Johannas Tagebuch 04.-15.06.2017 Brighton bis Dover und ein Ausflug

04.-09.06.2017 Brighton

Gegen zehn legen wir in Gosport ab und machen uns auf die 45 Meilen Tour nach Brighton. Die Sonne scheint, das hatten wir für heute eigentlich gar nicht erwartet. Mit dem Strom rauschen wir mit raumem Wind Richtung Osten. Wir haben richtig Spaß! Nach Osten segeln ist in England wirklich deutlich einfacher als Richtung Westen, das wird uns heute mal wieder bewusst. Letztes Jahr war es immer eine Quälerei, mit fiesen Amwind Kursen und Welle von vorne. Jetzt ist es entspanntes, schnelles Segeln. Gegen sechs Uhr abends sind wir da und melden uns über Funk im Marina Büro. Wir wollen 3-4 Tage bleiben, ab morgen soll ein starkes Tief mit heftigen Winden kommen. Mit seinem gigantischen Wellenbrecher ist die Marina in Brighton aber ein guter, sicherer Zufluchtsort. Noch besser gefällt es uns, als die Dame im Büro uns einen Liegeplatz im inneren Hafen gibt. Getrennt durch eine Schleuse ist das Becken zwischen hohen Apartmenthäusern und der Klippe am Ufer extrem geschützt. Ausser uns sind nur noch drei weitere Segler hier und ein paar kleine Motorboote von den Bewohnern ringsum. Wir machen fest uns sind super happy.

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Unser Privathafen, geschützt zwischen Häusern …
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… und Klippen. Und mit dem Einkaufswagen erreichbar.

Unsere Freude beweist sich als richtig, als wir am nächsten Morgen in den äusseren Hafen kommen und den Besuchersteg sehen. Der Wind hat inzwischen fast Stärke neun erreicht und draussen ist die Hölle los. Die Boote krängen an den Stegen und zerren heftig an den Leinen. Ausserdem knallen die Wellen so heftig von aussen an den Wellenbrecher, dass sie oben drüber zerstäuben und alles vollregnen. Mit Salzwasser natürlich. Wir gucken uns das Spektakel eine Weile an, bevor wir uns wieder in den inneren Hafen verziehen und es uns gemütlich machen. Man muss ja auch mal Glück haben beim Liegeplatz Roulette.

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Der Gastliegerbereich. Gut, dass wir hier nicht liegen müssen.

Morgens erledigen wir mal wieder ein paar Dinge am Boot, die sich so angesammelt haben. Mittags gehen wir meistens in die Stadt und treiben uns ein bisschen rum. Bis zum Zentrum sind es drei Kilometer, die wir zu Fuss am Strand entlang zurücklegen. Manchmal weht es dabei so heftig, dass einem die Luft wegbleibt. Brighton ist wirklich schön. Zwar haben die Strandpromenade und der Vergnügungpier ihre Glanzzeiten lange hinter sich, aber die kleinen Strässchen in der Stadt mit den vielen Cafes und individuellen Shops haben einen ganz besonderen Flair. Uns gefällt es und wir streifen durch Klamottengeschäfte, Gitarrenläden und Pubs. Abends unterhalten wir uns mit den anderen Booten. Ein älteres englisches Pärchen gibt uns allerlei Tips zu Ankerplätzen und Häfen und mit einem anderen deutschen Boot verbringen wir einen schönen Abend auf ihrem Boot. Alle deutschen Boote, die wir bisher getroffen haben wollen nach Westen. Das ist für uns ein bisschen schade, weil man jeden den man so kennenlernt in der Regel nicht mehr wieder sieht. Unsere Route führt in die entgegengesetzte Richtung. Letztes Jahr war das anders, da hat man sich häufiger wiedergesehen und besser kennengelernt. Naja, so ist es halt wenn man auf dem Rückweg ist. Trotzdem sind die Abende schön und die Leute immer nett.

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Fotobomb am Pier im Brighton

10.-12.06.2017 Eastbourne

Nach ein paar Tagen hat sich das Wetter beruhigt und alle Boote in unserem privaten Hafen legen ab. Eigentlich müssten wir bis zum frühen Nachmittag warten um loszusegeln, da dann der Strom ostwärts setzt. Allerdings wäre dann Niedrigwasser und die Hafeneinfahrt ist nach dem tagelangen Südwest Sturm versandet. Wir müssen also ein paar Stunden zu früh los und ein bisschen gegen den Strom segeln. Aber das macht nichts. Bis Eastbourne ist es nicht so weit und das Wetter ist schön. Trotz gutem Wind ist es dann aber doch neun Uhr, als wir durch die Schleuse und im Hafen sind. Die Ansteuerung war spannend. Die Fahrwasser Tonnen in der Ansteuerung sind nach Baggerarbeiten noch nicht wieder ausgelegt worden. Wir funken die Marina an und bekommen Instruktion, uns an das Sektorenfeuer zu halten. Immer schön im weissen Bereich bleiben. Sieht man ein rotes Licht ist man zu weit links, sieht man ein grünes zu weit rechts. Es ist Spring-Niedrigwasser und wir sind ein bisschen nervös. Ein paar Meter neben uns sieht man ein Wrack aus dem zweiten Weltkrieg aus dem Wasser ragen. Als wir innerhalb der Wellenbrecher vor die Schleuse kommen, gibt es wieder Fahrwasser Tonnen. Diese liegen allerdings auf dem Schlick, rundherum ist alles trocken gefallen. Wir halten uns schön in der Mitte der Rinne und kommen heil in die Schleuse.

Am nächsten Tag ist wieder kein Wetter um weiterzusegeln. Ich nutze die Zeit um eine Maschine Wäsche zu waschen. Es regnet nicht und ich kann sie draussen aufhängen. Das Trocknen dauert in Europa aber deutlich länger als in der Karibik. Es ist also schon nachmittags als alles erledigt ist und wir sparen uns den Fussmarsch in die Stadt. Auch hier ist der Ortskern ziemlich weit von der Marina weg. Wir drehen nur einen kleine Runde durch das Hafengebiet. Es ist Sonntag und auch hier ist einiges los. Wieder viele Restaurants und Cafes. Morgen soll das Wetter gut aussehen, zwar ziemlich viel Wind, aber nach Dover sind es auch wieder fast 50 Meilen.

12.-15.06.2017 Drecksloch Dover

Was ein Segeltag! Es sind 6 Windstärken angesagt, wir haben jedoch zeitweise im Schnitt gute sieben. Ist aber überhaupt nicht schlimm, der Wind kommt von hinten und wir segeln nur unter Fock. Wellen und Geschaukel sind wir ja inzwischen gewohnt. Wir kommen mit im Schnitt fast sieben Knoten voran und sind gegen vier Uhr nachmittags nach 50 Meilen auch schon da. Die Ansteuerung ist mal wieder spannend. Hier hatten wir letztes Jahr auch schon so einen Stress, als wir eine Stunde gegen den Strom auf der Stelle motort sind. Heute steht eine fiese Kabbelsee vor dem Westeingang und wenn wir nicht aufgepasst hätten, hätte der mitlaufende Strom uns fast an der Einfahrt vorbei getragen. Wir sind erleichtert, als wir durch und im geschützten Vorhafen sind. Am Steg festgebunden erholen wir uns erstmal von dem anstrengenden Tag. Uns tun richtig die Beine weh vom Steuern bei Welle. Abends haben wir uns auswärts Essen verdient. In Cullins Yard neben der Marina ist es, für Dover Verhältnisse, ganz schön und wir werden nett bedient. Das Essen, aus Budgetgründen gibt es mal wieder Burger, ist auch wirklich gut und reichlich. Völlig erschlagen fallen wir danach ins Bett.

Für die nächsten Tage ist kein Wind angesagt. Eigentlich hatten wir geplant, dieses Jahr nach London zu segeln und da ein paar Tage zu verbringen. Allerdings ist das ziemlich aufwendig. Man muss über 50 Meilen die Themse hochfahren, das schafft man nicht in einer Tide. Und gegen den Strom geht es schon mal gar nicht. Würde heissen zwei Tage rein und zwei Tage raus. Plus die Zeit in London dauert das Ganze dann locker eine Woche. Ausserdem ist die Tour durch den Fluss wohl touristisch nicht besonders reizvoll, da nur Industriegebiet, und segeln kann man in der Regel auch nicht. Wir entscheiden uns also, direkt rüber nach Festland-Europa zu segeln. Dafür ist im Moment aber noch kein Wind. Wir bleiben also mal wieder in Dover, letztes Jahr haben wir in diesem Drecksloch fast eine Woche festgesessen, und warten. Am ersten Tag ist die zweite Maschine Wäsche fällig, was macht man auch sonst an so einem Hafentag. Am Nachmittag gehen wir in die Stadt und besorgen ein paar Dinge. Unter anderem einen London Reiseführer. Morgen ist nämlich immer noch kein Wind und wir buchen Zugtickets nach London. In einer guten Stunde und für knapp 60 Euro für Zwei ist man da.

Am nächsten Tag geht es los. Der Wecker klingelt ausnahmsweise und gegen zehn sitzen wir im Zug. Wir fahren bis London Bridge und drehen erstmal eine Runde um Tower, Tower Bridge und Borough Market. Unterwegs kommen wir an den St. Katharine Docks vorbei. Das ist die Marina, wo wir gelegen hätten, wären wir nach London gesegelt. Sie liegt direkt neben der Tower Bridge, mitten im Leben. Einfach unschlagbar. Der Preis aber auch, ca. 90€ pro Nacht wären wir wohl los gewesen. Wir gehen den ganzen Weg von der Tower Bridge bis zum London Eye am Südufer der Themse entlang. Wir sind halt gerne am Wasser. Von da aus gehen wir über die Brücke, vorbei am Big Ben und Westminster Abbey Richtung St. James Park. Hier ist eine Pause fällig. Das Wetter ist super und wir chillen im Gras. Danach geht’s zum Buckingham Palace, weiter durch Soho und Covent Garden. Wir sind völlig fertig nach ca. 20 Kilometer zu Fuss. Zum Abendessen lädt Stefan mich zu Jamie’s Italian ein. Wir sind große Jamie Oliver Fans und haben fast alle seine Bücher. Heute schaffen wir es endlich mal in eins seiner Restaurants. Wir werden nicht enttäuscht. Zwar handelt es sich um Systemgastronomie, aber die Qualität ist super, Geschmack toll und der Service freundlich. Nach Vor- und Hauptspeise sind wir satt und glücklich. Langsam machen wir uns auf dem Weg Richtung St. Pancras Station und sind gegen zwölf Uhr nachts wieder auf dem Boot. Was ein Tag, voller Eindrücke, voller Leben, voll perfekt!

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Obligatorisches Bild mit Brücke
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Voll, voll, voll, selbst an einem Montag Mittag
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Relaxen im Park
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Lecker Essen bei Jamie’s Italian

 

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2 Gedanken zu “Johannas Tagebuch 04.-15.06.2017 Brighton bis Dover und ein Ausflug

  1. HALLO IHR LIEBEN!! Wieder mal ein Dankeschön von der Bugaboo-Betty. Auch von Ralf viele Grüße! SIND NACHWIEVOR SCHWER BEGEISTERT VON EUREN ERLEBNISSEN!! Wir wissen immer noch nicht, ob und wann es in Richtung Kuba geht. Genießt eure Zeit!

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  2. Hallo Betty,

    schön wieder von dir zu hören!
    Unser Spaß ist auf der Nordsee gerade begrenzt, Berichte dazu folgen.
    Würden lieber tauschen und zurück in die Sonne. 🙂

    Liebe Grüße aus Delfzijl

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