicht wollten wir nochmal zu den Anderen rüber, aber wir fallen völlig erschossen in die Koje.

02. – 04.09.2016 – Hafentage Leixoes

Den ersten Tag verbringen wir natürlich in Porto. Es fährt ein Bus in die Stadt, der direkt vor der Marina hält. Zwar braucht er 35 Minuten für ca 8 km direkten Weg, aber es ist praktisch und ohne umsteigen. In der Stadt lassen wir uns treiben. Wir haben keine Karte und keinen Führer. Immer bergab geht’s zum Fluss. Da sind allerdings auch die Touristen. Genauso wie die Straßenmusikanten, Bettler und Restaurantfänger (in der Reihenfolge). Hier gefällt es uns nicht so gut. Wir gehen also über die berühmte Brücke. Nein, wir quetschen uns vielmehr über den Fussgänger Weg, zwischen Fotos schießenden Touries, lahmen Alten, oder lahmen Jungen. Es ist echt zum abgewöhnen. Drüben überlegen wir, ob wir uns einen der berühmten Portwein Kellereien anschauen sollen. Ich habe große Lust, aber die Touristen Meute hat mir heute schon den Rest gegeben. Wir lassen es also und gehen rüber auf die andere Flussseite ins Universitätsviertel. Dort gibt es viele coole Kneipen. In einer Buchhandlung kaufen wir einen Lonely Planet von Portugal. Wir haben vor, mit einem Mietwagen den Rio Douro hochzufahren und in einer Quinta (Weingut mit Weinprobe) zu übernachten. Da wir in einer Großstadt sind und endlich mal wieder asiatisch essen wollen warten wir, bis das Sushi Restaurant unserer Wahl aufmacht. Die Zeit überbrücken wir mit Reiseführer lesen uns Pläne schmieden. Da von Samstag auf Sonntag alles ausgebucht scheint, beschließen wir von Sonntag auf Montag on Tour zu gehen. Als der Sushimann dann endlich seine Matten auspackt essen wir sehr lecker und qualitativ gut, aber nicht reichlich, zu durchschnittlichen Preisen. Also wie in Deutschland. Wir nehmen den 21:15 Bus zurück und als wie wieder an Bord sind klopft es mal wieder. Die Holländer von nebenan laden uns zu sich ein. Sie haben ein altes, kleines Stahlboot, dass von innen aber auch toll neu gemacht ist. Jouke und Pleuni aus Amsterdam sind super nett. Ca. unser Alter und absolut unsere Kragenweite. Wir haben einen wirklich schönen Abend und hoffen die zwei mal wieder zu sehen.

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Am nächsten Tag stehen mal wieder ein paar ToDos an. Wir machen unseren Spibaum fertig zum Einsatz. Aus zwei Leinen machen wir je einen Hahnepot für den Niederholer und für den Toppnant, damit der Zug nicht auf die Mitte, sondern auf die Endbeschläge geht. Gut, dass wir so viele Leinen an Bord haben. Wir wussten nie, wofür wir die alle brauchen werden, aber es sind immer weniger, die nicht im Einsatz sind. Ausserdem verstauen wir das Dinghi, in Portugal brauchen wir es erstmal nicht. Jetzt haben wir endlich Platz auf dem Vordeck, um mit dem Spibaum auch hantieren zu können. Den Rest des Tages gehen wir einkaufen und chillen ein bisschen. Als Plouni gegen halb zehn klopft und fragt, ob wir mit in eine Bar gehen wollen muss ich nein sagen. Wir sind ziemlich kaputt und eigentlich schon auf dem Weg ins Bett. Als ich dann unter Deck sitze, finde ich es schade. Man hat ja immer das Gefühl was zu verpassen. Leider können wir am nächsten Tag immer noch nicht weiter. Es ist kein Wind angesagt und es liegen 60 – 100 Meilen vor uns. Wir fahren also nochmal nach Porto und essen Mittags in einer Markthalle etwas ausserhalb der Touri-Kerns. Viele kleine Stände, die typisches portugisisches Essen modern inteprtieren. Hier bekomme ich endlich meine Entenmuscheln, die ich schon seit Galizien mal essen will. Sie heißen Percebes und sehen total verrückt aus. Gut, dass ich im Internet gelesen hatte wie mal sie isst. Es macht Spaß und ist unglaublich lecker.

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Im Fotografiemuseum fragen wir uns mal wieder: Ist das Kunst oder kann das weg? Die beiden Ausstellungen sind wirklich witzlos. Nach dem Motto Hauptsache alle sind nackt. Gut, dass es kostenlos war. Abends gehen wir wieder rüber auf die Island Lady. Diese Mal ist die Crew von der Eva Kristina auch da und wir philosophieren zu sechst über die weiteren Segelmöglichkeiten. Da am Montag endlich Wind kommen soll und wir 50 Meilen vor uns haben lassen wir unseren Trip in den Alta Douro schweren Herzens ausfallen. Schade, dass es nicht so gelaufen ist wie wir uns das vorgestellt haben.

01.09.2016 Viana – Leixoes

Es passiert… nix. Die ersten paar Meilen segeln wir, bevor der Wind einschläft und wir die restlichen, langen Meilen Motorboot fahren. Abends passiert auch nicht mehr viel. Es gibt Pasta mit Salsiccia und gerösteter Paprika in Sahnesauce, ein schweinisches Vergüngen. Wir schaffen es nicht mal mehr bis rüber auf die Antara, so fertig sind wir. Ich gehe um halb neun ins Bett.

30. & 31. 08.2016 – Hafentage Viana

Es ist mal wieder Waschtag. Endlich eine ganz gute Waschmaschine zu einem normalen Preis. In Bayona wollten sie 12,50 € für Waschen und Trocknen. Das bin ich ja fast vom Glauben abgefallen. Wir gönnen uns also zwei Maschinen und dekorieren das Boot mit Laken und Klamotten. Als alles aufgehangen ist gehen wir in den Ort. Er ist ganz schön, viele kleine Gassen mit süßen Läden und Cafes. Sonst nicht besonders spektakulär. An Bord machen wir Siesta, bevor wir wieder los gehen um die Kirche auf dem Berg anzuschauen. Es führen viele viele Stufen hinauf und da wir Jeans tragen, wird uns mächtig warm. Stefan beschließt, sich alle fünf Stufen zu beschweren. Oben werden wir mit einer tollen Aussicht belohnt. Und ein bisschen workout ist ja ab und zu auch nicht so schlecht. Als wir wieder unten sind brauchen wir wir üblich ewig um zu entscheiden, wo wir essen wollen. Am Ende entscheiden wir uns für die Trip Advisor Empfehlung, O Tabernao. Das Lokal sieht nett aus und wir bestellen zwei Fleischgerichte, die eine portugiesische Spezialität sein sollen. Leider ein totaler Griff ins Klo. Das Fleisch ist bei uns beiden zäh, total durchwachsen, so dass man nur die Hälfte essen kann. Stefans Sauce schmeckt wie aus der Tüte und auch die Pommes sind eher geschmacksneutral. Wir ärgern uns und fragen die Bedienung, ob das Fleisch immer so durchwachsen wäre. Sie sagt das wäre normal. Als der Chef die Teller abräumt und fragt, ob es geschmeckt hat sind wir ehrlich und sagen was wir denken. Er entschuldigt sich tausend Mal und wir bekommen einen Portwein aufs Haus. Das Fleisch sei aber immer so durchwachsen. Naja gut, fürs nächste Mal wissen wir, dass in Portugal wohl auch eher Fisch angesagt ist.
Eigenlicht wollen wir am nächsten Tag ablegen. Es sind allerdings 30 Knoten Wind vorhergesagt, so dass wir uns dagegen entscheiden. Wenn schon 30 angesagt sind, sind es in Wirklichkeit in der Regel mehr. Wir verbringen den Tag mit Bootsarbeiten, das Wetter ist eh nicht so toll. Stefan kontrolliert den Saildrive und wir stellen fest, dass die Halterungen von zwei Kühlwasserschläuchen lose sind. So wird aus einer kleinen Sache mal wieder ein fast Tag füllendes Programm. Abends holen wir uns frisches Gemüse und machen einen großen italienischen Salat, mit Thunfisch und allem drum und dran. Als wir fertig sind mit essen kommen Marek und seine Frau vorbei. Ich habe ihren Namen vergessen. Sie haben ein großes holländisches Stahlboot, mit Holzmasten. Sie fragen uns, ob wir später auf ein Bier vorbei kommen wollen. Wir sind begeistert von ihrem Boot. Obwohl es von aussen wie holländisches Stahlgeraffel aussieht, ist es innen weiß und modern eingerichtet. Es gibt eine Sofaecke, einen Holzofen und ein (für Bootsverhältnisse) riesiges Schlafzimmer. Sie haben innen alles selbst ausgebaut und leben dauerhaft auf der Eva Kristina.

29.09.2016 Bayona – Viana do Castelo

Wir haben ein bisschen Respekt vor Portugal. Überall liest man, dass es kaum Häfen gibt und dass die, die da sind oft auch bei guten Bedingungen an der Küste gefährlich anzulaufen oder gar geschlossen sind. Unser heutiger Schlag ist vergleichsweise kurz, bis Viana do Castelo sind es nur 35 Meilen.

Gegen zehn Uhr verlassen wir Bayona bei wenig Wind. Kaum sind wir allerdings aus der Bucht bläst es ganz ordentlich. Gottseidank von hinten. Wir ziehen das Großsegel hoch und machen endlich mal wieder Fahrt unter Segeln. Allerdings steht auch schon ein bisschen Welle. So eineinhalb bis zwei Meter sind es bestimmt. Nach ein paar Woche im „Binnenrevier“ der Rias sind wir das Geschaukel nicht mehr gewöhnt und müssen uns erst wieder eingrooven. Nachmittags nimmt der Wind dann nochmal zu. Ich habe einen Heidenspaß, wir rauschen nur so dahin und kommen unserem Ziel schnell näher. Inzwischen sehen wir häufig über 20 Knoten auf dem Windmesser. Um in den Hafen zu kommen müssen wir erstmal ein Stück am Ziel vorbeifahren und den Breakwater umrunden. Das „Problem“ ist nur, dass wir danach stramm nach Norden in den Kanal rein fahren und uns der Wind genau auf die Nase weht. Als wir langsam eindrehen und der Wind erstmal auf halb dreht legen wir ordentlich an Fahrt zu. Wir haben inzwischen nur noch die Genua drauf, was auch gut ist. Wir rollen sie gleich ein Stück weg um der Windrichtung Rechnung zu tragen. Als wir dann auf einen am Wind Kurs anluven geht es richtig ab. Wir haben den Motor schon an, da den Ebbstrom gegen uns haben und nicht sicher sind wie stark er ist. Wir können gerade so hoch am Wind mit Motorunterstützung in den Fluss rein segeln und ich sitze auf der hohen Kante. Als wir dann in die Abdeckung eines Berges kommen, ist der Spuk vorüber. Der Windmesser geht von 30 runter auf 20 Knoten und wir entspannen uns etwas. Gegen fünf machen wir am Wartesteg vor der Marina im Fluss fest. Wir können hier für 2 Tage liegenbleiben. Nach der Aufregung passiert nicht mehr viel. Wir gehen kurz zum WLAN tanken in die Hafenbar, kochen was und gehen später noch zu den Franzosen auf ein schnelles Bier. Ein geiler Segeltag!

28.08.2016. Hafentag Bayona

Ich werde gegen halb neun wach. Stefan ist noch nicht aufstehbereit. Jetzt ist die Gelegenheit, ich wollte schon so lange mal eine Runde joggen gehen. Also Musik mitnehmen und los. Die Hafenpromenade hoch und runter, eine kleine Runde für den Anfang. Danach ist Arbeitseinsatz angesagt. Ich schneide die Antirutschmatten für unseren Teppich zu und mache dabei gründlich sauber. Stefan beschäftigt sich derweil mit dem weiteren Törnverlauf in Portugal. Sie machen einem ja alle eine Heidenangst vor der portugiesischen Küste. Ausserdem leeren wir unseren externen Dinghi Tank. Der leckt schon die ganze Zeit wie verrückt und wir haben die Schnauze voll. Wir wollen nicht jeden Tag den Ankerkasten auswischen und nach Benzin stinken. Das blöde Drecksding haben wir erst in Plymouth gekauft. Wir haben den günstigsten genommen, was soll da schon dran sein? Falsch gedacht. Obwohl wir schon die Dichtungen ausgetauscht haben kommt immer irgendwo Benzin raus. Ich kann wirklich niemandem das Modell Hulk in Orange mit 12 Liter Fassungsvermögen empfehlen. Schade, dass wir ihn nicht zurückbringen können. Ein Beispiel für „billig gekauft ist doppelt gekauft“. Wir sind wirklich echt sauer. Den Rest des Tages chillen wir und wollen auch nochmal die Festung anschauen. Aber erst später, wenn es kühler ist. Morgen geht es weiter, dann verlassen wir das traumhafte Galizien. Es war wirklich wunderschön, lecker, günstig, liebenswürdig hier. Gut, dass wir uns vier Wochen Zeit genommen haben um alles zu erkunden. Mal sehen, was uns in Portugal erwartet.

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27.08.2016. Isla Cies – Bayona

Wieder Nebel. Aber dieses Mal richtig dick. Eigentlich wollte ich heute morgen nochmal zum Leuchtturm und ein bisschen die Insel anschauen, aber so macht das keinen Sinn. Wir entscheiden und für einen kurzen Schlag nach Bayona. Zu zweit gehen wir Ausguck, checken das AIS und hupen ab und an. Man sieht wirklich kaum etwas. Eine spannende Sache. Als die Tonne, auf die wir zugehalten haben, auf einmal ein paar Meter neben uns auftaucht, ist es richtig gespenstisch. Kurz vor dem Hafen wird es besser und als wir im königlichen Yachtclub festgemacht haben ist das Wetter schön. Schon ein Phänomen dieser Nebel. Der Hafen ist traumhaft gelegen. Direkt neben einer alten Festung. Das Clubrestaurant ist Mitgliedern vorbehalten. Schade, denn es ist im alten englischen Stil gehalten und wirklich traumhaft schön. Da wir am Ponton mit Muringleine liegen ist das Hafengeld gottseidank erträglich. Statt Clubrestaurant begnügen uns mit einem Gang in die Stadt und finden auch hier nette kleine Kneipen und Restaurants. Nach ein paar Tagen vor Anker und mit selber kochen, gönnen wir uns eine Pizza und Vino Tinto. Es ist schon ganz schön anstrengend, wenn man jeden Tag weitersegelt. Auch wenn die Schläge nur kurz sind, man muss jedes Mal klarschiff machen, das Dinghi verstauen etc. Wir sind froh, dass wir morgen noch hier bleiben und nehmen uns vor, wieder öfter länger an einem Ort zu bleiben.

26.08.2016 Combarro – Isla Cies

Bei keinem Wind motoren wir in Richtung der Nationalpark Inseln. Nach wiederholtem Telefonieren auf Spanisch haben wir die erforderliche Permit. Die Bucht ist schon um halb drei nachmittags brechend voll. Auch am Strand wimmelt es von Menschen. So habe ich mir den Nationalpark nicht vorgestellt. Alle paar Minuten kommen Fähren an, laden neue Touristen ab und wirbeln das ganze Ankerfeld durch. Der Schwell ist kaum auszuhalten. Wir gehen eine kurze Runde über die Insel, sind aber von den Massen so genervt, dass wir wieder aufs Boot flüchten. Als sich die Bucht am frühen Abend langsam leert legen wir uns näher Richtung Land. Aber entgegen unserer Hoffnung ist der Schwell hier genauso schlimm. Aber gut, für eine Nacht sollte es gehen. Abends kommen die Franzosen rüber gerudert und wir verbringen eine schönen Abend bei Rotwein.

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25.08.2016 Sanxenxo – Combarro

Ich will morgens noch einkaufen und laufe durch die halbe Stadt. Leider haben die Läden an einem Donnerstag zu. Wegen Fiesta. Wenn in Deutschland Schützenfest ist, macht der Rewe doch auch nicht zu. Naja, muss ohne gehen. Als ich nach einer Stunde wieder an Bord bin ist Nebel aufgezogen. Wir überlegen, fahren dann aber doch los. Es scheint, als ob wir uns für die richtige Richtung entschieden haben. Als wir nach nur sieben Meilen am Ende der Ria ankommen, hat es fast aufgeklart. Wir werfen den Anker und genießen die Ruhe. Abends machen wir das Dinghi klar und fahren in den Ort. Er ist wirklich super süß. Eine extrem schmale Gasse führt an alten Häusern vorbei. Einige Bars und Restaurants sind sozusagen in den Fels gehauen, auf der anderen Seite der Gasse haben sie Terrassen, die über den Strand ragen. Unser Highlight sind zwei Vermuth für drei Euro. Dazu gibt es eine große Tapa von geschmorten Calamares plus Brot aufs Haus. Während der Erkundung erfahren wir auch endlich, was es mit den großen „Steinsärgen“ auf sich hat. Sie stehen hier überall an den Häusern rum. Sie wurden wohl früher zum Trockenen und Aufbewahren von Lebensmitteln benutzt. Um sie vor Ungeziefer zu schützen, stehen sie auf Stelzen. Wieder was gelernt.

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24.08.2016 Pobra do Caramiñal – Sanxenxo

Wir wollen weiter, endlich die Ria Arousa hinter uns lassen. Sie wurde als die beliebteste Ria angepriesen. Uns hat es irgendwie nicht so gut gefallen. Die Marinas eher steril, Ribeira war schon fast hässlich, von dem was wir gesehen haben. Also höchste Zeit. Wir segeln ganz entspannte 18 Meilen in die Ria Pontevedera. Leider steht der Wind heute genau in die Ankerbucht zwichen Porto Novo und Sanxenxo, in die wir eigentlich wollen. Also in die Marina von Sanxenxo, die wurde uns auch schon als sehr groß und schön beschrieben. Als wir uns im Marina Büro anmelden, fallen wir fast vom Glauben ab. 38€ für eine Nacht sind wirklich die Krönung bisher. So schön kann die Marina auch nicht sein. Was solls. Dafür gibt’s heute TK Pizza und Salat, essen gehen haben wir uns gespart. Dabei können wir die vielen protzigen Motoryachten angucken, die hier liegen. So eine Dichte von großen Booten haben wir in Galizien bisher noch nicht gesehen. Später gehen wir über die Strandpromenade. Auch hier ist Fiesta, obwohl Mittwoch ist. Entsprechend voll ist es auch. Man kann kaum entspannt schlendern, vor lauter Menschen. Nicht wirklich erholsam hier. Nachts das Gleiche. Erst ein dauerndes Gegröhle von der Kirmes, nach dem Motto: Eine neue Runde, eine neue Wahnsinnsfahrt, jetzt geht’s wieder ab hier! Später dann die volle Dröhnung von den Nachclubs, die direkt innerhalb der Marina liegen. Als ob es hier keine „Anwohner“ gäbe. Ich mache mal wieder kein Auge zu und bin hart genervt. Nicht unsere Welt hier.

23.08.2016 Vilanova – Pobra do Caramiñal

Heute sollen endlich unsere Pakete da sein. Wir haben sie an den Trans Ocean Stützpunkt in Caramiñal schicken lassen, damit sie auch sicher ankommen. Vorher habe ich mit Nicolas telefoniert, dem Stützpunktleiter. Leider spricht er kein English. Wir haben beide großen Spaß dabei, uns mit Händen und Füssen am Telefon über unser Anliegen zu unterhalten. Danach bin ich nass geschwitzt. Wir kommen nach ein paar Meilen mittags an und werden von Nicolas schon mit Namen begrüßt. Er sagt, dass unsere Pakete da seinen und er versucht hat uns anzurufen. Leider hatte er unsere Nummer nicht mehr, da er ein neues Telefon hat. Also hat er es über Funk Kanal 16 versucht und auch in diversen anderen Marinas angerufen, ob wir da gewesen wären. Da er aber unseren Bootnamen falsch verstanden hat, hat er uns natürlich nirgendwo gefunden. Ich hatte ihm gesagt, dass unser Name Good Times sei. Wie Bueno Tiempo, nur in Englisch. Tiempo übersetzt in Spanisch allerdings auch mit Wetter. Er hat also irgendwas mit Wetter notiert. Ich habe sehr gelacht. Aber egal, Ende gut Alles gut. Unser zweites Solarpanel, sowie diverse andere Kleinteile sind wohlbehalten angekommen und Nicolas ist wirklich sehr nett und hilfsbereit. Später fahren wir eine Runde mit dem Dinghi durch die Bucht. Die Franzosen aus Portosin liegen hier vor Anker, sind aber leider nicht an Bord. Abends tingeln wir ein bisschen durch Altstadt und testen die ein oder andere Ceveceria.

22.07.2016 Ribeira – Vilanova

Nach dem Ausschlafen gehen wir einkaufen und legen mittags ab. Es ist null Wind und super heiß. Unter Motor fahren wir quer durch die Bucht. Wir brauchen dringend einen Tragegurt für unseren Aussenboarder. Der ist so einfach zu schwer. Im Hafenführer steht, dass es in Vilanova einen guten Schiffsausrüster geben soll. Eigenlicht wollen wir lieber ankern, aber gut. Die Marina ist klein aber sehr nett. Wir bekommen beim Check-In sogar eine Flasche Wein geschenkt. Einen Tragegurt bekommen wir natürlich nicht. Mist. Dafür fahren wir mit dem Dinghi zum Strand und nutzen das schöne, heiße Wetter. Zum Schwimmen ist uns das Wasser trotz knapp 20 Grad aber immer noch zu kalt. Später gibt es einen Sundowner im Cockpit und Thai-Curry mit Nachtisch.

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21.07.2016 Portosin – Ribeira (Ria Arousa)

Wir können uns gottseidank vor Mitternacht abseilen und sind heute einigermaßen ausgeschlafen. Wir wollen endlich in die nächste Ria. Die anderen Boote sind schon längst weiter, wir fühlen uns fast ein bisschen hinten dran. Die letzten Tage haben wir auch immer überlegt, ob wir nicht weiterfahren sollen. Wir müssen ja langsam weiter Richtung Süden. Die Windvorhersage war allerdings immer bescheiden. Erst Südwind, dann kein Wind. Wir haben uns gezwungen zu warten und die Tage dabei schön zu gestalten. Zu viele Tagen haben wir bisher mit falschen Windverhältnissen gekämpft und dabei viel zu viele Stunden unter Motor verbracht. Wir haben dieses Mal lles richtig gemacht. Der Segeltag ist wunderbar. 12 Knoten scheinbarer Wind von hinten und da wir noch die große Genua aufgezogen, haben bleibt das Großsegel eingepackt. Es ist total entspannend. 32 Segel-Meilen später machen wir in Ribeira fest. Die Marina ist nicht besonders schön, oder schön gelegen. Egal. Wir kochen Nudeln mit Avocado-Pesto und gehen früh schlafen.

20.07.2016 Hafentag Portosin

Wir wollten eigentlich um 9 aufstehen, um um 10:30 den Bus nach Santiago de Compostela zu nehmen. Haha. Wir stehen erst um 10 auf und nehmen den Bus eine Stunde später. Ich bin ein bisschen stolz, dass wir es überhaupt geschafft haben. Santiago ist wirklich schön. Viel weniger Disney Land (touristisch) als wir es uns vorgestellt haben. Es gibt viele junge Cafès, sympathische Restaurants und coole Bars. Wir machen einen längeren Rundweg durch die Gassen. Besonders gefällt uns die Markthalle, mit Fleisch, Fisch und Gemüse. Davor fühlt es sich ein bisschen an wie an der Kleinmarkthalle in Frankfurt. Die Leute stehen zusammen, trinken Wein und naschen kleine Köstlichkeiten. Wir erstehen eine Flasche Orujo als Souvenir, den lokalen Tresterbrand, den wir schon ein einigen Restaurants als Chupito bekommen haben. In einem wirklich netten Lokal, dem Rua Bella, essen wir draussen in der Gasse ein Menu del Dia. Wir fühlen uns auch als Auswärtige mit gebrochenem Spanisch wiedermal sehr willkommen. Es gibt Paella und Salat als Vorspeise und Pulpo und Secreto Iberico als Hauptgang. Zum Nachtisch können wir uns die Tarta de Santiago natürlich nicht entgehen lassen. Bevor wir uns auf den Weg zurück zum Busbahnhof machen trinken wir noch einen Vermut in einer Bar. Das ist wohl gerade das In-Getränk und echt süffig. Das Radio Deli ist zum wohlfühlen, der Inhaber steht draussen an den Turntables und legt entspannte Mucke auf, das Publikum ist jung und lokal. Es ist ein rundum gelungener Tag und als wir gegen halb zehn vom Bus Richtung Marina laufen freuen wir uns auf unser Bett. Da spricht uns ein französisches Pärchen an, das schon im Bus mit uns saß. Es stellt sich raus, dass sie die gleiche Route vor sich haben wie wir. Als sie uns am Steg noch auf ein Bier einladen können wir natürlich nicht Nein sagen. Schlaf wird eh total überbewertet.

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19.08.2016 Punta Aguiera – Portosin

Der Morgen ist dementsprechend. Wir entscheiden uns, in die nächste Marina zu fahren. Dort soll es einen guten Supermarkt geben und wir müssen mal wieder gescheit einkaufen. Es sind nur fünf Meilen, aber wir kommen erst mal nicht los. Vor unserem Boot, über dem Anker tauchen die spanischen Muschelsucher. Sie sind mit einem Sauerstoff Schlauch mit einem ankernden Boot verbunden. Würden wir jetzt los fahren hätten wie den Taucher im Ankerkasten. Wir warten eine Stunde und fahren dann in großem Bogen um die aufsteigenden Luftblasen herum. Die Marina Portosin ist furchtbar nett. Wir bekommen einen Haufen Merchandising geschenkt und fühlen uns sehr willkommen. Es ist Wochenende und es scheint, als verfolgen wir die Fiesta entlang der Küste. Dieses Wochenende ist sie in Portosin. Dabei brauchen wir doch dringend Schlaf! Aber egal, bevor wir uns im Bett über den Lärm aufregen machen wir selber mit. Wir tingeln durch einige Bars und uns wird gesagt, dass die Musik gegen halb zwölf losgehen soll. So spät? Nix für Nordeuropäer. Aber wir halten durch uns stehen Punkt halb zwölf auf dem Platz vor der Bühne. Noch ist nicht viel los und der Getränkestand sortiert sich auch noch. Wir warten und gucken uns das Treiben an. Auf einer Nebenbühne heizt ein DJ die schon vorhandenen Zuschauer an und packt als letztes Mittel sogar Gogo Girls aus. Ja, es ist inzwischen nach zwölf, aber es laufen immer noch Haufenweise Kids rum. Die ganz Kleinen schlafen im Kinderwagen aufgereiht, eins neben dem Anderen. Um kurz vor eins geht es los. Paris de Noia fangen an und die Menge tobt. Es ist aber auch beeindruckend. Eine gigantische Bühne, mehrere Stockwerke, etliche Screens und ein Bombensound aus meterhohen Boxentürmen. Wir sind echt baff. Für eine Kleinstadt, wahrscheinlich kleiner als Eberstadt, ist das echt ein Ding. Nach dem ersten Song stutzt Stefan. Den kennt er irgendwo her. Achja, aus Cedeira, dort waren wir auch am Wochenende. Allerdings haben wir da den Sound noch Kilometer weit weg in der Koje gehört. Das Spektakel muss wohl, genau wie wir, die Küste runter touren. Die gecoverten Songs, live gespielt und mit Tänzern und Show unterlegt, sind alle spanisch. Wir haben trotzdem Spaß, auch wenn wir die Einzigen sind, die nicht mitsingen. Bei der Choreographie mit den ausgeteilten Fähnchen lassen wir uns allerdings nicht bitten, wir schwenken sie was das Zeug hält. Gegen zwei Uhr haben wir genug von spanischer Popmusik.

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18.08.2016 Muros – Punta Aguiera

Wir stehen morgens gemütlich auf und machen klarschiff. Der Schlag heute ist kurz, wir wollen nur einmal über die Bucht zu einem Ankerplatz, der uns empfohlen wurde. Es sind nur zwei Meilen, also lassen wir das Großsegel drin und fahren unter Fock. Bei strahlendem Sonnenschein segeln wir 2 Stündchen ganz gemütlich und genießen es mal wieder richtig. Es ist ein bisschen wie Binnensegeln, ohne Welle. Der Anker fällt vor einem ausgedehnten Sandstrand. Wir fühlen uns ein bisschen wie in der Karibik. Abends steht für mich ein Highlight an. Wir kochen Paella. Die Meeresfrüchte haben wir morgens in Muros auf dem Markt gekauft, frischer geht es nicht. Ich habe das noch nie gemacht, aber sie gelingt ausgezeichnet. Wir lassen es uns schmecken und genießen den Abend. Die Nacht wird dann weniger schön. Ich kann nicht einschlafen, es ist mal wieder Springzeit. Und gegen halb zwei fängt es dann richtig an zu Blasen. Auch Stefan wird wach und wir wechseln uns mit Aufstehen ab. Die Ankerkralle quietscht, das Rigg heult und die Welle platscht gegen den Rumpf. Ich höre jedes Geräusch wie verstärkt und mache die ganze Nacht kein Auge zu. Der Anker sitzt Bombenfest, wir sind das letzte Schiff im Feld und der Wind kommt von Land. Eigenlicht kein Grund zur Sorge. Aber es ist geschätzt vier Uhr als ich endlich schlafe.

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17.08.2016 Hafentag Muros

Gegen sechs werde ich vom Regen geweckt. Es dauert etwas bis ich merke, dass wir allerlei Zeug draussen haben und auch eigentlich alle Fenster offen sind. Ich mache also eine Runde und sammle alles ein. Danach schlafen wir bis zehn. Was soll man bei Regen auch tun? Pfannkuchen zum Frühstück. Dann duschen, einkaufen. Irgendwann ist es zwei Uhr mittags und es reißt langsam auf. Ich lege mich nochmal ein bisschen aufs Ohr. Die Amel ist heute auch mal mit uns im Hafen. Nachdem Wolfgang und Ellen uns schon drei Mal zu sich eingeladen haben schaffen wir es endlich mal zu ihnen. Ein tolles Boot. 55 Fuß purer Komfort. Ganz neu und riesengroß. Wir werden mit köstlichem Kaffee und Keksen verwöhnt. Die zwei sind schon mehr oder weniger um die ganze Welt gesegelt und wir holen uns wertvolle Tips und spannende Geschichten.

Die Richard Parker ist eine neue Breeholm 41, mit einen Duschraum plus Waschmaschine. Die Festina Lente ist so unglaublich elegant, eine 38 Fuß Faurby mit großem Geräteträger und auch fast neu. Ganz zu schweigen von der Amel Abora. Die hat sogar einen Trockner und eine Spülmaschine. Wir fühlen uns fast ein bisschen klein. Wenn wir uns dann aber z.B. mit der Antara vergleichen, fühlen wir uns wieder unglaublich privilegiert. Wir machen kein Wasser beim segeln, haben trockene Kojen und auch sonst funktioniert alles bei uns. Auch nach 2000 Meilen bereuen wie die Entscheidung für die Sunbeam nicht im Geringsten. Sie ist wirklich das ideale Schiff für uns. Mit der Schiffsgröße ist es wie im richtigen Leben, immer eine Frage der Perspektive.

16.08.2016 Camariñas – Muros

Der Wecker klingelt mal wieder, um acht. Der Segeltag ist gut. Es ist Südwind, und bis auf einige Meilen, die wir stramm Süd machen müssen, schweigt der Motor. Wir verfolgen die Amel auf dem AIS. Sie verlassen kurz vor uns die Bucht, der Abstand wird jedoch sehr schnell größer. Mit 55 Fuß können wir natürlich nicht mithalten. Aber egal, wir segeln ganz entspannt die 40 Meilen runter und freuen uns, dass wir erst in der Hafeneinfahrt die Fock wegrollen müssen. Ein sehr netter Hafenmeister nimmt uns in Muros die Leinen ab und macht ein paar Scherze mit mir (und auf meine Kosten). Nach dem Anleger machen wir die Reste von gestern zum Abendessen. Wir haben im Marina Restaurant wunderbar geschmortes Kalbfleisch gehabt und natürlich nicht aufgegessen. Stefan zaubert daraus eine leckere Pfanne mit Kartoffeln und einem Ei drüber. Wir sitzen satt und glücklich im Cockpit als es klopft und Felix am Steg steht. Sie gehen zusammen mit der Crew von der Richard Parker noch in die Stadt was essen, ob wir mitkommen wollen. Wollen wir, zwar nicht zum Essen, aber auf ein Bier, oder fünf . Wir lernen Eva und Dominique aus der Schweiz kennen und verbringen einen gesprächigen Abend zu sechst.

Ich habe mir vor unserer Tour oft Gedanken gemacht, wie es sei jeden Tag mit Stefan zu verbringen. Tag, und Nacht. Es ist wunderbar und wir gehen uns nur wirklich sehr selten mal auf den Geist. Aber ich bin begeistert, wie schnell man sowas wie eine Community aufbaut und regelmäßig Kontakt zu anderen Crews hat. Selbst schon hier in Galizien.

15.08.2016 Hafentag Camariñas

Ich will endlich mal wandern gehen. Schon gestern habe ich Stefan davon überzeugen können, dass heute der perfekte Tag ist. Sonnig aber nicht zu heiß. Der Wecker klingelt um halb neun, aber draussen ist es alles Andere als einladend. Wir stressen uns also nicht und als wir gegen elf endlich langsam fertig zum Gehen sind, kommt die Sonne raus. Mit Turnschuhen und einem Rucksack voll mit Wasser, Snacks und Tape gegen Blasen stiefeln wir los. Es gibt einen Wanderweg an der Küste entlang, der schön sein soll. Die vollen 22 km sind natürlich für den Anfang völlig übertrieben. Wir wollen schauen wie weit wir kommen. Der Weg ist toll. Nach einen Kilometer kommen wir an einem versteckten, unberührten Strand vorbei. Ein paar Meter breit mit super Sand, rechts und links schroffer Fels. Solche Flecken kann man mit dem Auto nicht erreichen. Leider liegt der besagte Strand eigentlich gar nicht an der Strecke, wir haben uns schon verlaufen. Also zurück, egal. Der Weg ist super abwechslungsreich. Er geht durchs Hinterland des Ortes, wo noch einzelne Häuser mit Meerblick stehen. Dann durch Haine, an Feldern vorbei, bevor man irgendwann auf einen atemberaubenden Küstenweg kommt. Es geht auf und ab an der Steilküste, immer durch die lokale Flora mit Blick aufs Wasser. Stefan motzt ab und zu ein bisschen, vor allem wenn wir uns mal wieder verlaufen und einen Umweg gehen. Aber ich setzte all meine Motivationskünste ein und kann ihn auch ein bisschen für die Natur begeistern. Wir marschieren bis zum Cabo Vilan, hier steht ein großer Leuchtturm auf einem noch größeren Felsen. Irgendwie schaffe ich es, Stefan dazu zu bewegen mit mir hoch zu laufen. Der Blick ist wirklich super und es gibt auch eine kleine Ausstellung über die Schiffe, die im Laufe der Jahrhunderte vor dem Kap gesunken sind. Langsam machen wir uns auf den Rückweg, auf dem gleichen Weg den wir gekommen sind. Es ist jetzt doch ziemlich warm, mit der Sonne im Gesicht. Wir sind ganz schön geschafft, als wir gegen vier wieder in der Marina ankommen und gönnen uns erstmal ein Bier im Hafenrestaurant. Wieder an Bord passiert nicht mehr viel. Ellen und Wolfgang von der Amel kommen auf dem Heimweg kurz vorbei. Sie wollen am nächsten Tag weiter. Die Tage danach soll es draussen viel Welle geben. Wir Anfänger haben die Wellenvorhersage natürlich nicht beachtet. Wir beschließen, morgen auch abzulegen und Cabo Finisterre Richtung Ria de Muros zu runden.

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14.08.2016 Corme – Camariñas

Es ist noch nicht richtig hell und ich werde von einem Rattern geweckt. Wie gestochen springe ich auf und gucke was da los ist. Die holländischen Nachbarn holen ihren Anker ein. Es ist halb acht, was sich in Galizien eher wie halb sieben anfühlt. Der Teil von Spanien liegt nämlich meiner Ansicht nach in der falschen Zeitzone. England ist eine Stunde früher, genauso wie Portugal. Beides liegt auf ähnlichen Längengraden. Ich habe immer das Gefühl, dass man den Unterschied merkt. Ich kuschel mich wieder zu Stefan in die Höhle, bin aber wach. Was, wenn jetzt die einzigen Stunden ohne Nebel sind? Noch einen Tag wollen wir nicht hierbleiben. Auch die Franzosen vor uns machen sich bereit zum Auslaufen. Wir müssen aufstehen und los! Stefan denkt gottseidank genauso, sonst hätte ich ihn nie aus dem Bett bekommen. Also Zähneputzen, aufräumen und los geht’s. Frühstück gibt’s unterwegs, wir werden wohl eh wieder motoren. So ist es dann auch. Gut, dass es nur 18 Meilen sind. Gegen halb zwölf legen wir im Puerto Deportivo Camariñas an. Die Dusche nach dem Anleger fühlt sich super an. Als wir zurück kommen sind Dörte und Felix auch da. Sie wollen allerdings nur kurz das Boot abspritzen und dann wieder vor Anker gehen. Die Bucht ist wunderschön und bietet reichlich ungestörten Ankerplatz. Wir machen uns auf in den Ort, auf der Suche nach einem Menu del Dia. Das finden wir nicht, dafür aber ein süßes Restaurant im Hotel Puerto Arnela. Wir lassen es uns richtig gut gehen und bestellen Seafood, Salat, Nachtisch, Cafè und un Chupito. Als die Rechnung kommt können wir uns das Grinsen mal wieder nicht verkneifen. Ein wunderbares, gemütliches Essen für 25€. Zurück an Bord wird dies und das gemacht, was halt so anfällt. Zum Beispiel mal die völlig verdreckten Fender putzen, damit sie nicht weiter hässliche Spuren am Rumpf hinterlassen. Eine super Beschäftigung im Bikini in der Sonne.

12.-13.08.2016 La Coruña – Corme + Ankertag

Leider mal wieder kein Wind von hinten. Wir motoren, SCHON WIEDER! Es nervt echt und langweilt noch mehr. Aber was solls. Wieder wechseln wir uns am Ruder ab. Unser Autopilot hat über die Biskaya ziemlich Hydraulik Flüssigkeit verloren, ausserdem gibt er nach ein paar Stunden Betrieb ab und an diese Fehlermeldung. Stefan hat die lockere Schraube zwar in La Coruña festgezogen und wir haben die Backskiste ausgewischt (eins der Dinge, mit denen man sich Stunden beschäftigt, ohne nachher zu wissen was man so den ganzen Tag gemacht hat), aber wir trauen dem Braten nicht so richtig und haben Angst, dass er uns gänzlich verlässt. Also von Hand steuern. Ein paar Stunden und etliche Delfine später fällt unser Anker, direkt neben der Festina Lente. Wir konnten uns das ja nicht vorstellen, aber man trifft wirklich immer wieder die gleichen Leute. Gut, dass die Leute nett sind. Das Ankermanöver ist wieder problemlos, nur der Platz kurz vorm Ufer nicht ideal. Aber es ist immer noch null Wind und irgendwann entscheiden wir, uns zu entspannen. Wir sind mal wieder zu faul das Kontrollboot in Einsatz zu bringen und daher froh, dass Dörte und Felix abends mit Ihrem rüber gerudert kommen. Wir schnacken eine Weile und leeren den Bag&Box Rotwein den wir noch aus Deutschland hatten. Der Solar Lampion wird ausgepackt, aber je dunkler es wird desto frischer wird es auch. Also endet der Abend, als die kurze Hose dann wirklich zu kalt ist.

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Eigentlich wollten wir am nächsten Tag ablegen. Es sind nur ein paar Meilen bis Camariñas, unserem nächsten Ziel. Nur ist es ziemlich nebelig und wir warten bis es in der Mittagssonne aufklart. Das tut es aber nicht, im Gegenteil, es wird immer schlimmer. Zeitweise sieht man die Schiffe am anderen Ende des Ankerfeldes nicht mehr. Wir verbringen also den Tag an Bord. Macht auch nichts. Morgens ist es noch schön sonnig und nachdem ich endlich mal ein paar Übungen auf dem Vordeck gemacht habe, fühle ich mich nach Dusche. Auf den anderen Booten gehen auch Leute kurz ins Wasser, einige schwimmen sogar durch die Bucht. Ich will es auch versuchen und mache dabei natürlich alles falsch. Ich stehe 20 Minuten auf der untersten Stufe der Badeleiter und kann mich nicht überwinden. Meine Füsse sind gefühlt unter dem Gefrierpunkt. Trotzdem will ich mein Vorhaben nicht aufgeben und schaffe es dann wirklich bis zum Hals ins Wasser. Und nochmal, um das zwischendurch aufgetragenen Duschgel abzuwaschen. Nachdem ich jetzt schon Schnappatmung habe, schminke ich mir Haare waschen natürlich ab. Vielleicht hätte ich vorher mal auf unser Wasser Thermometer schauen sollen, sowas haben wir nämlich. Nachdem ich mich abgeduscht habe (auch kalt) schalte ich es ein und sehe: 14,7°. Ich muss wirklich von allen guten Geistern verlassen sein. Das Alles nur wegen zu viel Ehrgeiz und ein bisschen Körper Hygiene. Um wieder warm zu werden kuschel ich mich ein und fange ein neues Buch an. Es war ein Wichtelgeschenk, das Lieblingsbuch einer Freundin und ich bin gleich gefangen. Ausserdem schreibe ich nach einer Woche endlich wieder was fürs Tagebuch, bis mir der Strom ausgeht. Vor Anker ist das blöd.

Wir überlegen lange, was wir abends essen wollen. Leider ist der Kühlschrank ziemlich leer. Also testen wir das JoLa Fleisch, dass uns als Fleischkonserve empfohlen wurde. Wir haben eine der runden, goldenen Dose mit 400g eingekochtem, gewürztem Rindfleisch zum Testen gekauft. Da wir gerade zusammentragen, was wir auch nach mehreren Tagen auf See noch einigermaßen Leckeres und Abwechslungsreiches kochen können, wagen wir das Experiment. Wir machen eine Art Gulasch mit roh gebratenen Kartoffeln als Beilage. Das Resultat ist, sagen wir mal, zufriedenstellend. Zwar riecht es beim Öffnen der Dose ziemlich nach Hundefutter, aber das Endergebnis ist OK. Wir überlegen, ob wir das Gericht in unser Repertoire aufnehmen sollen, entscheiden uns aber dagegen. Zu Hause essen wir auch nie Gulasch, warum sollten wir es also jetzt tun? Spannend war es aber trotzdem und satt sind wir auch geworden.

07.-11.08.2016 – Hafentage La Coruña

Wir haben Einiges zu tun an Bord. Was genau kann man im Nachhinein immer nicht so richtig sagen, aber wir sind beschäftigt. Zum Beispiel brauchen wir Schläuche für unsere Öl Absaugpumpe und ein paar andere Teile vom Bootsausrüster. Da der einen Fussmarsch entfernt ist und man auf die Bedienung etwas warten muss, ist das ein fast tagfüllendes Programm. Ausserdem brauchen wir dringend richtiges Angelzubehör, sonst fangen wir nie was. In einem Einkaufspark etwas ausserhalb gibt es einen Decathlon, der gut ausgestattet sein soll. Nebenan ist auch noch ein IKEA, wie praktisch. Ein paar neue Schnapsgläser, Kochlöffel und ein stimmungsvoller Solar Lampion wandern unter Anderem in die große, blaue Tüte. Erst am späten Nachmittag kommen wir mit einem günstigen Taxi wieder an Bord. Hört sich nach Stress an? Ist es aber nicht. Bei Sonne und spanischer Lebensart macht irgendwie alles Spass. Und abends warten ja immer die wunderbaren Tapas Bars auf uns. Bis sie uns nach drei Tagen zu den Ohren rauskommen. Wir gehen in den Supermarkt und holen uns einen frischen Fisch. Den will ich auf Gemüse- Kartoffelbett im Ofen machen, was gehörig misslingt. Zu viel Gemüse, die falschen Kartoffeln, die einfach nicht gar werden wollen, und ein schwacher Gasofen. Um halb elf abends essen wir wenigstens den Fisch (gefleckter Lippfisch, eine lokale Spezialität wie man uns sagt), der ist gut geworden. Aus dem aschfahlen Gemüsebett mache ich nachts immerhin noch einen Eintopf, den wir die nächsten Tage als Mittagssnack essen können. Ich bin ein bisschen frustriert.

Stefan ist mit seinen Vorhaben erfolgreicher. Er macht seinen ersten Ölwechsel inklusive Ölfilter. Eine Riesensauerei, ich assistiere um das Schlimmste zu verhindern. Abends sind wir ganz schön stolz. Wir riechen nur ein bisschen nach Altöl, haben aber keine bleibenden Schäden. Neben unseren ToDos schauen wir uns die Altstadt an, bummeln durch die Einkaufsstraßen und statten dem Strand einen Besuch ab. Wir baden natürlich nicht, sind ja nicht verrückt.

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La Coruña ist wirklich wunderbar, nach ein paar Tagen Trubel haben wir allerdings genug Wir wünschen uns ein bisschen Ruhe und weniger Ablenkung. Nachdem dann auch der starke Wind weg ist, der draussen einige Tage Rabbaz gemacht hat, wollen wir ablegen.

06.08.2016 Cedeira – La Coruña

Nach einer unruhigen Nacht gehen wir früh Ankerauf. Kaum sind wir aus der Bucht raus, bekommen wir richtig guten Wind von achtern. Das Großsegel bleibt eingepackt und wir machen 5-6 Knoten Fahrt nur unter Fock. Es ist herrliches Segeln, endlich mal. Abends stellen wir fest, dass es der bisher schönste Segeltag der Reise war. In der größten Hitze Mittags um drei legen wir nach 30 Meilen im Royal Club Nautico Coruña mitten in der Stadt an. Felix von der Festina Lente nimmt uns die Leinen ab. Während wir beim Segeln noch einen Pullover und lange Hose tragen steht er ohne T-Shirt braun gebrannt am Steg. Es ist schön, von bekannten Gesichtern begrüßt zu werden. Spontan laden sie uns auf einen Anleger bei sich ein. Bei Salami, Oliven und Weisswein berichten wir uns gegenseitig von der Biskaya und den letzten Tagen. Leicht angeheitert vom Wein in der Sonne gehen wir am späten Nachmittag zurück auf unser Schiffe und bringen uns und das Boot in die Reihe. Dann besuchen wir noch die Jungs (+ inzwischen ein Mädel, Steffens Freundin) auf der Antara, die auch in der Marina liegen. Genauso wie Dörte und Felix schwärmen sie von der Stadt und den vielen super leckeren und günstigen Tapasbars. Wir verwerfen also unseren Plan an Bord zu kochen und gehen in die Stadt. Es ist ein bisschen wie im Schlaraffenland. Nur dass einem hier der Pulpo und die Calamares in den Mund fliegen und nicht die Hähnchen. Wir schlemmen uns durch von einer Bar zur Nächsten. Immer gehen wir nach zwei Getränken und zwei bis vier Tapas unter 10 Euro raus. Das ist genau nach unserem Geschmack. Nach der dritten Bar sind wir satt und glücklich. Aber statt zurück aufs Boot, gehen wir nochmal auf die Antara, sie wollen am nächsten Tag ablegen und wir haben noch zu quatschen. Es ist spät als wir den ersten, wunderbaren Tag in La Coruña beenden. Wir beschließen zu bleiben, bis uns die Tapas zu den Ohren rauskommen.

05.08.2016 Viveiro – Cedeira

Die Sonne ist zurück, wir legen ab und starten die Erkundung der galizischen Küste. Nach den vielen langen Schlägen wollen wir die Strecke so gut es geht in kürzere Tagesetappen aufteilen. Der erste Stop nach 35 Meilen ist Cedeira. Ein Ankerplatz vor einem kleineren Fischerdorf. Leider ist überhaupt kein Wind und wir motoren mal wieder. Wir sind beide nicht so richtig fit und wechseln uns mit steuern ab. Der jeweils Andere macht sich im Cockpit lang und döst in der Sonne. Am frühen Abend erreichen wir die Bucht. Unser erstes Ankermanöver steht an, mit einem Anker, den wir noch nicht getestet haben. Stefan erklärt mir nochmal den Ablauf und ich drücke auf sein Kommando den Abwärtsknopf. Viel mehr ist eigentlich auch nicht zu tun. Wir fahren den Anker mit Rückwärtsgas ein und er hält auf Anhieb. Dann noch die frisch eingespleißte Kettenkralle eingehakt und fertig.

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Da in der Bucht Angeln verboten ist, fällt Fisch zum Abendessen aus. Ich mache stattdessen Thunfischcreme mit Kartoffeln und Gurkensalat. Auch irgendwie Fisch. Das Dinghi lassen wir an Deck und verbringen den Abend mit faulenzen und lesen. Nur zum Schlafen kommen wir auch spät abends noch nicht. Es ist August und Samstag. Im August ist jedes Wochenende irgendwie irgendwo Fiesta. Die Livemusik vom Ufer beschallt die Bucht bis halb vier morgens. Unsere erste Nacht vor Anker, bei einigermaßen frischem Wind, ist ein weiterer Grund, dass wir nicht wirklich tief schlafen.

02.-05.08.2016 Hafentage Viveiro

Es hört sich vielleicht bescheuert an, aber ich kann nicht wirklich in Worte fassen wie glücklich ich bin. Und Stefan auch, soweit ich das beurteilen kann. Wir sind in Spanien, ich habe Spanien schon seit den Urlauben an der Costa Blanca in meiner Kindheit geliebt. Und es ist noch besser. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau. Morgens schlüpft man in kurze Hose und Tanktop, mehr braucht man nicht. Alles findet draußen statt, alle Luken sind immer offen. Die Nächte sind lau und die Menschen sind auf den Straßen und in den Bars. Die Supermärkte haben eine Fischtheke zum niederknien. Man weiß gar nicht, für welche Leckerei man sich entscheiden soll. Und das Alles zu unglaublich günstigen Preisen. Für Langfahrer ein wichtiges Argument. Kurzum, wir sind im Himmel.

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Hendrik und Ina verlassen uns am 3. August ganz früh. Sie hangeln sich durch Richtung Porto, von da fliegen sie nach Hause. Wir sind froh, dass langsam wieder Ruhe einkehrt. So schön es ist Besuch zu haben und Abwechslung von der Zweisamkeit, so schön ist es auch, das Boot wieder für sich zu haben. Als wir die Zwei vor sieben Uhr morgens verabschieden, habe ich schon Hummeln im Hintern. Ich freue mich auf den Tag mit Stefan alleine und kann es kaum erwarten ihn zu beginnen. Aber wir schlafen dann doch noch ein paar Stunden und stehen dann auch nicht gleich auf. Den Tag verbringen wir damit, das Boot auf Vordermann zu bringen. Die Gästekabine ordentlich sauber zu machen und unseren Kram wieder rein zu räumen, das Bad zu putzen (hatte es nach den Seetagen zu viert SEHR nötig) und den Stecker des Windmessers zu reparieren. Das Alles macht richtig Spaß, wenn einem dabei den ganzen Tag die Sonne ins Gesicht scheint. Außerdem besorgen wir uns einen Angelschein bei der Bank (ja, alles was man tun muss ist eine Nummer ziehen und ca. 45 Minuten warten) und gehen ein paar Lebensmittel einkaufen. Abends haben wir Lust auf Pizza und machen einen längeren Spaziergang auf die andere Seite der Bucht. Wir haben uns schnell an die spanische Lebensart gewöhnt. Gegen 22 Uhr sitzen wir beim Essen. Als wir im lauen Sommerwind zurück laufen um in der Stadt noch einen Absacker zu nehmen kann ich unser Glück wirklich kaum fassen.

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Heute ist der 4. August. Wir wollten eigentlich heute weiter, aber es regnet. Irgendwie auch nicht schlimm. Es gibt mir die Gelegenheit endlich wieder mal zu schreiben.

28.07.2016 Brest – Camaret sur Mer

Wir versuchen in die Gänge zu kommen und legen widerwillig mittags ab. Wir wollen ein paar Meilen machen um bei der Biskaya Überquerung zu sparen. Im Nachhinein gesehen hätten wir Brest lassen können und gleich nach Camaret fahren sollen. Es ist ätzend draussen. Immernoch Sprühregen und Wind gegen Strom. Stefan steht tapfer in Ölzeug hinterm Ruder und chauffiert uns unter Motor. Der Rest versucht trocken zu bleiben. Nach drei Stunden ist es geschafft.

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In Port Vauban angekommen gehen Hendrik und Ina fürs Abendessen einkaufen. Der Ort ist wirklich ganz nett. In der Zeit machen wir klarschiff und gehen Dörte und Felix auf der Festina Lente Hallo sagen. Wir haben sie das letzte Mal in Scheveningen gesehen und wollen wissen, wie es ihnen auf der Frankreich Route ergangen ist. Durchwachsen, genau wie bei uns. Nach Thai Curry zu Abend basteln Stefan und ich die Knöpfe für den ANDIE, unser Solarpanel, ins Bimini damit wir auf der Überfahrt Strom machen können. Schon aufregend, Löcher in das nagelneue Tuch zu schneiden. Gegen halb zehn kommen noch die Jungs von der Antara vorbei. Sie sind auch gerade angekommen und wir gehen noch mit zu ihnen auf ein Bier. Irgendwie schaffen wir es, uns rechtzeitig abzuseilen um morgen fit für die Biskaya zu sein.

Es ist schön, sich mit zwei anderen Crews auszutauschen und über die erste aufregende Passage zu reden, die vor uns liegt. Alle drei kommen zu dem Schluss, dass ein perfektes Wetterfenster vor uns liegt.

27.07.2016 Hafentag Brest

Es regnet. Nicht in Strömen sondern aus der Sprühflasche. Total ekelig. Ina macht morgens wunderbare Crepes und wir trödeln in den Tag. Der Hafen ist ziemlich ausserhalb und der Supermarkt einen Fußmarsch entfernt. Wir sind ein paar Stunden weg und als wir wiederkommen ist Abendessen Zeit. Hendrik macht Züricher Geschnetzeltes und wir testen 16 verschiedene lokale Biere, die wir gekauft haben. Bei dem Spiel Ohne Furcht und Adel wird es ein langer, feuchter Abend. Aber wir wollen morgen nur nach Cameret sur Mer, da können wir auch erst mittags ablegen.

25.-26.07.2016 Plymouth – Brest

Wir legen gegen halb zehn ab und 200 Grad an. Wir schaffen es nicht immer, aber erreichen insgesamt auf einem am Wind Kurs ohne Kreuzschlag den Canal du Four. Statt der (wie immer) angesagten 3-4 Windstärken sind es mal wieder 5-6. Am Wind und mit fast 2 Meter Welle wird es ein anstrengender Tag und eine noch anstrengendere Nacht. Hendrik und ich teilen uns eine Wache. Ich liege auf der Luv Bank, fliege aber das ein oder andere Mal zu ihm rüber, oder auf den Boden. Gut, dass PETE ordentlich steuert und wir uns mit festhalten beschäftigen können. Immerhin machen wir ordentlich Strecke. Nach dem Wachwechsel gegen halb drei versuche ich im Salon etwas Schlaf zu finden. Da brüllt Stefan auf einmal. Sofort stehe in Unterhose im Niedergang und reiße den Traveller auf. Eine fette Bö hat uns richtig auf die Seite gelegt, durch die Salonfenster sehe ich nur Wasser. Die kurze Aufregung ist vorüber, trotzdem kann ich nicht schlafen. Wie immer in der ersten Nacht auf See. Aber was solls. Gegen sieben übernehme ich wieder. Der Wind ist weg und wir fahren unter Motor. Dabei kann man sich immerhin auf den Cockpit Bänken ausruhen. Mühsam fahren wir auf den Eingang des Kanals zu. Mal wieder haben wir den Strom gegen uns. Der Weg durch die Bucht ist dann nochmal eine ganz schöne Strecke. Erst gegen 18h abends erreichen wir Port Moulin Blanche in Brest. Wir trinken Anleger und freuen uns über die Dusche. Abends gibt es dem Land entsprechend Moules Frites. Muscheln mit Pommes auf französische Art im Hafenbistro. Erschossen fallen wir ins Bett.

21. – 25.07.2016 Hafentage in Plymouth

Wir liegen vier Tage in Plymouth und wurschteln ein bisschen rum. Zum Beispiel ist ein großer Waschtag von Nöten. Plymouth gefällt uns nicht so gut, wir finden es im Gegenteil ziemlich hässlich. Wir liegen etwas ausserhalb in der Mayflower Marina, auf dem Weg zu lokalen Schiffsausrüstern laufen wir durch die ganze Stadt und stossen auf wirklich Angst einflößende Viertel. Aber die Marina ist super, die Mitarbeiter freundlich uns wir fühlen uns wohl.

Für Sonntag kündigen sich Freunde zum Besuch an. Sie wollen mit uns über die Biskaya fahren. Da der Supermarkt weiter weg ist laufen wir hin und nehmen uns ein Taxi zurück. Der Kofferraum ist voll mit Proviant für vier, vor allem Wasser. Wir hätten das niemals alles schleppen können. Als wir zurück in den Marina laufen kommt uns ein mit 60 Makrelen bepackter Angler entgegen. Spontan schenkt er mir ein paar Fische. Ich bin etwas überrumpelt, freue mich aber über das kostenlose Abendessen für vier. Zwar haben wir selbst noch nichts geangelt, aber ausnehmen und zubereiten kann man ja schon mal üben. Der Steg sieht wild aus als ich fertig bin. Hendrik und Ina kommen nachmittags früher als erwartet, wir sind gerade fertig mit aufräumen. Es bleibt also ausreichend Zeit für Bootsbegehung und Sicherheitseinweisung. Danach machen wir es uns gemütlich. Es gibt gebratene Makrelen Filets mit Kartoffel/Paprika Würfeln und Gurkensalat. Die Fische sind super lecker und – grätenfrei filetiert. Ich bin stolz. Da wir am nächsten Tag gleich ablegen wollen Richtung Frankreich versuchen wir den Abend einigermaßen zeitig zu beenden. Es gelingt uns so halb.

21.07.2016. Dartmouth – Plymouth

Der Strom setzt erst um halb eins mittags in unsere Richtung, also schlafen wir aus und machen in aller Ruhe seeklar. Der Trip ist unspektakulär, null Wind und unter Motor.

Im Plymouth Sound sitze ich vor dem AIS und klicke wahllos ein paar Boote an. Und da sehe ich doch tatsächlich die Maverick too. Das Boot von Cati und Johannes, die gerade von den Azoren zurück gekommen sind. Als wir vor ein paar Wochen ihren facebook post gelesen haben, dass sie jetzt auf den Azoren die Leinen los machen sagte Stefan noch: „Vielleicht treffen wir die ja in England“. Sie liegen auch noch mit uns in der Mayflower Marina, einen Steg weiter. Nach dem Anlegen / Abendessen / Duschen gehen wir kurz rüber und sagen Hallo. Wir wollen uns die Tage mal auf ein Bier treffen.

20.07.2016 Hafentag in Dartmouth

Eigentlich wollen wir wandern gehen heute. Irgendwo in die Natur. Mir fehlt das Grün, nach den Wochen in denen wir meist in Industriehäfen gelegen haben. Aber irgendwie haben wir dann doch keine Lust, müssen uns erst noch ein bisschen erholen. Wir gehen morgens einkaufen und holen uns als Frühstück eine echte Cornish Pastie bei der Cornish Bakery. Das muss man hier wohl mal probiert haben. Schmeckt wie Rindfleisch Eintopf in Blätterteig, aber lecker. Wir essen an der Promenade und es ist herrlich. Statt zu wandern wandern wir nachmittags durch den Ort und die Geschäfte. Im Sale ergattere ich einen kurzen, sommerlichen Einteiler von SuperDry, einen wie ich ihn mir für dieses Wetter gewünscht habe. Ausserdem besorgen wir frische Garnelen im Fischgeschäft und machen zum Abendessen Linguine mit Garnelen und Rucola. Wir sind rundum glücklich.

18. 19.07.2016 Yarmouth – Dartmouth

Es ist Ostwind vorausgesagt, das erste Mal seit wir unterwegs sind. Allerdings nur für ein paar Tage. Zwar ist für heute noch nicht viel Wind angesagt, der soll erst morgen kommen, aber wir wollen für die nächsten 85 Seemeilen keine Stunde Ostwind verschenken und legen ab. Wir verlassen den Hafen in Richtung der Needles, tschüss Solent. Die Tonnen an denen wir entlang fahren kommen mit einer affenartigen Geschwindigkeit näher, der Strom schiebt uns und wir machen bis zu neuen Knoten. An der Ansteuerungstonne setzen wir die Segel, ein bisschen halber Wind plus Strom macht fast 6 Knoten. Kaum Lage und die Sonne lacht, auch wir lachen übers ganze Gesicht. So haben wir uns das vorgestellt. Nach ein paar Stunden dreht der Wind wie versprochen auf Ost. Allerdings auch der Strom. Eine Kombination, die uns gerade noch einen Knoten auf die Logge schreibt. Wir schmeissen den Motor an und vertreiben uns die Zeit mit angesammelten ToDos. Ich putze z.B das Bad, das es mal wieder dringend nötig hat. Wir fahren quer über die Poole Bay, weit südliche von Anvil Point und einen großen Bogen um Portland Bill, ein berüchtigtes Kap an dem zwei Ströme aufeinander treffen und für heftige Strudel sorgen. Bei uns alles entspannt, ruhige See und weit und breit kein anderes Schiff in Sicht. Stefan sitzt unten und liest, ich halte ab und zu Ausschau und betrachte den Sonnenuntergang. Wir können wieder segeln, jetzt mit achterlichem Wind nur unter Großsegel und Stefan macht dieses Mal die erste Wache. Ein Fehler. Bis er mich um 2 Uhr „weckt“ habe ich kein Auge zu gemacht Naja, Musik auf die Ohren und raus. Der Wind ist inzwischen ganz ordentlich, der Wind kommt genau von hinten und ich muss aufpassen keine Halse zu fahren. Trotz Bullenstander wäre das mies, vor allem für den der unten liegt und schläft. In den inzwischen hohen Wellen passiert es aber doch ab und zu, dass das Segel back steht und einen mords Lärm macht. Gut, dass ich von dem Krawall nur die Hälfte höre, mit Musik ist alles irgendwie viel lustiger. Wir machen ordentlich Strecke und gegen halb sechs wecke ich Stefan, damit ich nochmal eine halbe Stunde schlafen kann bevor wir ankommen. In schönster Morgensonne laufen wir in den River Dart ein. Rechts und links steile Berge, unten Fels, oben Felder und Bäume. Erinnert mich ein bisschen an die Eifel. Der Ort ist pittoresk, bunte Häuser im Berg und überall Schiffe auf dem Wasser. Zum Glück bekommen wir gleich einen Platz am Ponton, ohne Landanschluss, aber das ist ok. Wir schmeissen unser Solar Panel ANDIE (autarke, nachhaltige, direkte Energieversorgung) aufs Bimini, der produziert Strom, und gehen schlafen. Lange halten wir es in der Wärme nicht aus. Gegen halb elf stehen wir auf, trinken Kaffee und fahren mit dem Kontrollboot zu den öffentlichen Duschen. Ganz ok. Abends entdecken wir den super coolen, lokalen Pub The Dolphin. Erst trinken wir nur ein Bier, entscheiden uns dann aber das Essen zu probieren. Es gibt großartige Muscheln auf britische Art (in Cream & Garlic) und einen Beef Burger mit Pommes für Stefan. Zurück an Bord gehe ich todesfertig um halb 9 schlafen. Wir sind super happy endlich in Cornwall zu sein, hier wollten wir die ganze Zeit hin und es ist noch schöner als wie es uns vorgestellt haben.

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17.07.2016 Hafentag in Yarmouth

Alles liebe zum Geburtstag, Mama.
Unsere Nachbarn legen früh ab, davon werde ich wach. Es ist viertel vor sieben und ich kann nicht mehr einschlafen. Ich stehe also gegen acht auf und mache mal wieder den Sonnengruss. Habe ich länger nicht gemacht, wir sind ja die letzten Tage morgens gleich abgelegt. Mein Rücken freut sich über die Streckeinheit. Dann koche ich Kaffee und setze mich ins Cockpit. Es ist wunderbar, man kann schon im T-Shirt draussen sitzen. Mit der Tasse Kaffee in der Hand rufe ich meine Mama an. Es ist schön sie zu sprechen und von den letzten Tagen zu erzählen. Meist habe ich ja nur Stefan zum reden und der erlebt eigentlich immer das Gleiche wie ich. 🙂
Stefan wird auch wach und ich mache Pfannkuchen zum Frühstück. Das ist irgendwie an Hafentagen inzwischen immer so. Heute sind sie aus Dinkel Vollkornmehl, schmecken mit Nutella aber auch super. Nach einer ausgiebigen Dusche und ein bisschen rumräumen auf dem Boot, rudern wir an den Tender Dock und gehen in den Ort. Ziemlich klein, aber süß und sonntags gut besucht. Ich habe morgens eine Dichtung für den Solar-Stecker versenkt. Im Bootsausrüster/Gemischtwarenladen auf der Hauptstraße bekommen wir gottseidank Ersatz. Auf der Terrasse eines Pubs teilen wir uns ein Tuna Sandwich und trinken ein Bier. Und das alles in kurzer Hose und Tanktop, ich kann es kaum fassen. Die Sonne und den fehlenden Landstrom nehmen wir zum Anlass, nachmittags das Solarmodul anzuschließen. Stefan sitzt also ein paar Stunden in der Backskiste und ich spiele den Anreicher. Und siehe da, just in diesem Moment werden unsere Batterien aufgeladen.
Langsam fühlt es sich ein bisschen wir Langfahrt an. Ein Liegeplatz ohne Landzugang, Strom sparen und über Solar aufladen. Ziemlich cool! Und das Beste: Ich sitze gerade, immernoch in kurzer Hose, mit einem Gin Tonic im Cockpit und tippe diese Zeilen. Heute ist ein wunderbarer Tag.

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16.07.2016 Portsmouth – Yarmouth, Isle of Wight

Heute kein Wecker, wir schlafen aus bis ca. halb neun. Dann ein ganz gemütlicher Morgen. Wir haben es ja nicht weit heute, bis nach Cowes, auf der Isle of Wight. Es sind nur zehn Seemeilen, also lassen wir die erste Stunde Mitstrom vergehen und legen nach strammem Max zum Frühstück erst gegen halb zwölf ab. Wir haben Lichtschutzfaktor 50 im Gesicht und das erste Mal auch auf den Armen. Es ist T-shirt Wetter. Gut gelaunt laufen wir mit gefühlt tausend anderen Yachten aus dem Portsmouth Harbour. Es ist Samstag und auf dem Solent ist die Hölle los. Es ist wohl der erste schöne Samstag des Sommers und alle sind auf ihren Booten. Zwar kommt der Wind wieder von vorne, aber bis Cowes können wir mit dem Storm kreuzen. Kurz vor der Einfahrt stelle ich das Funkgerät auf Kanal 80, um die Marina anzufunken. Auf dem Funk Kanal herrscht Hochbetrieb. Leider ist die Antwort der 3 verschiedenen Marinas auf Anfragen anderer Boote eigentlich immer:  I am very sorry, we are fully booked for the night… Dabei ist es gerade mal zwei Uhr mittags! Mist. Eigentlich wollten wir nach den letzten langen Segeltagen heute mal einen halben Tag chillen und ein bisschen die Insel erkunden. Aber das war wohl nichts, wir müssen weiter nach Yarmouth. Wir versuchen unser Glück mit Kreuzen, aber da der Strom inzwischen wieder gedreht hat und uns  massiv versetzt kommen wir keine Meile voran. Also wieder den Motor an und mit 2-3 Knoten Strecke zum Ziel gut machen. Ich rufe per Telefon die Marina an. Sie sagen limited space voraus, aber man wisse nicht was noch so reinkommt. Zwar gibt es auch Mooring Bojen ausserhalb vom Hafen, aber auch die sind im Sommer begehrt. Wir schwitzen also gehörig, überlegen schon, welches Ziel wir über Nacht anlaufen können. Gegen sechs sind wir am Hafen und werden nach Funkspruch vom Berthing Master eskortiert. Der Hafen ist gerammelt voll, jeder Zentimeter belegt. Die Boxengassen sind von Päckchen-Liegern verengt, so dass kein Gegenverkehr mehr möglich ist. Wir fragen uns, wo hier noch Platz für und sein soll. Ganz am Ende des Hafens, mit ca. einer Bootslänge Abstand in Verlängerung eines Schwimmsteges, steht ein dicker Eisenpfahl im Wasser. Zwischen diesem und dem Steg liegt ein ca. 30 Fuß Boot. Vorne und hinten festgemacht. Aha. Und wir? Wir sollen bei diesem Boot, zwischen die Pfähle ins Päckchen. Haha, sowas haben wir auch noch nicht gesehen. Aber was solls, besser als die Nacht durchfahren. Und wir können endlich mal unser Dinghi in Einsatz bringen. Die englische Nachbarcrew ist furchtbar nett und wir sind froh fest zu sein.

Während ich Essen koche kommt doch dann ernsthaft noch ein drittes Boot zu uns ins Päckchen. Wirklich verrückt hier, aber es geht gut. Wir essen die letzten Nürnberger Würstchen aus Deutschland mit Kartoffeln und Gurkensalat im Cockpit. Als die Nachbarn zum samstäglichen Besäufnis in den local Pub gehen verziehen wir uns unter Deck und lassen den Abend ausklingen. Wir haben ja jeden Tag Samstag.

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15.07.2016 Brighton – Portsmouth

Heute war so ein Tag. Einer an dem man sich fragt, warum man das eigentlich macht. Warum man sich nicht einen Leihwagen nimmt und damit durch die Gegend fährt.

Der Wecker klingelt um sieben. Wir haben beide schlecht geschlafen, warum weiß keiner. Bei Sonnenschein legen wir ab. Kaum aus dem Hafen machen wir mal wieder die Feststellung: Wind genau von vorne. Wir probieren es mal mit segeln. Bei zehn Knoten Wind ist kreuzen allerdings besonders mühsam. Also motoren wir. Mal wieder. 40-45 Seemeilen liegen vor uns. Da wir früh los sind und immer mit einem Schnitt von etwa 5 Knoten rechnen, würde man denken, dass wir am späten Nachmittag ankommen. Es wird wieder mal Abend. Aber der Reihe nach.

Der Wind nimmt stetig zu. 10, 12, 15, 18 Knoten. Nach einem spärlichen Frühstück haben wir um halb zwölf wieder Hunger. Die See ist schon relativ unangenehm, da kommen ein paar schnell gemachte Instant Nudeln aus der Packung gerade recht. Gut, dass wir das erledigt haben. Denn dann geht es langsam richtig los. Da wir natürlich immer versuchen den Tidenstrom bestmöglich zu nutzen, haben wir mal wieder Wind gegen Strom. Steile Wellen stellen sich kurz hintereinander auf. Wir hacken durch die See, Stefan muss fleissig rudern, damit wir nicht aus dem Kurs laufen. Südlich von Selsey Bill wird es richtig flach, hier ist Konzentration gefragt. Je flacher es wird desto nerviger wird die See und wir kommen mit unbeschreiblichen 2 Knoten voran. Der Wetterdienst hat 3-4 Windstärken voraus gesagt. Wir haben dauerhaft über 20 Knoten. Das ist eine 6. Ich fluche. Schon wieder so ein Misttag. Den ganzen Tag gegenan motoren ist eine Sache, aber mit 2 Knoten durch die Welle taumeln ist einfach nur ätzend. Ich möchte Stefan am Ruder ablösen, aber ich kann es einfach nicht so gut wie er. Ausserdem bin ich inzwischen ziemlich aufgelöst. Ich hab einfach keinen Bock mehr. Stefan nimmt mich in den Arm und rudert weiter.

Kurz vor dem Nadelöhr können wir dann doch nochmal die Segel rausziehen und in den Solent segeln. Der Kurs ist nicht ideal, aber der Motor schweigt für ein paar Stunden. Gegen sieben laufen wir endlich in in der Haslar Marina in Gosport gegenüber von Portsmouth ein. Über Funk bekommen wir einen Liegeplatz zugewiesen. Zwei Plätze weiter liegt die Antara von Steffen und Sven. Ich freue mich sie zu sehen, hab mir ja schon ein bisschen Sorgen um die zwei Chaoten gemacht. Wir schnacken kurz beim Anleger. Danach haben wir keine Lust mehr zu kochen. Da wir uns aber nicht einigen können wo wir essen wollen und auch nicht einsehen mal wieder 40 Pfund für ein schnelles Abendessen auszugeben, landen wir bei McDonalds. Auch mal schön. Damit ist der Tag beendet. Gute Nacht.

17.&18.06.2016 Helgoland – Borkum

Von Borkum aus heizen wir mit 8 Knoten auf Langeoog zu. Wir haben zum ersten Mal den Windpilot richtig im Einsatz und fassen auch langsam Vertrauen zu ihm. Wir haben ihn übrigens PETE getauft. In Anlehnung an einen unserer Lieblingsmitsegler und passioniertem Steuermann. PETE steht ausserdem für Permanent Eingerichteter Technischer Ersatz. 🙂

Vor Langeoog geht es rechts ab an den Inseln vorbei. Es ist inzwischen später Abend und ich übernehme die erste Wache. Da der Wind (mal wieder) genau von vorne kommt, fahren wir unter Maschine. Es ist richtig unangenehm. Die Welle ist kurz und steil, es bläst uns zweitweise mit 20 Knoten auf die Nase. Ich versuche das Schiebeluk festzuhalten, es fährt wie wild geworden vor und zurück, damit Stefan nicht von noch mehr Schlägen geweckt wird. Es ist wirklich kaum auszuhalten. Die Positionslichter am Bugkorb tauchen bei einigen Wellen komplett ein. Ich bin froh, dass wir so ein gutmütiges Schiff haben. Die Good Times steckt das alles super weg. Sie klatscht nicht auf die Wellen wie so manches Charterboot was wir bisher so hatten, sondern taucht mit ihrem tiefen, V-förmigen Rumpf mehr oder weniger sanft ein.

Ich hangel mich an den Kardinaltonnen langsam vorwärts. Der Strom steht gegen uns und wir machen nur ca. 3 Knoten über Grund. Eine Tonne, die ich gerade noch habe blinken sehen ist auf einmal nicht mehr zu sehen. Ich wundere mich, bin ich vom Kurs abgekommen? Irgendwann merke ich, dass Nebel aufgezogen ist und werde nervös. Bei fieser Welle stelle ich mich also auf die Cockpit Bänke und gehe gehörig Ausguck über die Sprayhood, wie es so schön heißt. Es ist  kalt und ab und zu erwischt mich die Gischt im Gesicht. Meine erste Nachfahrt alleine uns dann sowas. Nach einer halben Stunde legt sich der Spuk langsam wieder und man sieht wieder was.

Irgendwann streikt dann der Autopilot. Es erscheint eine kryptische Fehlermeldung auf dem 20 Jahre alten, unbeleuchteten Display. Ich habe heute kein Glück. Es ist zwei Uhr und als ich Stefan wecken will schläft er gerade tief und fest. Beeindruckend, bei der Action die draussen stattfindet. Ich bringe es nicht übers Herz ihn zu wecken und lasse ihn noch eine halbe Stunde im Warmen schlummern. Als ich dann total durchgefroren in den angewärmten Schlafsack im Salon krieche bin ich heilfroh mich ein paar Stunden ausstrecken zu können. Die Kälte, die dicken Klamotten und die heftigen Schiffsbewegungen gehen echt in die Knochen.

Um halb sieben bin ich wieder an Deck und Stefan legt sich nochmal hin. Man sieht Borkum schon querab, doch wir haben wieder Gegenstrom und es dauert noch ein paar Stunden, bis wir endlich im Hafen von Borkum festmachen. Der Hafenmeister nimmt unsere Leinen an und meint gleich, dass wir doch schon mal hier gewesen wären. Ja, das stimmt. Im letzten Jahr im April. Zu der Jahreszeit verirren sich wohl nicht Viele auf die Nordsee. Nachdem wir kurz klarschiff gemacht haben fallen wir in die Kojen und schlafen bis kurz nach Mittag. Den Rest des Tages passiert nichts. Wir essen wunderbaren, SELBSTgekochten Kartoffeleintopf und lecken unsere Wunden.

16.06.2016 Cuxhaven – Helgoland

Ui, Helgoland, dankt man sich. Eine Hochsee Insel. Unterwegs dahin nach allen Seiten nur Wasser. Wir brechen also morgens auf, so wie es die Tide zulässt, und düsen die Elbe raus. Leider wieder Wind von vorne, also unter Motor. Als wir Helgoland anlegen können schläft der Wind völlig ein. Also komplett. Wir Motoren über spiegelglatte See bis hin. Nix mit segeln. Wir ärgern uns schon ein bisschen, der Wind aus dem Tank geht nämlich auch ganz schön ins Geld. Der Hafen ist verhältnismäßig leer. Wir liegen als zweite im Päckchen neben einem netten, älteren holländischen Paar. Man kann sich kaum vorstellen, wie es hier im „Sommer“ aussieht, wenn hier bis zu 20! Boote im Päckchen liegen. Aber kein Wunder. Für Boote in unser Größe gibt es gerade mal 4 Steg Liegeplätze. Wir drehen eine kleine Runde durch das Unterdorf Insel und suchen eine nette Kneipe für das Deutschland Spiel aus. Es gibt wieder Pizza und Bier. Am nächsten Tag wollen wir nachmittags ablegen und über Nacht nach Borkum zu fahren. Cleverweise powern wir uns tagsüber richtig aus, gehen Schuhe kaufen und laufen einmal um die ganze Insel. Als wir zurück an Bord sind koche ich schnell was und dann geht’s los.

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14.06.2016 Brunsbüttel – Cuxhaven

Wir haben uns die Strömung sorgfältig angeschaut und kommen zu folgendem Ergebnis: Ablegen um 11:00 h. Wie schön, wir können wieder ausschlafen. Unsere Kalkulation war richtig und wir rauschen mit 9 Knoten die Elbe runter. Die Tidenrechnerei ist für uns wieder ungewohnt und geht noch nicht so leicht von der Hand. Gegen zwei sind wir in Cuxhaven und schauen uns erst die City Marina an. Wir entscheiden uns dann allerdings wieder für den Yachthafen, den wir schon kennen. Der ist zwar etwas ausserhalb, bietet dafür aber bessere Einrichtungen. Zum Anleger gibt es Feldsalat mit gebratenen Pilzen. Das Wetter ist durchwachsen, wir bleiben an Bord und räumen ein paar Dinge.

13. Juni 2016 Büdelsdorf – Brunsbüttel

Es regnet wieder. Wir laufen aus und Stefan steuert uns unten dem Bimini weiter Richtung Westen.  Damit wir nicht zweimal Ölzeug trocknen müssen bleibe ich drin. Wir sind beide Frühstückmuffel, direkt nach dem Aufstehen mögen wir noch nichts essen. Ausserdem ist auf dem NOK eh den ganzen Tag nichts zu tun, ich kann mich also mit Frühstück machen beschäftigen. Es gibt Pfannkuchen gefüllt mit Sauerrahm und Mango. Ein leckeres, warmes Essen im driss Regen. Das einzig blöde ist, dass wir uns abwechseln müssen mit Essen unter Deck.

Eigentlich wären wir abends gerne noch weiter bis Cuxhaven gefahren. Der Hafen von Brünsbüttel ist im Hafenführer nicht besonders einladend beschrieben. Allerdings steht der Strom in der Elbe als wir ankommen genau gegen uns. Die Erfahrung haben wir im letzten Jahr schon gemacht, muss nicht nochmal sein. Wir laufen also in Brunsbüttel ein und machen längsseits an der Seite der Schleusen fest. Wir gehen einkaufen ich mache Nudeln mit Hähnchen-Champignon Sauce. Es wird eine laute und schaukelige Nacht. Die Frachter fahren einem quasi übers Kopfkissen. Dafür war es mit 10€ Liegegebühr und kostenlosen Duschen super günstig.

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12. Juni 2016 Kiel – Büdelsdorf

Auf geht’s in den Nord-Ostsee-Kanal. Die große Tour oben um Dänemark haben wir uns längst abgeschminkt. Das Wetter ist unbeständig und wir wollen einfach nur so schnell wie möglich über die Biskaya und gen Süden. Morgens starten wir erst spät. Auf den 93 Kilometern NOK gibt es eigentlich nur eine vernünftige Anlegestelle, nämlich Rendsburg/Büdelsdorf. Die kommt schon nach etwa 40 km. Kein Grund also früh aufzustehen. Ausserdem regnet es. Kaum sind wir an der Schleuse angekommen, kommt die Anweisung zur Einfahrt für Sportboote über das Funkgerät. Was ein Timing. Gegen halb viel legen wir im Yachthafen Büdelsdorf an. Der Regen ist weg und wir trinken Anleger im Cockpit. Der Hafen ist süß und sauber, alles da was man braucht. Der Hafenmeister wohnt auf dem Gelände. Ich klingele an seiner Haustür um die Hafengebühr zu bezahlen und sein kleiner Sohn macht mir die Tür auf. Abends hat Deutschland sein ersten Gruppenspiel gegen die Ukraine. Wir ziehen unser Trikot an und gehen los und suchen eine Kneipe die das Spiel zeigt. In Büdelsdorf finden wir nichts Einladendes und gehen weiter nach Rendsburg. Die lokale Billardkneipe Ruby Days sieht für den Zweck ganz nett aus. Wir teilen wir uns eine Pizza und warten, dass es los geht. Nach dem eher unspannenden Spiel marschieren wir heim aufs Boot. Am nächsten Tag warten 64 km NOK auf uns.

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11. Juni 2016 Heiligenhafen – Kiel Düsternbrook

Nach intensiver Verabschiedung von unseren Eltern laufen wir am Graswarder vorbei aus Heiligenhafen aus. Das Wetter ist toll, Sonnenschein und warm. Etwas wenig Wind, es ist ein sanfter Start. Das bisschen Wind kommt auch noch aus Ost, also von hinten. Wir fahren ein also Motorboot. Im Laufe des Tages dreht der Wind auf Südost und wir können segeln. Bei der Einfahrt in die Kieler Förde sind wir sogar ziemlich flott unterwegs. Gegen 19 h legen wir an. Ganz schön kaputt nach den ersten 40 Meilen schenken wir uns den Trip in die Stadt. Der Hafen hat auch nicht viel zu bieten, also eigentlich nichts. Stattdessen gibt es Bratwurst mit Möhrengemüse und Kartoffeln und nachher Fussball (Russland -England) im Lifestream.

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