17.-22.07.2017 Johannas Tagebuch – Ostdeutschland

17.& 18.07.2017 Kühlungsborn

Wir legen morgens gegen neun ab und wollen Richtung Osten. Bisher sind wir mit dem Boot nie weiter östlich als Fehmarn gewesen, es geht also zum ersten Mal nach Meck-Pomm. Kühlungsborn ist das Tagesziel. Mit meiner Oma war ich hier mal, im Winter, als ich 13 war. Die Erinnerungen daran sind gemischt oder ausgelöscht. Das Wetter ist wieder besser, die Sonne scheint und wir haben guten Wind von hinten. Es ist ein schöner Segeltag und wir legen gegen 15 h an. Gut, dass wir nicht später dran sind. Der Hafen ist brechend voll und wir bekommen buchstäblich den letzten regulären Platz. Später kreisen massenhaft Yachten im Hafenbecken, liegen im Päckchen am Aussensteg oder knoten sich an irgendeine Brücke oder Pfahl. Es wird genommen was man kriegen kann. Wir sind froh und sitzen gemütlich in der Sonne im Cockpit.

004 (Copy)
Tolle Sonnenuntergänge gibt es auch in der Ostsee!

Nachdem wir jetzt zwei Tage gekocht haben und wir uns essen gehen in den nächsten Wochen in Dänemark wohl nicht mehr leisten können wollen wir heute abend nochmal raus. Wir haben Lust auf Pizza und ich gucke mir alle ortsansässigen Lokale im Internet an. Nirgendwo gibt es die Pizza Salami für unter zehn Euro. Wie bitte? Und wir dachten im Osten wäre alles billiger. Naja. Mal sehen was wir finden. Ohne konkretes Ziel gehen wir los. Auch hier im Ort ist es zum bersten voll. Ferienzeit in allen deutschen Bundesländern. Wir verspüren nur wenig Lust bei den Massen ewig zu suchen und dann doch keinen Platz zu bekommen. Nach nur ein paar hundert Metern werden wir aber schon fündig. Das Kühlungsborner Brauhaus wirbt mit selbstgebrautem Bier. Das ist doch was für uns. Wir checken die Speisekarte und entscheiden uns reinzugehen. Jeder Tisch ist besetzt und es herrscht ein Geräuschpegel wie auf dem Bahnhof. Aber die Einrichtung ist cool, echt Brauhaus halt, und es gefällt uns. Als ein Zweiertisch im schönen Wintergarten frei wird hechte ich hin und ergatter ihn für uns. Wieder Glück gehabt. Das Bier ist super lecker! Genauso wie der gedünstete Dorsch mit Senfsauce und Kartoffeln. So gut habe ich das norddeutsche Nationalgericht noch selten gegessen. Rundum zufrieden gehen wir wieder an Bord. Wir lernen Rollo kennen, er liegt mit seinen Kollegen auf einer Charter-Bavaria neben uns und ist gerade alleine. Er lädt uns auf ein Glas Vinho Verde ein und wir sitzen im Cockpit und unterhalten uns. Dabei stellen wir fest, dass er während seines Studiums in Darmstadt nur ein paar Straßen weiter gewohnt hat. Die Welt ist klein. Es ist ein netter Abend und es ist uns ziemlich kalt, als wir in die Koje kriechen.

Wir beschließen, noch einen Tag zu bleiben, auch wenn uns der Ort auf den ersten Blick nicht so überzeugt hat. Zwar ist alles hier sehr neu und ordentlich, die Häuser, die Straßen, die Restaurants, der Strand, aber wirklich Flair hat es nicht. Der ganze Ort ist eine einzige Ferienanlage, ich bin nicht sicher, ob hier überhaupt Einheimische leben. Aber es scheint die Sonne und so geben wir dem Ganzen noch eine Chance. Wir laufen die Strandpromenade entlang, von Kühlungsborn Ost, nach -West. Das ist ein ganzschönes Stück. Wirklich viel zu sehen gibt es aber nicht, nur Strand und Ferienwohnungen. Wir laufen zurück und vertrödeln den Rest vom Tag.

19.07.2017 Warnemünde Hohe Düne

Es ist nicht weit von Kühlungsborn bis Warnemünde. Eigentlich nur 10 Seemeilen. Die Sonne scheint und wir haben bock auf Segeln. Der Wind bläst perfekt, mit 3-4 Bft, leider aus der Richtung in die wir müssen. Aber egal, es ist nicht weit, da kann kann man schon mal kreuzen. Gemütlich machen wir unsere Schläge und langsam dreht der Wind auch zu unseren Gunsten. Am Ende stehen 17 Meilen auf der Logge und es ist fast 15 Uhr, als wir ankommen. Der Yachthafen Hohe Düne ist einem Hotel und Kongresszentrum angeschlossen und groß und unpersönlich. Die Anlage ist auf dem neuesten Stand, allerdings ist das Personal unfreundlich und die Duschen kosten trotz happiger Liegegebühren extra. Wir fühlen uns nicht so richtig wohl. Also machen wir uns auf den Weg, mit der Fähre über die Warne in den Ortskern von Warnemünde. Der besteht im Großen und Ganzen aus einer Promenade mit Souveniershops, Cafes und Restaurant und einem großen Strand. An den Docks liegen zwei riesige Kreuzfahrer. Dementsprechend voll ist es, man kommt wirklich kaum durch. Und wir dachten den Kreuzfahrttourismus hätten wir hinter uns gelassen. Wir trinken ein Bier in der Kniepe zum Seehund, kaufen ein paar Sachen zum Abendessen ein und fahren wieder rüber in die Marina. Gegessen wird heute ausnahmsweise im Cockpit, es ist ein super heißer Tag.

003 (Copy)
Wer es bis jetzt noch nicht weiss: Nach den Einlaufen muss ohne Ausnahme ein Anleger getrunken werden!

20.-22.07.2017 Rostock

Wir mögen ja Städte, besonders wenn sie ein nautisches Flair haben. Also motoren wir die 8 Seemeilen die Warne hoch nach Rostock und legen im Stadthafen an. Der liegt ziemlich im Zentrum und zu Fuss kann man gut die Stadt erkunden. Ich melde uns beim netten Hafenmeister an und frage mal vorsichtig, ob man hier das Boot auch für ein paar Tage liegen lassen könnte. In einem Monat sind wir zu Hause auf einer Hochzeit eingeladen, die wir natürlich nicht verpassen wollen. Von Rostock gibt es mit dem Zug eine Direktverbindung nach Frankfurt, das wäre ja praktisch. Wir haben schon die letzten Tage rumüberlegt, wie wir die Logistik am besten lösen. Der Hafenmeister sagt, dass es kein Problem wäre das Boot hier zu lassen, das hätte er öfter. Super, denke ich, das wäre geritzt. Als ich raus gehe ruft er mir allerdings noch nach, dass es über das Wochenende vom 12. August natürlich nicht geht, dann ist HanseSail und alle Häfen in der Warne quillen über. Oh nein, das ist genau unser Wochenende. Nix erreicht, müssen wir weiter überlegen. Ursprünglich wollten wir ja schon längst in Schweden sein und von Stockholm nach Hause fliegen. Jetzt könnten wir noch bis an die schwedische Südküste und von da aus die Fähre nach Rostock nehmen. Aber was macht das Wetter? Wirklich planbar ist das alles im Moment nicht.

Wir gehen in die Stadt und schauen uns ein bisschen um. Im Einkaufscenter stöbern wir im Buchladen. Als wir gerade raus gehen wollen schüttet es, sintflutartig. So heftig habe ich es lange nicht regnen sehen. Wir bleiben also noch was im Buchladen und warten, dass es aufhört. Als es nur noch ein bisschen tröpfelt machen wir uns auf den Weg zu einem Studentenladen Sushi essen. Unterwegs sehen wir die Feuerwehr, die eine Ladenpassage leer pumpt. Überall steht das Wasser auf den Strassen. Das Sushi ist ganz OK und die Preise sind gut. Das studentische an Rostock gefällt uns. Es ist nicht so geleckt, sondern hier und da eher ein bisschen rutergekommen, aber echt.

Wir bleiben noch einen Tag, es ist viel Wind angesagt und wir haben noch ToDos. Ich wasche ein paar Maschinen Wäsche und wir proviantieren ein bisschen für Skandinavien. Wir wollen ja immernoch nach Schweden und da ist alles teurer. Abends gehe ich eine kleine Runde joggen. Am Ufer der Warne entlang, vorbei an den kleinen Häfen und Restaurants. Überall sitzen junge Leute, gillen und geniessen den lauen Samstagabend. Uns ist auch mal wieder nach ein bisschen Gesellschaft zu Mute. Das fehlt uns hier in Europa wirklich. Man trifft zwar immer wieder Leute, auch nette, mit denen man mal einen Abend verbringt, dann trennen sich die Wege aber wieder. Viele Segler hier sind aber auch gänzlich in sich gekehrt und nicht mal für ein Gespräch von Schiff zu Schiff zu haben. Einige tragen die Nase auch wirklich hoch, wissen beim an- oder ablegen viel besser und beraten einen gerne ungefragt. Früher ist uns das in der Ostsee nicht so aufgefallen. Morgen wollen wir weiter. Erstmal Richtung Dänemark und dann in Tagesschlägen weiter nach Schweden. Mal sehen…

002 (Copy)
Rostock ist wirklich schön!
001 (Copy)
Besonders bei gutem Wetter. 🙂

 

 

Advertisements

2 Gedanken zu “17.-22.07.2017 Johannas Tagebuch – Ostdeutschland

  1. Hallo Johanna, hallo Stefan, ich wusste gar nicht, dass ich bei Euch so einen bleibenden Eindruck erzeugt habe, dass ich im Tagebuch auftauche!! Ich fand unser Zusammentreffen beim Glas Wein aber auch sehr angenehm.
    Zu Eurem Abenteuer in Gedser: uns ist es vor drei Jahren passiert, dass (auch bei viel Seitenwind) beim Einlaufen in die Box die aufgerollte, aber nicht gesicherte Genua ausrauschte und der Vorschiffmann von den Schoten verprügelt wurde und wir zur Freude der „Sehleute“ quer vor der Box lagen. Ging dann auch so aus, dass wir am Kai längsseits angelegt haben.

    Euch weiterhin eine gute Zeit und grüßt Darmstadt von mir, Rollo

    Gefällt mir

    1. Hallo Rollo,

      Danke für deinen Kommentar und deine Email. Schöne Begegnungen finden bei uns immer Eingang, es geht ja schließlich um die Menschen, die man kennenlernt. 😊

      Euer Erlebnis in Gedser hört sich auch ziemlich aufregend an. Muss man nicht unbedingt nochmal haben. 😳

      Wir sind zurück in Eberstadt und bereiten uns aufs richtige Leben vor. Ein paar Tage bleiben uns noch, bevor es wieder ernst wird.

      Viele liebe Grüße aus Darmstadt,
      Johanna

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s