Johannas Tagebuch 22.-31.07.2017 Dänemark, Dramen und Dreckswetter

22.-24.07.2017 Gedser

Für heute ist Wind angesagt. Gut um nach Dänemark zu segeln, für mich gibt es nichts Schlimmeres als dümpeln. Wir motoren die Warne hoch und setzen Segel bevor wir den Alten Strom verlassen. Vor der Einfahrt steht eine fiese Welle. Wir fahren im ersten Reff und haben auch die Fock ein Stück weggenommen. Auf am Wind Kurs ist es trotzdem eher ungemütlich. Als wir weiter draussen sind beruhigt sich das Wasser etwas und wir können gut segeln. Nach ein paar Stunden sind wir drüben in Dänemark. Der Hafen ist ziemlich leer und wir suchen uns eine schöne Box aus. Es ist ziemlich Seitenwind und beim ersten Anlauf schaffen wir es nicht, ordentlich in die Box zu fahren. Wir drehen also noch eine Runde und machen noch einen Anlauf. Ich stehe auf Höhe der Wanten, mit der Schlinge in der Hand, die ich auf den Heckpfahl werfen will. Auf einmal geht der Motor aus. Stefan guckt verdutzt und ich starre auf den Festmacher in meiner Hand. Die Schlinge habe ich noch, aber das andere Ende der 20 Meter langen Leine verschwindet im Wasser. Scheiße, die hat sich wohl um den Propeller gewickelt und den Motor abgewürgt. Und das mitten in der Boxengasse, bei viel Wind. Ich rufe Stefan zu was passiert ist und wir reagieren blitzschnell. Die Fock raus, bevor wir im engen Hafen auf die Steinmole treiben. Es dauert ein paar quälende Sekunden bis wir Fahrt aufnehmen und Ruderwirkung haben. Aber wir schaffen es rechtzeitig vor der Mole abzubiegen und richtung Hafenausgang zu segeln. Hier müssen wir wenden, bevor wir in die andere Richtung am äusseren Wellenbrecher vorbeifahren. Puh, die Situation ist erstmal gemeistert. Wir überlegen kurz, ob wir vorm Hafen den Anker werfen sollen, entscheiden uns dann aber am langen Längssteg unter Segeln anzulegen. Gut, dass ich auf einem Kajütkreuzer ohne Motor groß geworden bin und Stefan das auch mal in der Segelschule gelernt hat. Wir halsen nochmal, ich bringe schnell die Fender inklusive Kugel aus und wir rollen die Fock sukzessive weg. Mit der Spring springe ich auf den Steg und wir sind safe. Ich bin am zittern, mein Herz schlägt wie wild und mir ist zum heulen, vor Erleichterung. Das hätte das jähe Ende unserer Reise bedeuten können. Zum durchschnaufen ist keine Zeit, der Platz wo wir liegen ist für einen holländischen Traditionssegler reserviert und wir müssen schnellstens wieder weg. Ich ziehe den Neoprenanzug an, den wir für solche Zwecke gekauft haben, und gehe ins Wasser. Nach kurzer Schnappatmung tauche ich wieder und wieder runter zur Schraube und versuche die dicke Leine zu lösen. Sie sitzt zwischen Schaft und Propeller ziemlich fest und bekneift sich selbst ganz ordentlich. Ich will aufgeben und Stefan um ein Messer bitten als die Leine sich doch noch ein Stückchen bewegt. Jetzt ist es nur noch ein Frage der Tauchzüge, bis die Leine frei ist. Als ich wieder an Bord bin dusche ich noch schnell auf dem Heck, nass bin ich ja eh schon, bevor wir den Motor wieder anlassen und in die Box fahren. Als wir gut liegen mache ich mir die Haare trocken, bevor ich mir noch den Tod hole. Das Wetter ist nämlich alles andere als gemütlich und so trinken wir den Anleger unter Deck. Für heute hatten wir genug Aufregung.

Der nächste Tag bringt noch schlechteres Wetter. Es regnet fast die ganze Zeit und wir beschäftigen uns mit Blog schreiben und Internetten. Als es etwas nachlässt gehen wir eine Runde durch den langweiligen Ort und kaufen Räucherfisch in der lokalen Räucherei. Mit Bratkartoffeln macht das ein wunderbares Abendessen und das absolute Highlight des Tages.

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Abhängen…

24.-26.07.2017 Nysted

Für die kommenden Tage ist nicht nur Regen, sondern auch starker Wind angesagt. Na toll, wo zum Teufel ist der Sommer? Keine Chance für uns, weiter nach Schweden zu kommen. Wir beschließen, dass wir aber nicht noch mindestens drei Tage im wirklich nicht schönen Gedser bleiben wollen und fahren nach Nysted. Das ist zwar die falsche Richtung, aber immerhin was Neues. Dieser Sommer ist komisch. Entweder wir haben zu viel Wind, oder nix. Heute ist nix und wir fahren unter Motor die neun Meilen rüber. Immerhin scheint heute zeitwise die Sonne. Wir legen an, laufen zum Schloss und durch die schöne Landschaft und schmeissen Abends den Grill an. Das Problem mit den feuchten Kohlen haben wir immernoch nicht im Griff und so dauert es zwei Stunden bis wir Glut haben. Egal, wir sitzen nett am Wasser, spielen Backgammon und essen schonmal Salat. Wir sind happy, dass wir wenigstens mal grillen können.

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Yeah, endlich mal draussen grillen
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Als die Grillanzünder leer sind muss die Luftpumpe her…

Die nächsten Tage sind scheisse, man kann es nicht anders sagen. Unsere Laune sinkt immer weiter und die Pläne lösen sich immer mehr in Luft auf. Ich habe gerade das Gefühl, viel Zeit zu verschwenden. Wir sitzen Tage lang nur unter Deck, surfen blöd im Internet oder lesen. Ja, wir lesen auch Stellenanzeigen, schreiben Bewerbungen oder Blog, aber erleben tun wir wenig. Je mehr wir uns in diesen Tagen mit der Zukunft beschäftigen, mit neuen Jobs oder privaten Projekten, desto mehr haben wir das Bedürfnis, das langsam richtig anzupacken. Ich habe schon telefonisch das ein oder andere Gespräch geführt, aber von zu Hause wäre das Ganze deutlich leichter. Die Wetteraussichten werden auch nicht besser. Es geht weiter mit einem Wechsel aus Flauten und Starkwind mit Regen. Das Gefühl von keine Lust mehr wird immer größer und so entscheiden wir, eine Woche früher nach Hause zu fahren, nicht erst kurz vor der Hochzeit.

27.-31.07.2017 Kühlungsborn 2.0

Mit Wind von vorne motoren wir Richtung Süden nach Deutschland. Südwind! Das gibt’s doch nicht. Manchmal denken wir, dass uns gerade jemand ärgern will. Die letzten beiden Stunden dreht der Wind und wir können noch ein bisschen segeln. Wir suchen uns einen schönen, sicheren Platz im Hafen, wo die Good Times drei Wochen liegen bleiben kann. Dieses Mal ist es nicht so voll. Abends gehen wir wieder ins Brauhaus.

Wir suchen nach Zügen für die Heimfahrt. So kurzfristig ist jetzt alles ziemlich teuer. Wir entscheiden uns noch zwei Tage zu bleiben und von Sonntag auf Montag zu reisen. Für zwei Personen zahlen wir 96€, plus die 20 € Stornogebühren für den späteren Zug, den wir schon gebucht hatten. Ganz ok, finde ich, für eine Reise durch ganz Deutschland. Die Tage werkeln wir ein bisschen am Boot, putzen und bereiten unseren Urlaub zu Hause vor. Sonntag nachmittag geht es los. Nach einem gigantischen Wolkenbruch hört es rechtzeitig auf zu regnen und wir kommen trockenen Fußes zur Bushaltestelle. Eine Stunde und fünfzehn Minuten fahren wir mit dem Bus bis Rostock. Da holen wir uns einen Eis und warten auf die Regionalbahn Richtung Hamburg. Wir haben wohlweislich Verbindungen mit viel Umsteigezeit gebucht. Das ist auch gut so, der erste Zug kommt schonmal dreissig Minuten zu spät in Hamburg an. Gut für uns, jetzt müssen wir nur noch zweieinhalb Stunden auf den ICE nach Frankfurt warten. Wir gehen in den FoodCourt im Bahnhof, essen was und trinken ein Bier. Gegen Elf werden wir rausgekehrt und gehen auf den Bahnsteig. Noch eineinhalb Stunden müssen wir warten, aber die Zeit vergeht irgendwie schnell. Um viertel vor eins steigen wir in den Zug. Er ist leer und wir bekommen einen schönen Vierersitz mit Tisch. Ich lege mich gleich lang auf meine beiden Sitze. Gut, dass ich an meine Schlafmaske gedacht habe. Damit penne ich sogar ein bisschen ein und fühle mich ganz gut als wir gegen halb sechs in Frankfurt sind. Stefan hat nicht geschlafen, sondern die ganze Zeit Filme geguckt. Und aufs Gepäck aufgepasst. Trotz 30 Minuten regulärer Umsteigezeit wird es auch hier nochmal knapp. Wir laufen mit unserem Gepäck durch den ICE ganz nach vorne, um die Strecke im Bahnhof zu minimieren. Zwei Minuten haben wir am Ende noch und erreichen den Regional Express nach Darmstadt gerade so. Geschafft. Jetzt noch ne halbe Stunde abhängen und wir sind da. Was ne Tour. Um halb sieben morgens holen Stefans Eltern uns am Bahnhof ab. Zu Hause gehen alle Rolläden runten und wir schlafen erstmal ein paar Stunden in unserem himmlisch weichen, breiten Bett.

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