Johannas Tagebuch 06.-07.07.2017 – NOK die Dritte und Schleusen Chaos

Ab ca. 9 Uhr läuft der Strom die Elbe hoch. Mit sagenhaften sieben Knoten düsen wir Richtung Brunsbüttel. In zwei Stunden sind wir da. Schon ab der Hälfte der Strecke hören wir den Schleusenfunk ab. Ein Sportboot fragt nach, wann denn die nächste Schleusung sei. Etwa in einer Stunde, ist die Antwort. Wir sind noch ungefähr eine Stunde weg, wenn wir uns beeilen schaffen wir das. Der Motor wird also ein bisschen hochgedreht. Und siehe da, kaum kommen die Schleusenlichter in Sicht, fängt das eine Weisse an zu Blinken. Das Zeichen für Sportboote. Es liegen schon ein Flussschiff und ein Schlepper in der alten Schleuse, dahinter an die 15 Sportboote und wir. Yeah, wie cool ist das denn? Die gute Laune für den Rest des Tages ist gesichert. Wir fahren 66 eintönige Kilometer den Kanal hoch. Immerhin regnet es dieses Mal nicht, wie die anderen beiden Male, die wir hier schon durchgefahren sind. Gegen sieben legen wir im Yachthafen Büdelsdorf an. Dieser schnuckelige Hafen hat es uns letztes Mal schon angetan. Die Sanitäranlagen sind super, das Gelände mitten im Wald süß und gepflegt. Eigentlich wollten wir die Grillplätze nutzen, aber es ist uns dann zu spät um noch den Grill anzufeuern. Also gibt es Salat und Fingerfood im sonnigen Cockpit.

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In der Schleuse in den NOK. Als Letzte, gerade so, aber drin.
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Ein keines Kreuzfahrtschiff im NOK. Grundsätlich begegnen wir den „Großen“ immer an den engsten Stellen.

Am nächsten Tag geht es früh weiter. Zwar ist die Strecke bis Kiel nicht mehr weit, nur noch gute 30 Kilometer, aber da in Holtenau derzeit nur eine von vier Schleusen-Kammern in Betrieb ist, kann es zu längeren Wartezeiten kommen. Gegen ein Uhr sind wir da. Auch diese Mal haben wir über Funk schon im Vorhinein erfahren, wann die nächste Schleusung stattfindet, allerdings haben wir sie leider gerade verpasst. So schnell läuft unsere kleiner 27 PS Motor leider nicht. Naja, ist ja noch früh. Wir legen uns als zweites Boot an den Wartesteg und warten. Es kommen immer mehr Sportboote. Und mehr und noch mehr. Einige liegen im Päckchen am Steg, die meisten kreisen wild vor den Schleusen rum. Frachter gibt es natürlich auch, immer mehr fahren in die große Schleusen-Kammer rein. Viel Platz bleibt da nicht mehr, vielleicht fünf oder sechs Bootslängen. Über Funk verfolgen wir, welcher der letzte Frachter ist und obwohl die Ampel noch lange nicht auf weiss steht nähert sich die ganze Meute immer mehr dem Scheuseneingang. Wir liegen ja noch fest am Steg und haben schon ganz schön Puls, ob wir denn mitkommen. Eigentlich waren wir ja die Allerersten die da waren und wir warten inzwischen auch schon zwei Stunden hier rum. Aber der gemeine Deutsche schert sich ja nicht um „first come first serve“, hier siegt die Dreistigkeit. Wir regen uns echt auf, das sind wir überhaupt nicht mehr gewohnt. Wir legen irgendwann auch ab und fahren mit vollem Speed auf die Schleuse zu. Der Holländer, der noch vor uns da war, ist neben uns und gemeinsam drängen wir die Schiffe ab, die versuchen sich vorzudrängeln. Ein Boot muss ich dann sogar noch anbrüllen, dass es ja sowas wie eine Reihenfolge gäbe, und dass sie sich hinten anstellen müssten. Er bremst dann auch und reiht sich brav ein. Einem alten Deutschen ist aber mal wieder alles egal. Kam als letzter, fährt aber als erster in die Schleuse ein. Und er geht auch nicht etwa bis vorne durch, sondern legt sich mit seinem winzigen 31 Fuss Schiff mitten rein. Dann merkt er, dass das Quatsch ist und verholt umständlich mit den Leinen nach vorne. Dass hinter ihm 30 andere Boote kommen ist ja nicht so dramatisch. Seine Frau war wohl noch nie vorher in ihrem Leben auf einem Boot, sie sitzt unter Deck und legt die Hände in den Schoß. Wir müssen bei ihm längsseits gehen und ich springe rüber auf sein Boot und belege eben unsere Leinen. Er steht immer noch auf dem Steg ist nicht wirklich fest. Man, was ein Chaos-Typ. Neben uns kommen dann sage und schreibe noch drei andere Boot ins Päckchen, das letzte berührt mit seiner Saling fast die Seitenwand des Frachters. Was ein Gewusel und Geschnüre… Wir sind heilfroh, als wir aus der Schleuse fahren und Richtung Düsternbrook.

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Chaos in der Schleuse, jeder Zentimeter wird ausgenutzt.

Als wir im Cockpit sitzen und Anleger trinken sind wir fix und fertig. Die Aufregung und der Ärger im Bauch hat uns wirklich Kraft gekostet. Das Gefühl kennen wir gar nicht mehr, nur von früher, aus dem Büro. Als wir uns beruhigt haben laufen wir zwei Kilometer zum nächsten Supermarkt, ein bisschen Frühstück und Getränke holen. Abends empfangen wir nämlich übers Wochenende unseren Lieblingsleichtmatrosen Pete, der uns besuchen kommt.

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