Johannas Tagebuch 27.06. – 04.07.2017 Staande Mast Route

Es geht los in die Kanäle. Von Lemmer aus führt die erste Etappe durch den Prinses Margriet Kanaal. Eine Autobahn für Flussschiffe, breit und langweilig. Aber es ist nicht weit bis zum Tagesziel in Sneek. Zwischendurch holen wir die Fock raus und lassen sie ein bisschen mit ziehen. Viel bringt das nicht und die kleinen Wäldchen am Flussufer nehmen uns immer wieder den Wind weg. Irgendwann lässt unser Ehrgeiz nach. Es gibt einige Brücken auf dem Stück, daher haben wir uns für den ersten Tag eine kurze Strecke ausgesucht. Wer weiss, wie lange wir jeweils warten müssen. Vor einigen Brücken gibt es Wartesteiger, wo man zum Warten festmachen kann. Müssen wir aber nie. Jedes Mal, wenn wir auf eine Brücke zufahren, sehen wir schon das grüne Licht unter dem Roten. Bedeutet, dass die Brückenöffnung vorbereitet wird. Meist müssen wir nur ein bisschen Fahrt raus nehmen und rutschen dann gleich durch. Oft sind wir die Einzigen. Verrückt, dass die für wirklich jedes Segelboot den Verkehr anhalten. Nachmittags biegen wir in den Kanal Richtung Sneeker Innenstadt ab und motoren noch ein paar Meilen bis zum Gemeindehafen. Das ist nicht wirklich ein Hafen, sondern die Möglichkeit, in der Stadt an den Grachten festzumachen. Es ist tief genug für uns und Strom und Internet gibt es auch. Es ist ganz idyllisch. Nachmittags laufen wir eine Runde durch den Ort. Nichts wirklich besonderes.

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Die erste Brücke von Vielen. Los gehts, einmal quer durch Holland
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Sneek, nicht viel zu sehen, ausser dieses „Tor“.
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Etappenziel mittem im Landesinneren

Am nächsten Tag ist es wieder eine überschaubare Strecke und es regnet mal nicht. Wir passieren die ersten flachen Stücke des Kanalsystems und sind nervös. Schon die letzten Tage haben wir uns Gedanken gemacht, ob es denn überall genug Wasser für unsere 1,8m Tiefgang hat. Im Internet findet man keine eindeutigen Aussagen, allerdings haben wir mit vielen Leuten gesprochen, die schon mit mehr Tiefgang durchgefahren sind. Wir sehen an den Stellen, die im Plan mit 1,7 m angegeben sind, durchgängig 2 – 2,2 m. Kein Problem also. Vor Leeuwaarden gibt es viele Brücken hintereinander. Man sieht manchmal schon die Nächste und Übernächste. Wir haben die Brückenzeiten studiert und gesehen, dass zwischen 16 und 18 h in den größeren Städten nicht geöffnet wird. Bestimmt wegen des Berufsverkehrs. Wir werden nervös, als wir vor einer Eisenbahnbrücke kurz vor unserem Ziel 15 Minuten warten müssen. Als wir gegen viertel vor vier dann endlich weiter können, sind es noch zwei Brücken bis zu unserem Liegeplatz. Zwischen den Brücken geben wir Gas und schaffen es gerade um eine Minute vor vier durch die letzte Brücke. Es regnet inzwischen heftig und es ist kein Liegeplatz an dem Kai mehr frei. Wir gehen bei einer grossen Jeanneau ins Päckchen, die aber unbewohnt ist. Bei strömendem Regen turne ich rüber und mache die Leinen fest. Bis wir alles verstrickt haben sind wir pudelnass. Die tropfenden Jacken hängen wir ins Bad und verkriechen uns unter Deck. Später wird es ein bisschen weniger und es nieselt nur noch. Wir raffen uns auf und gehen in die Stadt zu einer günstigen Pizzeria, die uns empfohlen wurde. Leeuwaarden ist schöner als Sneek, aber bei Regen ist es leider überall grau.

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Regen und Grau, trotzdem ist die Laune gut

Die nächste Etappe führt durchs Lauwersmeer und bis Zoutkamp, heute deutlich länger. Die Brücken sollen morgens um 9 h öffnen und wir stehen pünklich davor. Leider tut sich nichts. Nicht bis fast viertel vor zehn. Hätten wir auch noch eine halbe Stunde schlafen können. Als es dann endlich losgeht rutschen wir mit einer großen Kolonne schnell durch die vielen Brücken bis hinter die Stadt. Zwischendurch fährt man den Anwohnern praktisch durch den Vorgarten. Man kann durch die großen Fenster bis auf den Frühstücksteller gucken. Das macht den Holländern aber wohl nichts aus, oft winken sie freundlich. In Dokkum sind wir immer noch eine Kolonne. Hier gibt es nur einen Brückenwärter für drei Brücken. Er öffnet eine, wartet bis alle durch sind und radelt dann zur Nächsten. Da wir bestimmt 7 Boote sind wird es zwischen den Brücken immer wieder eng, zudem ist es flach. Ausserdem setzt ein Strom, der einen beim Warten zeitweise manövrierunfähig macht. Es geht alles gut und wir fahren weiter, druchs Lauwersmeer bis nach Zoutkamp. Hier machen wir in einer kleinen Marina mitten in der Natur fest. Auch hier gibt es gutes Internet und wir vertreiben uns den Abend mit Game of Thrones. Das Wetter lädt auch heute nicht zum Landgang ein.

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Beim Vorbeifahren kann man bei den Anwohnern die Bücher im Schrank zählen
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Holland Idyll in Dokkum, Brücken und Windmühlen

Der vorletzte Tag. Bis Groningen ist es heute nicht so weit. Vor der Stadt gibt es wieder viele Brücken und wir haben so geplant, dass wir vor 16 h dort sind. Klappt auch. Um halb vier legen wir in der Marina Oosterhaven an. Es regnet, immer noch. Unterwegs sind wir froh, dass wir unter dem Bimini einigermaßen trocken bleiben. Gegen Abend lässt es etwas nach und wir gehen eine Runde in die Stadt. Groningen ist bestimmt schön, wenn der fiese Nieselregen nicht wäre. Aber auch so gehen wir über den Markt und gucken uns ein bisschen um. In einer urigen Kneipe voller Einheimischer (es ist Freitag) bestellen wir ein holländisches Vespergedeck, Bier und Bitterballen.

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Abgefahrene Brücke, jede ist irgendwie anders
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Hausboote in Groningen

Endlich, der letzte Tag, wir haben von der Motorerei langsam genug. Bis Delfzijl in der Emsmündung sind es nochmal knapp 30 km, ein kurzer Tag also. Dafür auch ein langweiliger. Gegen drei passieren wir die Seeschleusen in die Nordsee und machen kurz danach in Segelverein Neptunus fest. Puh, geschafft. Würden wir diese Route nochmal wählen? Ich weiss es nicht. Bei schönerem Wetter ist es bestimmt netter, aber das grau in grau die letzten Tage und das konstante Motorgedröhne kann einem doch ganzschön die Laune verderben. Ausserdem ist es anstrengend, wenn man jeden Tag weiterfährt. Und das Steuern im Kanal auch, besonders in die kurvigen Abschnitten.

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Schöne Kanal-Aussichten – Haus mit Bootshaus und privatem Anleger. Sowas hätten wir auch gerne
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Langweilige Kanal-Aussichten – Nichts, in grau

Wir bleiben ein paar Tage in Delfzijl und warten auf ein Wetterfenster. Wir wollen nicht nochmal nach Borkum, Norderney und Konsorten, sondern direkt bis Cuxhaven. Ein Tag und eine Nacht, ca. 140 Meilen. Bis dahin ist Waschen angesagt. Es hat sich sooo viel angesammelt, dass wir bald keine Unterhosen mehr haben. Die Maschine kostet hier nur zwei Euro und die Geräte sind neu und gepflegt. Ausserdem ist zwar viel Wind, aber es regnet nicht. Ideales Trockenwetter. Ich mache vier Maschinen und bin glücklich. In der Zwischenzeit schreibe ich Blog, es gibt Einiges aufzuholen. Der Ort bietet nicht viel, eigentlich Nix. Aber es gibt einen Supermarkt um die Ecke, sehr praktisch. Wir geniessen es, einfach mal so vor uns hin zu wuseln, ganz ohne Plan. Nach der letzten Woche, in denen wir entweder jeden Tag gesegelt sind oder sonst wie Action hatten, tut das mal gut.

 

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Ein Gedanke zu “Johannas Tagebuch 27.06. – 04.07.2017 Staande Mast Route

  1. Im Vergleich zu eurem bisher Erlebten eher spröde, aber interessant zugleich. Diese friesischen Orte haben wir auch schon mal bereist. Wir hatten allerdings mehr Zeit und Glück mit dem Wetter. Man merkt schon, dass Euch igendwas in die Normalität treibt. Ich wünsche Euch jedenfalls eine gute Weiterreise und glückliche Heimkehr. Wir sitzen hier ganz entspannt am Rursee und geniessen das Wochenende. Viele Grüße von den Seglern

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