Johannas Tagebuch 21.04. – 13.05.2017 Countdown auf den US Virgins

Wir stehen morgens auf und verlassen Culebra. Unser Frachter wartete. Wir machen also klar Schiff und holen den Anker ein, um gegen den Wind nach St. Thomas zu fahren. Heute soll weniger Wind sein als die letzten Tage, am Ende stehen dann aber doch 15 – 20 Knoten auf der Uhr. Es ist grauenhaft. Wir können nicht segeln, da der Wind genau von vorne kommt. Unter Motor und mit mords Geschaukel kämpfen wir uns mit 2-3 Knoten voran. Zwar sind es nur ca. 15 Meilen, bei dem Tempo aber ein tagfüllendes Programm. Unsere Maschine ist halt nicht die Größte. Die Bedingungen sind so unangenehm, dass ich das erste Mal wieder meine Kaugummis gegen Seekrankheit kaue, seit Europa. Stefan legt sich zwischendurch eine Weile hin. Wir werfen den Anker westlich von Hassel Island und sind heilfroh, angekommen zu sein. Zwar ist die Anchorage nicht schön und sehr unruhig, aber egal, Hauptsache fest für eine Nacht. Mit dem Dinghi fahren wir in die Crown Bay Marina und laufen von da aus nach Frenchtown. Hier finden wir eine nette kleine Pizzeria, die super Pizza aus dem Holzofen macht. Das haben wir uns verdient nach dem schrecklichen Tag.

Am nächsten Tag legen wir uns vor Charlotte Amalie, die Hauptstadt der US Virgins. Auch hier ist super viel Platz und wir suchen uns ein Fleckchen mit kurzem Weg zum Dinghi Anleger der Stadt. Wir bleiben ein paar Tage hier und erkunden die Stadt. Es ist ganz nett, aber wieder 100% auf Kreuzfahrer und amerikanische Touristen ausgelegt. Die US Virgins waren bis vor 100 Jahren dänische Kolonie und wurden erst 1917 für 25 Millionen US Dollar an die USA verkauft. Der dänische Einfluss ist heute noch deutlich spürbar. Die Streets heißen „Gade“ und die vielen historischen Gebäude sehen eher europäisch aus. Ausserdem fährt man mit dem Auto links, warum auch immer. In den alten Speicher- und Lagerhäusern sind heute Duty Free Geschäfte, Schmuckläden und Souveniershops. Wie in allen Cruiseship Ports, nur in gut restaurierten, alten Gebäuden. Am Wochenende beginnt der Carnival in Charlotte Amalie. Auf einem großen Platz direkt am Ufer ist eine riesige Bühne und allerlei Fressbuden aufgebaut. Carnival ist hier das große, jährliche Stadtfest. Es gibt Musik, jeden Abend, Speed Boat Races durch die Bucht und Paraden. Alles Dinge, die den Ankerliegern die Zeit nicht unbedingt versüßen. Jede Nacht werden wir beschallt, mit grässlicher Musik. Hauptsache laut und bis mindestens drei Uhr morgens.

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Der Ankerplatz vor Charlotte Amalie von oben, inkulusive Cruise Ship
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Carnival Parade, erinnert ein ganz kleines bisschen an Karneval in Deutschland

Nach ein paar Tagen reicht es uns. Wir fahren weiter Richtung Osten nach Great St. James Island. Wieder nervtötend gegen den Wind, aber diese Mal sind es wirklich nur zwei drei Stunden. Die Ankerbucht ist schön und wir finden einen guten Platz hinter dem Mooring Feld. Die Insel ist privat, an Land gehen ist also nicht. Dafür gehen wir mal wieder schnorcheln, an den Felsen, die die Bucht in zwei Teile teilen. Wieder viele Lobster und Great Barrakudas. Wir bleiben zwei Tage. In der zweiten Nacht tut es auf einmal einen Schlag. Obwohl wir in der ruhigen Bucht endlich mal wieder gut schlafen, bin ich sofort hellwach. Ich stecke den Kopf aus der Luke und sehe, dass ein anderes Segelboot bei uns längsseits liegt. Wollen die bei uns festmachen? Um zwei Uhr nachts? Auch aus der anderen Luke erscheint ein Kopf, der etwas verwirrt aussieht. Wir hechten alle nach draussen und versuchen die beiden Boote zu trennen. Anscheinend hat sich der HECK-Anker des anderen Bootes gelöst. Was für eine Aufregung. Stefan und ich sitzen noch eine Weile an Deck und beobachten die Ankerversuche der Männercrew aus Puerto Rico. An Schlaf ist nicht zu denken. Ich mache mir einen Kakao und wir sitzen bis um halb vier draussen. Am nächsten Morgen fahre ich mit dem Dinghi einmal ums Boot. Keine Schrammen zu sehen. Gut, dass wir in den Backskisten keinen Platz haben, um die Fender zu verstauen. Daher hängen sie immer draussen, auch am Ankerplatz. Sieht zwar bescheuert aus, war aber jetzt mal zu was gut.

Wir wollen weiter nach Red Hook, an die Ostspitze von St. Thomas. Hier soll es eine schöne Ankerbucht neben einer Marina geben. Als wir kurz vor der Einfahrt sind, drehen wir aber um. Die Welle steht genau in die Bucht, sieht nicht so gemütlich aus. Wir fahren also zurück nach Charlotte Amalie, auf unseren alten Ankerplatz. Hier bleiben wir die nächsten Tage, fast schon Wochen, und warten auf unseren Rücktransport. Es passiert wenig Spannendes. Die meiste Zeit sind wir an Bord, lesen, schreiben fleissig Blog oder dösen einfach nur. Der Wind dreht immer mehr auf Süd, was bedeutet, dass auch hier immer mehr Schwell in die Bucht reinkommt. Es wird immer ungemütlicher. Manchmal rutschen uns sogar die Sachen vom Tisch. Nachts ist es auch nicht besser. Fast eine Woche schlafe ich kaum, so sehr schaukelt es. Damit einher geht das typische Knarzen des Bootes. Ohropax muss her. Ab uns zu fahren wir in den Ort, ins Internet. Abends gehen wir abwechselnd zu Tap & Still, einem coolen Laden mit günstigem Bier und Burger in der Happy Hour, oder ins Greenhouse. Hier haben wir unseren Stammplatz mit Internet und einer Steckdose für Laptops und Powerbank.

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Büroarbeit im Greenhouse, natürlich zur Happy Hour.
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Kurz mal ins Internet, auch wenn das Restaurant zu hat.
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Date Night zum siebten Jahrestag.

Das Wetter wird immer schlechter. Zwar ist es immer super heiß, aber dafür unbeständig und oft bewölkt und regnerisch. Man merkt deutlich, dass Sommer wird und sich das Wetter ändert. Wenn die Sonne nicht scheint machen wir auch keinen Strom. Noch ein Punkt, der der Stimmung an Bord nicht unbedingt zuträglich ist. Wir sind sowieso super nervös in diesen Tagen. Unser Schiff das die Good Times nach Hause transportiert, war für den 8. Mai angekündigt. Das Laden der Yachten dauert dann ca. 3 Tage. Da wir ein kleines Schiff haben, sind wir wohl eher am Ende dran. Das wäre ein perfekter Zeitplan für uns gewesen. Wir haben nämlich schon Anfang März super günstige Flüge mit Condor nach Frankfurt gebucht. Und zwar für den 13. März. In weiser Voraussicht haben wir zwar Flex Tickets genommen, allerdings geht dieser Flug nur jeden Samstag. Wäre es beim 8. geblieben wären wir glücklich gewesen. Als der Termin aber immer näher rückt und wir die Schippersgracht, so heißt der Frachter, auf Marine Traffic immer noch in Houston, Texas sehen, rechnen wir uns aus, dass es nicht beim 8. bleiben kann. Und so ist es dann auch. Zwei Tage später kommt die Mail, dass sich die Ankunft um zwei Tage verzögert. Jetzt sind wir richtig nervös. Wir malen uns die Möglichkeiten aus, die wir haben, falls wir erst am 13 verladen und den Flug nicht erreichen würden . 1.) Umbuchen bei Condor auf den 20. Mai. Das hieße fast eine Woche Hotel auf St. Thomas, plus Verpflegung. 2.) Condor stornieren und einen anderen Flug buchen. Käme wohl auch deutlich teurer und wir müssten umständlich über Lissabon oder so fliegen. Die beste Option ist wohl, 3.) einen Skipper zu organisieren, der für uns lädt, falls wir keinen Ladetermin bis zum 12. Mai bekommen. Als diese Option konkretisiert ist werden wir langsam ruhiger. Zwar wären wir hier auch ca. 400 Dollar los, aber immer noch günstiger als Hotel oder umbuchen. Ausserdem könnten wir alle Termine, die wir schon in Deutschland verabredet haben, einhalten wie geplant. Einen Tag vor Ankunft des Frachters bekommen wir dann endlich Bescheid. Unser Verladetermin ist am 12.Mai zwischen 19 und 20 Uhr. Damit sind wir das letzte Schiff am zweiten Tag. Alles unter Vorbehalt. Als wir mit der sehr freundlichen und hilfsbereiten Lady des Port-Agents sprechen sagt sie uns, dass eine sehr gute Chance besteht, dass sich unser Termin kurzfristig doch noch auf den 13. Morgens verzögert. Mein Gott, uns ist auch keine Gewissheit vergönnt. Wir telefonieren hin und her und optionieren also einen Skipper für den Samstagmorgen, falls es soweit kommt. Dann buchen wir noch einen Platz in der Marina für eine Nacht, mit Option auf eine zweite, und ein Hotel für eine Nacht, mit Option es kurzfristig stornieren zu können… was ein Akt. Aber wir kennen Szenario-Denken ja noch ganz gut aus unseren früheren Jobs. Lustig ist das trotzdem nicht. Als alles soweit ausgearbeitet ist, stellt sich langsam die Vorfreude ein. Wir fangen an, das Boot transportfertig zu machen und unsere Sachen für zu Hause zusammenzusuchen. Da wir keine großen Reisetaschen an Bord haben, fällt das Gepäck eher leicht aus. Aber kurze Hosen und Flip Flops brauchen wir zu Hause wohl eh noch nicht. Wir überlegen, was wir mit den letzten Sachen im Kühlschrank noch so kochen können und kaufen das Trinkwasser nur noch ein einzelnen Kanistern anstatt im Sechser Pack.

Als wir morgens aufwachen und in die Marina fahren wollen regnet es. Nicht ein bisschen, sondern richtig. Draussen ist alles nass und leider auch drinnen. In die Achterkabine hat es trotz geschlossener Luke reingeregnet. Neben ein paar Klamotten ist auch das Polster an einer Ecke triefnass. Eigentlich hatten wir andere ToDos auf der Liste, als auch noch das Boot trockenzulegen. Wir warten ein bisschen und dann klart es auch langsam auf. Wir holen den Anker hoch und ziehen die Fock raus, zum trocknen. Im Schritttempo fahren wir die zwei Meilen rüber, damit das Segel trocken ist wenn wir ankommen. Inzwischen ist das Wetter richtig gut, heiß und pralle Sonne. Sobald die Leinen fest sind rupfen wir die Fock runter und packen sie ein. Falls es doch nochmal regnet. Dann fange ich an das Dinghi zu putzen. Als erstes muss ich mit einem scharfen Messer dran, die Barnicles und die Muscheln abkratzen. Dann sind die Algen dran. Ich schrubbe mir einen Wolf und mit tropft der Schweiss von der Nase. Am Ende habe ich mir sogar noch einen leichten Sonnenbrand am Rücken geholt. Das gabs auch noch nie. Zwischendurch testen wir, wie das Achterstag zu lösen geht und ob der Mast nicht doch umfällt wenn es weg ist. Für den Kranvorgang müssen das Stag und die Dirk weggenommen werden. Es klappt alles gut und der Mast steht auch noch. Wir wurschteln den ganzen Tag so vor uns hin. Abends gehen wir in den Marina Pub, wir haben kaum noch was zu Essen an Bord.

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Das saubere Dinghi wird platt gemacht und im Salon verstaut

Die letzte Nacht an Bord schlafen wir unruhig, wir sind langsam wirklich aufgeregt. Morgens wasche ich die Laken und Handtücher. In der Sonne sind sie im Nu trocken. Es ist wieder unglaublich heiß und in der Sonne kaum auszuhalten. Wir fangen an, drinnen aufzuräumen und zusammenzupacken. Wir haben nur eine kleine Tasche. Drin zwei Flaschen Rum als Souvenir für zu Hause. Wir brauchen eigentlich keine Klamotten mitzunehmen, packen aber am Ende noch die gesamte Dreckwäsche ein, um die Flaschen abzupolstern. Ich räume die letzten Reste aus dem Kühlschrank und mache ihn sauber. Als wir soweit durch sind laufen wir zum Hafen wo unser Transportschiff liegt und beobachten den Ladevorgang der anderen Boote. Laut letzter Info ist alles on track. Langsam werden wir ruhiger. Nachmittags gehen wir nochmal in den Pub und nehmen ein spätes Mittagessen und Abendessen in einem. Dann wird noch das Dinghi im Salon verstaut und wir sind fertig.

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Fast fertig zum Transport
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Wir gucken anderen Booten beim Verladen zu

Eine Vierteltunde vor der Zeit legen wir ab. Kaum sind wir die 400 Meter zum Frachter gefahren, werden wir auch auch schon ran gewunken. In Windeseile sind vier junge Kerle bei uns an Bord, ziehen ihre Schuhe aus und fangen an Leinen zu befestigen. Wir schaffen es gerade noch rechtzeitig, das Achterstag zu lösen, da sind die Schlaufen des Krans auch schon hinter unserem Heck. Und dann geht es aufwärts. Als wir auf Deckshöhe sind, steigen wir auf die Schippersgracht über und bekommen zwei Helme in die Hand gedrückt. Wir treffen einen großen Holländer und unterhalten uns mit ihm, während die Good Times auf ihrem Platz verräumt wird. Es stellt sich heraus, dass er der Kapitän ist und alle unsere neugierigen Fragen fachkundig beantwortet. Als alles erledigt ist gehen wir nochmal hoch, befestigen das Achterstag, greifen unsere Sachen und schließen ab. Das ging schnell. Wir schnappen uns ein Taxi und fahren ins Hotel. Alles hat super geklappt, aber es waren zwei anstrengende Tage.

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Anfahrt auf die Schippersgracht, jetzt wird es ernst
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Im Kran, die Spanngurte hängen schon
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Im Anflug auf ihren Platz, geschützt zwischen größeren Booten
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Schicke Helme!
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4 Gedanken zu “Johannas Tagebuch 21.04. – 13.05.2017 Countdown auf den US Virgins

  1. Mensch, was fü eine Aufregung, beim Lesen fiebert man ja richtig mit. Und wie geht es jetzt weiter? Wann übernehmt Ihr das Boot in Southhampton?

    Einen schönen Gruß nach Darmstadt!

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  2. Hi Johannesburg and Strange, really enjoyed your company last night. Hope your both OK. today. Was thinking of inviting you for dinner today, Terry

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  3. Hi ihr zwei, kaum zu glauben dass ein Jahr schon vorbei ist. Wie oft hab ich geschaut wo ihr gerade steckt, hab die Sonne und den Strand mit genossen und viele Seemeilen mit euch gefiebert auf dass auch alles gut gehen möge und ihr eine mega-tolle Zeit habt. Freue mich auf ein Wiedersehen und könnte aber auch gerne noch ein paar Monate euren blog verfolgen 🙂 LG, Kerstin

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