Johannas Tagebuch – 15.02.-27.02.2017 Amazing Antigua I & Richtige Rückkehr

15.-17.02.2017 – Nelson’s Dockyard

Der Wecker klingelt um halb fünf auf Guadeloupe. Es ist noch stockfinster als wir eine halbe Stunde später die Ankerbucht verlassen. Ich stehe mit der Taschenlampe am Bug und halte nach unbeleuchteten Bojen ausschau. Wir motoren bis zur Nordspitze der Insel. Hier kommt Wind auf. Perfekte Richtung, perfekte Stärke, keine Welle, blauer Himmel. Wir rauschen mit über sechs Knoten dahin und sind schon gegen drei Uhr mittags in English Habour. Ein Segeltag für die Geschichtsbücher. Mit Buganker legen wir rückwärts in Nelson’s Dockyard an. Obwohl hier wohl diese Woche eine Regatta startet bekommen wir problemlos einen Platz. Es ist schön hier, ein bisschen wie in einem Freiluft Museum. Der Hafen war zu Zeiten Nelsons schon ein Hurrikane Hole und wurde ausserdem benutzt um Kriegs- und Handelsschiffe kielzuholen und zu reparieren. Die historischen Gebäude sind fast alle erhalten und saniert. Heute beherbergen sie Cafes, Hotels, einen Supermarkt oder einen Segelmacher. Die Wege sind gefegt, das Gras ordentlich geschnitten und die Palmen gestutzt. Alles picobello. Die Stimmung ist trotzdem cool. Viele Regatta-Crews sind schon da und bereiten sich auf das 600 Meilen Non-Stop Race vor. Ob 45 Fuss X-Yacht oder 80 Fuss Carbon-Racer, das Feld ist bunt gemischt. Mit unseren beiden Nachbarn kommen wir ins Gespräch und kriegen einen kurzen Einblick in die Regatta-Szene und eine Führung durch ein solches Boot. Eine ganz andere Welt. Aber spannend. Wir liegen mal wieder in einem Hafen, wo jeder von uns beiden von Bord gehen kann wann er will. Ich stehe morgens also gleich auf als ich wach werde und ziehe meine Laufsachen an. Über einen Hügel komme ich auf die andere Seite in die nächste Bucht, Falmouth Habour. Hier liegen hunderte Boote, viel mehr noch als bei uns. Ich jogge einen Strand entlang und sehe dann einen Wegweiser zum Middleground Trail. Er geht über einen Bergkamm wieder zurück, direkt in den Dockyard. Wie praktisch. Wirklich joggen kann man hier zwar nicht, zumindest nicht in meinem Trainingszustand, aber ich hechle trotzdem ganz ordentlich, als ich oben ankomme. Der Blick von hier ist unglaublich. Erst überblickt man die ganze Bucht von Falmouth Habour, etwas später dann unsere Bucht, English Habour. Dazwischen Kakteen, knorrige Bäume und Ziegen. Ein super Erlebnis, dabei ist es noch nicht mal acht Uhr am Morgen. Nach zwei Nächten verlegen wir dann auch nach Falmouth Habour und Ankern vor Pigeon Beach. Für längere Zeit ist der Dockyard dann doch viel zu teuer.

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Nelson’s Dockyard
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Einfahrt nach English Habour vom Middleground Trail in der Morgensonne
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Falmouth Habour

17.-22.02.2017 Falmouth Habour
Die Anchorage gefällt uns gut. Es ist unglaublich viel Platz, man kann eigentlich überall den Anker werfen. Mit dem Dinghi ist es zwar ein Stück bis zur Marina, aber wir liegen in schöner Kulisse vor dem Strand. Der hat leider keinen Steg zum festmachen, aber dafür Grillplätze. Nachmittags bekommen wir Besuch von Wolfgang. Mit ihm verabreden wir uns zum Sundowner. Wir gehen ins Skullduggery Cafe, direkt in der Marina. Es besteht nur aus einer Bar und ein paar Tischen auf dem Steg, ist aber ein richtig cooler Laden. Der Rum Punsch ist zwar ziemlich süß, dafür aber umso stärker. Wir haben auch nach mehreren Besuchen nicht rausbekommen, was er kostet. Irgendwas zwischen einem und fünf EC$, je nach Laune des Chefs. (Eastern Carribean Dollar, 3EC$ = ca. 1 US$). Später am Abend gehen wir in die Lime Bar zu Live Musik. Es ist super voll, viele Regatta-Crews sind da, die Band ist gut und die Stimmung auch. Es ist spät (für karibische Verhältnisse) als wir zurück zum Boot fahren. Am nächsten Tag ist uns nicht nach Frühstück. Dafür gehen wir mittags zu Jackie’s, endlich mal einen Roti essen. Roti ist typisch karibisch und super lecker. Er besteht aus Fleisch und Gemüse in Curry Sauce, das in einen ganz dünnen Teigfladen eingeschlagen wird. Kaum zu beschreiben, aber gut. Genau das Richtige heute. Sonntags kommt endlich die Richard Parker wieder. Sie sind im Moment zu dritt und liegen hinter uns in der Anchorage. Abends gehen wir gemeinsam zum berühmten Barbeque auf Shirley Hights. Ausserdem ist auch noch die Sta Vast und ein oder zwei andere Crews inklusive Kids mit von der Partie. Leider sind wir aufgrund logistischer Schwierigkeiten etwas spät dran und verpassen den berühmten Sonnenuntergang knapp. Und auch sonst haben wir uns das ein bisschen anders vorgestellt. Oben ist es extrem voll. Man kommt kaum durch, geschweige denn an etwas zu Essen oder zu Trinken. Man muss sich für Bons anstellen und dann nochmal am Grill. Es hat ein bisschen was von Schulfest. Man kann von Glück reden, wenn man dann sein teuer bezahltes Essen nicht noch im Stehen verputzen muss. Naja. Immerhin gibt es später noch eine Band, die richtig gut ist. Mit der Richard Parker bleiben wir noch und feiern. Dafür hat es sich dann doch gelohnt herzukommen. Und für den Ausblick natürlich, der ist einfach atemberaubend.

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Unglaublicher Ausblick von Shirley Heights. Leider nur im Dunkeln

 

Am nächsten Tag grillen wir gemeinsam am Strand. Wolfgang ist auch dabei und steuert ein selbstgebackenes Brot bei. Harmoniert super mit meiner Kräuterbutter. Ausserdem gibt es Würstchen und Burger, Kürbis und Linsensalat. Wir verbringen einen schönen Abend, der dann aber leider aprubt endet, als es anfängt zu regnen. Wir haben keine Zeit uns zu verabschieden. Morgens müssen wir der Richard Parker dann endgültig Lebewohl sagen. Mit ihrem Besuch fahren sie weiter Richtung St. Maarten und dann endlich nach Panama. Das Wetter ist mies, viel Wind und grau in grau. Wir hängen im Dinghi bei ihnen am Süllrand und sagen Tschüss. Ein komischer Abschied, von inzwischen lieb gewonnenen Freunden. Als wir zurück zum Boot fahren hab ich Tränen in den Augen. Die einen Schweizer gehen, andere kommen. Nachmittags läuft die Harmonie ein und lädt uns zum Sundowner ein. Spontan bleiben wir auch noch zum Abendessen. Es ist ein wirklich netter Abend.

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Unsere Nachbarschaft in Falmouth Habour – eine der größten Segelyachten der Welt

22.-24.02.2017 Nonsuch Bay

Es ist kaum Wind. Das ist gut, wenn wir in die Nonsuch Bay wollen. Sie ist ca. 10 Meilen östlich von uns. Da in der Karibik um diese Jahreszeit eigentlich immer Wind aus östlichen Richtungen ist muss man also genau gegenan, um nach Osten zu kommen. Also besser, wenn man gar keinen Wind hat. Dann kann man wenigstens in Ruhe Motorboot fahren. Das machen wir also und sind nach gut zwei Stunden da. Nachdem wir uns durch die Riffe in die riesige Bucht geschlängelt haben, suchen wir uns die Brown Bay als Ankerplatz aus. Hier ist neben uns nur noch ein Boot. An Land stehen viele Häuser, die zu verkaufen sind. Die Grundstücke und der Strand davor sind schon ziemlich verwildert. An den Palmen hängen Kokosnüsse, die keiner erntet. Ausser uns. Wir fahren zum Strand und nehmen die Machete mit. Gut, dass die Stämme hier nicht so hoch sind, dann kann Stefan sich wenigstens nicht weh tun. Wir brauchen ein paar Anläufe um die richtige Nuss zu finden und diese dann auch aufzubekommen. Wir haben inzwischen viel über Kokosnüsse und deren Reifestadien gelernt. Und dann ist sie da, die erste selbst geöffnete Nuss für mich. Wie ein rohes Ei transportiere ich sie zum Boot, um sie mit dem Strohhalm zu trinken. Ich fühle mich wie eine Prinzessin. Eigentlich wollten wir am Strand noch grillen, aber da es langsam dunkel wird ist das nicht mehr so schön. So kochen wir gemütlich an Bord.

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Die erste selbstgeschnitzte Kokosnuss

Das Grillen holen wir am nächsten Tag nach. Wir verlegen von der Brown Bay rüber zu Green Island. Hier liegen sie alle. Geschützt zwischen Riff und Insel, vor einem schönen kleinen Strand. Wir gehen schnorcheln und suchen leere Conch-Muscheln. Für zu Hause. Ein paar schöne Exemplare wandern in die Backskiste. Nachmittags packen wir die Grillsachen zusammen und fahren zum Strand auf der anderen Seite der Felsnase. Es ist inzwischen schön ruhig geworden. Hier steht ein Holztisch mit Bänken, wie gemacht für uns. Wir feuern den Grill an und spielen Backgammon bis er heiß ist. Dann gibt es leckere Würstchen in Pitabrot mit selbstgemachtem Krautsalat. Wir haben Musik und Kerzen und es ist an Kitschigkeit kaum noch zu überbieten.

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So kann man es aushalten. Grillen am einsamen Strand.

24.-27.02.2017 Falmouth Habour 2.0 – Gedanken zur Heimreise

Zwei Tage Einsamkeit reichen uns. Man solls ja auch nicht übertreiben mit der Romantik. Wir segeln zurück ins Leben von Falmouth Habour, zurück auf unseren alten Platz vor Pigeon Beach.

Viel unternehmen wir nicht in diesen Tagen, wir machen uns mehr Gedanken wie es weiter geht. Über die Heimreise. Obwohl es hier überall so wunderschön ist, wir gesund, happy und zufrieden sind, haben wir doch ab und zu ein bisschen Heimweh. Uns fehlt unsere Wohnung, unser Bett und Bad, die Spülmaschine und all die Annehmlichkeiten. Der Garten, die eigenen Waschmaschine, mein Fitnessstudio, unser Lieblingsitaliener und Freunde treffen am Samstag nachmittag in der Stadt. So frei man ist auf dem Boot, ohne Plan und Verpflichtungen, so sehr fehlt mir doch manchmal ein geregeltes Leben. Eine Aufgabe, ein – vorgegebener – Tagesplan, den man nicht jeden Tag neue festlegen muss. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich mich mal wieder ein bisschen quälen muss, auf etwas verzichten. Hier können wir immer machen wozu wir gerade Lust haben.

Auch karibische Inseln haben wir langsam genug gesehen. Strand ist halt doch nur Sand. Und die „Städte“ hier sind nicht mit so viel Sehenswertem gesegnet wie in Europa. Landausflüge sind oft teuer, ohne eigenes Auto. Öffentlichen Nahverkehr gibt es nicht überall. Versteht mich nicht falsch, es ist immer noch wunderschön hier und wir genießen jede Minute. Aber wir freuen uns wirklich sehr auf Europa und dann irgendwann auch auf zuhause.

Wir haben lange überlegt, wie wir nach Hause kommen, wann und von wo aus. Wir hatten drei Optionen, die vor allem finanziell weit auseinander liegen. Wir haben uns aus verschiedenen Gründen für die „günstigste“ entschieden. Anfang Mai werden wir die Good Times in St. Thomas (US Virgin Islands) auf ein Frachtschiff laden. Von dort wird sie innerhalb von 12 Tagen nach Southampton in Südengland verschifft. Wir fliegen nach Hause, machen kurz Stop in Darmstadt um wärmere Klamotten einzupacken und holen unser Schiff dann in England Ende Mai ab. Dann haben wir noch den ganzen Sommer um durch Europa zu cruisen. Vielleicht fahren wir hoch nach Irland und Schottland, vielleicht nach Finnland oder Norwegen. Mal sehen. Auf jeden Fall wird es völlig anders werden als hier in der Karibik. Raueres Segeln, Tiden rechnen und andere Landschaften. Wir freuen uns drauf.

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4 Gedanken zu “Johannas Tagebuch – 15.02.-27.02.2017 Amazing Antigua I & Richtige Rückkehr

  1. Schade, dass euer Rücktransport nicht von weiter nördlich ab geht, so hätten wir uns wohl nochmals auf dieser Seite des Atlantiks gesehen 😦
    So müssen wir uns dann halt Februar 2019 wieder in Düsseldorf an der Bootsmesse treffen 🙂
    Vermissen die geselligen Abende mit euch!
    Liebe Grüsse
    Vera & Dominique

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    1. Danke für euren Kommentar ihr Lieben. Ich hoffe ihr habt eine gute Zeit im Süden. Wir freuen uns jetzt schon auf ein Wiedersehen in Zürich, Darmstadt oder Düsseldorf. Mast und Schotbruch von der Good Times.

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  2. …na da wachsen wohl gerade zwei Backgammon Profis heran! Sehr gut ;-)))

    Freue mich auf alle Fälle riesig auf euren Zwischenstop in D …if you need a shuttle, let me know!

    beste Grüße und genießt eure verbleibende Zeit

    Pete

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    1. Lieblingsmatrose! Hoffe du kommst klar zu Hause ohne schaukeln. 😇 Wäre cool wenn wir uns kurz sehen würden. Liebe Grüße von der Good Times.

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