Johannas Tagebuch – 20.01.-26.01.2017 Action auf Dominica, Teil 1

Gegen halb neun sind wir in der Bucht von Roseau. Wir gehen an eine der Bojen des Dominica Marine Center, direkt neben dem Kreuzfahrt Terminal. Marcus begrüßt uns und hilft beim Anlegen. Wir gehen gleich vormittags zum Zoll. Blöder Fehler. Gleichzeitig mit uns ist ein Kreuzfahrtschiff angekommen und nun steht jede Straße in der Nähe des Anlegers voll mit Taxen. Wir haben Mühe durchzukommen und werden ständig angequatscht, ob wir nicht einen Tagesausflug über die Insel buchen wollen, wir wären auch rechtzeitig zurück bevor das Schiff ablegt. Sehen wir echt aus wie Kreuzfahrttouristen? Alleine unsere Hautfarbe hat inzwischen eine ganz andere Braunstufe erreicht als man in einem ein- oder zweiwöchigen Urlaub jemals erlangen könnte. Ausserdem tragen wir keine Treckingsandalen mit Socken. Sondern Flip Flops, wie eigentlich immer. Wir schlagen uns durch bis zum Zoll und werden sehr freundlich abgefertig. Auf dem Rückweg drehen wir schon mal eine kleine Runde durch den Ort, bevor es uns zu heiß wird und wir aufs Boot flüchten. Die Stadt ist schön. Echt karibisch. So wie die ganze Insel. Es gibt keine großen Hotelanlagen und daher kaum Tourismus. Nur die Kreuzfahrer, aber auch weniger als auf den meisten anderen Inseln und nur jeden zweiten Tag. Die Einheimischen sind durchweg nett und unaufdringlich. Ein Nein wird immer akzeptiert. Wir fühlen uns super wohl und sicher. Als wir gegen halb zwölf wieder am Dinghi Steg sind entscheiden wir, gleich den Rum Punsch im the Loft auszuprobieren. Man muss ja wissen, wo man zum Sundowner hingehen kann. Der Drink ist der bisher Beste und hat es in sich. Und nicht nur, weil es noch vor Mittag ist und wir eine kurze Nacht hatten. Nach Einem sind wir schon sehr fröhlich. Nachmittags kommt die Richard Parker mit einem anderen Schweizer Boot im Schlepptau, der Harmonie. Sie haben sich bei der Regatta von Martinique nach Dominica über Funk kennengelernt. Die Platzierungen werden noch diskutiert, beim gemeinsamen Sundowner im Loft am Abend. Die nächsten Tage kommen noch zwei andere Boote dazu, und der tägliche Treff gegen fünf Uhr nachmittags wird jeden Tag größer. Das Essen hier ist auch wunderbar und wirklich bezahlbar. Wir werden ein Fan von diesem Laden.

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Der BESTE Rum Punsch
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Dinghi Dock to Paradise

Wir verbringen eine Woche in Roseau und unternehmen so viel wie sonst noch nirgendwo. Es gibt aber auch so viel zu tun und zu sehen. Mit vier Crews buchen wir einen Tag einen Fahrer, der uns die Highlights der Insel zeigt. Ein bisschen so wie die Kreuzfahrer, nur cooler. Armstrong, unser Guide hat es wirklich drauf. Obwohl ein Schiff im Hafen liegt, entkommen wir den Massen und sind bei den meisten Aktivitäten die Einzigen. Morgens um acht geht es los. Als erstes Fahren wir zum Emerald Pool. Der ist ein Stück weg, aber auf dem Weg dahin lernen wir eine ganze Menge über die Insel und die Natur. Wir sehen wie Mangos, Ananas und Papayas wachsen, lernen wo Zimt herkommt und wie er geerntet wird, sehen Kaffee- und Kakaopflanzen und erfahren, welchen Einfluss China und Venezuela auf die Politik von Dominica haben. Am ersten Ziel angekommen erreichen wir auf einem kleinen Rundweg den Wasserfall, der in einem dunkelblau/grünen Teich stürzt. Wir sind die ersten und es ist schön friedlich, aber nicht besonders spektakulär. Gerade als wir den Rückweg zum Parkplatz antreten, kommen sie uns entgegen. Japaner im Einweg-Regenponcho (es ist bestes Wetter heute), die mit dem Tablet Fotos machen. Nur schnell weg. Als nächstes Fahren wir zu den Middleham Falls. Auch ein Wasserfall, den man sich allerdings erarbeiten muss. Ein Trail führt ca. 45 Minuten hoch und runter durch den Regenwald. Und obwohl wir nass geschwitzt sind als wir ankommen, trauen sich nicht alle im Becken des Wasserfalls zu baden. Ich versuche es, schaffe es aber gerade mal, für ein paar Sekunden einzutauchen. Es ist arschkalt. Wir sind alle etwas geschafft als wir zurück am Bus sind. Vor dem Mittagessen steht allerdings noch ein Programmpunkt an. Wieder schwimmen. Dieses Mal in der Felsspalte Titou George, an dessen Ende eine wilde Wasserquelle hinein sprudelt. Es ist wieder ziemlich kalt, aber dieses Mal ist auch Stefan dabei. Armstrong kennt hier jeden Stein beim Namen und hilft uns gegen die starke Strömung bis zum Ende der Spalte zu kommen. Hier klettern wir auf einen Fels und springen ins Wasser. Das geht ab, wir werden in Windeseile wieder Richtung Ausgang getrieben. Jetzt haben wir richtig Hunger. Wir fahren zu einem einheimischen Restaurant und bekommen leckeren kreolischen Fisch, Chicken oder Ziege mit wunderbarem lokalen Gemüse als Beilage. So gestärkt sind wir bereit für eine weitere Kletterpartie, die Trafalgar Falls hoch. Was die Kreuzfahrer sich wieder nur von unten anschauen dürfen, erleben wir hautnah. Von der Aussichtsplattform aus klettern wir über riesige Felsen hoch zu den Wasserfällen. Auf halber Strecke ziehen wir unsere Badesachen an und lassen die Rucksäcke stehen. Jetzt geht es nochmal richtig nach oben. An schwierigen Stellen führt Armstrong jeden von uns einzeln über das Hindernis. Oben angekommen werden wir richtig belohnt. Die erste heiße Dusche seit Monaten! Und ich meine richtig heiß! Das eisenhaltige Wasser sprudelt direkt aus dem Fels und man kann sich sogar drunter stellen. Was ein Luxus. Ein paar Schritte weiter ist das Becken des Wassserfalls. Hier ist es wieder kalt. Aber mit dem Gedanken an die heiße Dusche danach ist das kein Problem und alle springen wie die Kinder immer wieder von den umliegenden Felsen in das Becken. Wir können uns kaum trennen und treten nur widerwillig den Rückweg an. Was ein grandioser Abschluss dieses fantastischen Tages. Its true! Obwohl wir schon spät dran sind fährt Armstrong uns noch eine Runde durch Roseau. Wir sehen einen tollen Aussichtspunkt und den Botanischen Garten. Beim all abendlichen Rum Punsch lässt die Gemeinde den Tag und die super Erfahrungen Revue passieren.

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Schwimmen in Titou George
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Die Crew auf dem Weg zum Wasserfall
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Wechselbäder. Kalter Wasserfall…
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Heiße Dusche

Nach einem Tag Pause und chillen kommt das nächste Highlight. Wir haben uns nach der Wanderung zu den Middleham Falls fast nicht getraut, aber dann doch mit der Richard Parker und noch einem Schweizer Kollegen die Wanderuntg zum Boiling Lake gebucht. Sie ist als mittelschwer bis schwer gekennzeichnet und dauert sechs bis acht Stunden. Oha! Heute geht es sogar schon um sieben Uhr los. Leider ist es grauer Tag und als wir am Startpunkt abgesetzt werden, nieselt es schon leicht. Wir entscheiden uns, die Segeljacken einzupacken. Frohen Mutes wandern wir los, in den Regenwald über Baumstamm Stufen immer bergan. Unser Guide bleibt alle paar Meter stehen uns erklärt uns irgendwas zur lokalen Flora und Fauna. Schwer zu verstehen aber interessant. Als der Regen allerdings immer stärker wird machen wir ihm klar, dass wir lieber zügig weiterwandern würden um nicht an Unterkühlung zu sterben. Wir ziehen unsere Jacken an und die Kapuzen zu. Am Anfang geht es noch und man hat das Gefühl, das Tshirt sei noch trocken. Wir weichen den Schlammpfützen am Boden aus so gut es geht, damit die Füße nicht nass werden. Am Gipfel des ersten Berges hat man angeblich einen tollen Ausblick. Wir sehen nur graue Wolken soweit das Auge reicht. Dafür bekommen wir einen erfrischenden Maracuja Saft ausgeschenkt. Richtig genießen können wir das nicht, wollen nur weiter und warm bleiben. Jetzt geht es abwärts. Es hat inzwischen so viel geregnet, dass der Pfad nach unten eher einem Wasserfall gleicht. Wir geben auf, als uns das Wasser von hinten in die Schuhe läuft. Naja, mit nassen Füssen wandert es sich gleich viel einfacher. Wir springen nicht mehr über die Steine im Flussbett, sondern warten einfach mitten durch. Nach viel hoch und runter erreichen wir das Desolation Valley. Es sieht gespenstisch aus. Grauer, poröser Stein überall. Dazwischen Dampf, der aus dem Erdinneren hervorquillt. Schwefelgeruch in der Luft und warme Wasserbäche, die sich überall durch die Felsbrocken schlängeln. Unser Guide will Eier kochen in einer der heißen Quelle und uns damit überraschen. Für solche Mätzchen haben wir allerdings im Moment keinen Kopf. Das Terrain ist wirklich anspruchsvoll. Wir haben Mühe die Stufen in den Felsen zu überwinden oder im aufgeweichten Boden Halt zu finden. Häufig müssen wir auf dem Hintern über die Felsen rutschen, damit wir keinen Abgang machen. Wir durchqueren einen inzwischen ziemlich reißenden Fluss, klettern eine Weile an seinem Ufer entlang bevor wir wieder bergauf Richtung Boiling Lake abbiegen. Als wir nach ein paar Stunden endlich angekommen sind gönnen wir uns nur eine kleine Pause. Eigentlich sollte hier ein Lunch serviert werden, aber da man sich nicht unterstellen kann und wir total durchnässt sind treten wir bald den Rückweg an. Der See ist allerdings ziemlich cool. Er kocht nämlich wirklich. An dieser Stelle sammelt sich Regenwasser von den umliegenden Bergen, dass durch eine Furche in der Erdkruste von unten erhitzt wird und anfängt zu kochen. Es weiß wol niemand, wie tief der See ist. Der Rückweg ist fast noch ein bisschen härter als der Hinweg. Die Erde ist inzwischen komplett aufgeweicht und die Pfade sind so überspült, dass man den Weg kaum erkennen kann. Auf einem Drittel des Rückweges machen wir dann die Mittagspause in einem Unterstand. Unser Guide hat das komplette Essen in seinem Rucksack rumgetragen. Es gibt frischen Salat mit Tomate und Gurke, extrem leckeren angemachten Räucherfisch, gebratene Plantain (eine Art Banane) und Brot, das komischerweise nicht aufgeweicht ist. Wir schlingen die Leckereien von unseren Papptellern und verschmähen sogar die Grapefruit, die es als Nachtisch geben sollte. Ich zittere so sehr beim essen, dass ich hin und her laufen muss um mich warm zu halten. Obwohl wir körperlich wirklich kaputt sind können wir es nicht erwarten weiter zu laufen. Der Rest des Weges (immerhin ca. vier weitere Stunden) wird abgespult. Als wir zurück am Ausgangsort sind zittern meine Beine wie Espenlaub. Dieses Mal nicht vor Kälte sondern vor Anstrengung. Das war schon eine ziemlich krasse Nummer. Wir warten auf unseren Fahrer und waschen unsere Schuhe in einem Fluss. Meine vormals weissen Socken haben eine mittelbraune Farbe angenommen, die trotz waschen nicht heller wird. Tschüss Socken. Der Fahrer wundert sich als er ankommt. Er hätte erst in ein bis zwei Stunden mit uns gerechnet. Wir haben wohl den Turbo eingelegt. Viel Spaß gemacht hat die ganze Sache nicht. Zumindest nicht währenddessen. Im Nachhinein aber umso mehr. Es ist eine tolle Erfahrung die wir teilen und über die wir noch lange reden werden. Und wir sind natürlich mächtig stolz.

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Urwald
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Die nasse Crew

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Boiling Lake, ein heißes Bad wäre schön gewesen
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vom Bach zum reißenden Fluss

Die nächsten Tage verbringen wir damit, unsere Wunden zu lecken und unseren Muskelkater zu kurieren. Wir schlappen ein bisschen durch den Ort oder schwimmen. Am letzten Tag fahren wir mit der Richard Parker zum Champagne Reef. Von einem Strand aus kann man zu einem Riff schwimmen, aus dem kleine Luftbläschen aufsteigen wie in einem Champagner Glas. Das sieht sehr cool aus und man kann auch noch die beeindruckende Unterwasserwelt beobachten. Wir schnorcheln bis mir vor Kälte die Finger taub werden und trinken im Anschluss noch ein Bier in der Bar. Auch dieser Trip hat sich gelohnt.

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Unser Ankerplatz, schön ruhig

Dominica ist wirklich eine tolle Insel. Wir haben uns super wohl gefühlt und unglaublich viel erlebt. Auch die Preise hier sind moderat, so dass man sich die ein oder andere Tour gönnen kann. Bisher hat uns keine Insel so beeindruckt. Nach einer Woche fahren wir weiter nach Portsmouth, in den Norden der Insel.

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2 Gedanken zu “Johannas Tagebuch – 20.01.-26.01.2017 Action auf Dominica, Teil 1

  1. Ein wunderbarer Erlebnisbericht ! Hallo Johanna und Stefan, jetzt können wir uns gut vorstellen wie es bei Euch abgeht. Der Bericht passt sehr gut in einen Reiseführer..
    Wir wünschen noch viele schöne Tage in der Karibik, Conny und Steffen

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  2. Liebe Johanna & lieber Stefan, toller Bericht, tolle Bilder und mit viel Freude habe ich gerade Eure aktuelle Schiffsposition gegoogelt – wie geil ! Geniesst die Zeit und hängt noch ganz viele Monate dran !!! Herzliche Grüße gerade von der Nordseeküste aus dem windigen Wangeroooge 🙂 Kerstin (& Uwe)

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