Johannas Tagebuch 27.12.2016-05.01.2017 – Chartertour durch die Grenadinen

Nach Mustique sind es 95 Meilen. Wir klarieren aus und machen uns nachmittags auf den Weg. Am nächsten Morgen wollen wir da sein. Der Trip beginnt super. Konstanter Raumwind mit ca. 20 Knoten bringt uns im flachen Wasser flott voran. Wir geniessen es, wieder bei perfekten Bedingungen auf dem Wasser zu sein. Am späten Abend nimmt der Wind zu. Ausserdem werden die Wellen höher, als wir nicht mehr in der Abdeckung von Barbados sind. Wir surfen die Wellen runter und das ganze Schiff vibriert. Wenn wir so weiter fahren sind wir gegen vier Uhr morgens in der Ansteuerung von Mustique. Das wollen wir nicht und nehmen daher die Fock rein. So segelt es sich bei inzwischen bis zu 30 Knoten Wind deutlich angenehmer. Ich kann wie immer in der ersten Nacht nicht schlafen und als ich um drei Uhr meine Wache antrete bin ich eher müde. Aber es ist ja nur eine Nacht, bald sind wir da. Ich sehe die Lichter der Richard Parker hinter uns. Sie sind ein paar Stunden später los gefahren. Als wir zwischen den Inseln durchfahren und nach Mustique abbiegen segeln wir friedlich nebeneinander her.

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… und die grosse Richard Parker

Mustique ist landschaftlich super schön. Grüne Hügel mit hübschen Anwesen oben drauf. Ein weisser Sandstrand, ein malerisches kleines Dorf mit ein paar Boutiquen und einem winzigen Supermarkt. Die Straßen sind gefegt und die Gehwege mit Conch Schneckenhäusern eingefasst. So stellt man sich die Karibik vor. Wenn man ehrlich ist, ist die Karibik aber das genaue Gegenteil. Zum Einklarieren müssen wir zum Flughafen. Obwohl es nicht weit ist dürfen wir nicht laufen, sondern müssen ein Taxi nehmen. Der gemeine Segler darf sich auf der Insel nur mehr oder weniger im Radius seiner Ankerkette frei bewegen. Hinter Basil’s Bar auf der einen und dem Supermarkt auf der anderen Seite beginnt die Privatsphäre der Schönen und Reichen. Gut, dass wir auf dem Rückweg von Flughafen einfach kein Taxi finden und so gezwungenermaßen laufen MÜSSEN. Viel gibt es aber ehrlich gesagt auch nicht zu sehen. Wir gehen lieber schwimmen und gucken uns die Fische unter Wasser an. Ansonsten chillen wir und lassen uns die Sonne auf den Bauch scheinen. Wenn man in Mustique liegen will muss man die erste Nacht sehr teuer bezahlen, darf aber dann drei Nächte bleiben. So werden die Chartersegler abgezockt. Uns ist es recht, wir hatten eh vor nicht gleich weiterzusegeln. So feiern wir auf Mustique auch noch in Stefans Geburtstag rein. Zur Feier des Tages machen wir uns chic und gehen zusammen mit der Richard Parker in Basil’s Bar. Die Preise sind insgesamt wirklich unverhältnismäßig. Das günstiges Gericht auf der Karte ist ein Burger. Gut, dass wir eh Bock auf Burger haben. Für 22 US Dollar gibt es saftiges Rindfleisch, Pommes und Cole Slaw. Alles super lecker. Allerdings kommen nochmal 10% VAT und 15% Service Charge oben drauf. Naja, so was gönnt man sich ja nicht so oft und ausserdem ist ja Stefans Geburtstag. Danach gehen wir zu uns aufs Boot und trinken Rum Punsch. Wir haben inzwischen natürlich alle Zutaten für dieses leckere Getränk an Bord. Um Mitternacht überrascht Vera Stefan mit einem selbstgebackenen Schokokuchen. Stefan liebt Schokokuchen. Nach Glückwünschen und einem Stück des göttlichen Gebäcks gehen wir langsam schlafen. Wir wollen ja morgen weiter.

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Alles „hübsch“ auf Mustique
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Basils Bar, Stefans Geburtstagslocation

Und es sind immerhin 15 Meilen bis nach Canouan. Es wird ein segel- und sonnentechnisches Geburtstagsgeschenk. Wir kommen mittags an und verbringen den Tag mit schwimmen, schnorcheln und Ortsbegehung. Ausserdem müssen wir natürlich eine Location für die Silvesterfeierlichkeiten ausfindig machen. Das Hotel, vor dessen Strand wir liegen, hat ein nettes kleines italienisches Restaurant mit Pizza aus dem Holzofen. Das ist doch was für uns. Wir reservieren einen Tisch für fünf und lassen uns Aperitif, Vorspeise, Hauptspeise und Wein schmecken. Für grenadinische Verhältnisse zu günstigen Preisen. Gegen zehn sind wir satt und glücklich. Später treffen wir uns noch auf der Richard Parker, um gemeinsam bis null Uhr durchzuhalten. Leider ohne Pete. Der fühlt sich schon ein paar Tage nicht so gut und verschläft den Jahreswechsel. Bei uns ist es aber auch wirklich unspektakulär. Nach einer Flasche Weisswein rudert Stefan uns wieder auf die Good Times. Aber da wir im Moment ja viele spektakuläre Tage haben ist das nicht weiter schlimm. Den 1. Januar vergammeln wir im Großen und Ganzen. Wir kühlen uns im Wasser ab, hängen rum und essen Spaghetti mit Tomatensauc

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Traumhaft in Canouan

Von Canouan segeln wir am nächsten Morgen ganze 5 Meilen auf die Tobago Cays. Gut, dass wir früh kommen. Die Buchten sind UNFASSBAR voll. Wir bekommen um 12 Uhr mittags die letzte Boje und die Richard Parker den letzten Ankerplatz. Wäre es nicht so schön hier wäre es mir zu voll. Vor allem liegen hunderte Charterboote um uns herum. Aber ich kann verstehen, dass jeder hier hin will. Wir ja auch. Kaum angelegt fahren wir mit dem Kontrollboot zum Strand zum Schnorcheln. Hier ist es witzigerweise nicht so voll und man kann in Ruhe gucken. Den richtig beeindruckenden Spot finden wir aber erst am nächsten Tag, etwas weiter weg und ohne Parkmöglichkeit. Hier sind wir buchstäblich die Einzigen. Es ist ein Erlebnis. Zwei Meter Wassertiefe und weisser Sand auf dem Grund. Dazwischen immer wieder kreisrunde Korallen, mit vielleicht zehn bis zwanzig Meter Durchmesser. Sie sehen aus wie kleine Dörfer. Ob die Fische sich auch mal gegenseitig in ihren Dörfern besuchen schwimmen? Wir sehen Papageienfische, Kugelfische, eine großen Kraken, Rochen und jede Menge Schildkröten. Nach über zwei Stunden fahren wir völlig druchgefroren wieder zurück zum Boot. Abends lassen wir fünf uns von unserem Boat Boy Michael zum Barbeque am Strand überreden. Wir ziehen uns etwas Ordentliches an und werden um sechs abgeholt. Als wir am Strand ankommen werden unsere Erwartungen deutlich übertroffen. Zwischen den Palmen sind Lichterketten gespannt, die den Strand in stimmungsvolles beleuchten. An Sechsertischen, die unter den Palmen verteilt sind, sitzen schon ein paar Leute. Insgesamt gibt es vielleicht 20 bis 30 Tische. An einer Seite sind weisse Zelte aufgebaut. Hier wird gegrillt und gekocht. Wir haben unsere eigenen Getränke mitgebracht und lassen uns erst mal einen Rotwein schmecken. Als das Essen irgendwann kommt sind wir wieder überrascht. Es ist ein riesiger Teller, auf dem eine ordentliche Hummerhälfte liegt. Sie ist mit geraspeltem Gemüse überbacken und umringt von Reis, Kartoffeln und gemischtem Gemüse. Alles ist super lecker und kaum zu schaffen. Als die Teller abgeräumt sind kommt ein Kellner auch noch mit einem Teller Bananabread und frischem Obst zu uns. Wir bleiben noch lange sitzen, bis Michael uns auffordert langsam die Fahrtgelegenheit aufs Boot in Anspruch zu nehmen. Wir hatten ein bisschen Angst in die Touri Falle getappt zu sein, aber der Abend hat sich wirklich gelohnt.

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Lobster Dinner am Strand, grandios!

 

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Pete und ich auf Landgang

Nach zwei Tagen auf den Cays setzt sich die Reisegruppe „Good Parker“ wieder Richtung Norden in Bewegung. Wir hatten ja ursprünglich gar nicht geplant, auf die Grenadinen zu segeln. Zu viel hat man gehört und gelesen. Über gestohlene Dinghys, Einbrüche und sogar Raubüberfälle. Da haben wir keine Lust drauf. Es gibt so viele tolle Inseln, warum sollen wir dann ausgerechnet da hin, wo man sich nicht sicher fühlt? Aber mit einem anderen Boot im Verbund haben wir uns dann doch getraut und uns gemeinsam langsam vorgetastet. Und man muss sagen, wir haben uns nie unsicher gefühlt. Im Gegenteil, die Leute waren alle extrem freundlich und hilfsbereit. Michael unser Boat Boy, mit dem wir uns lange unterhalten haben, hat uns viel erzählt. Auch für die lokalen Dienstleiter ist es natürlich extrem wichtig, dass die Yachties sich sicher fühlen. Zu schnell spricht es sich rum wenn es Probleme gibt. Und da ihr Einkommen von den Booten abhängt die auf die Inseln kommen, haben sie ein großes Interesse ihr Geschäftsgebiet sicher zu halten. Nur Saint Vincent hat es nach wie vor nicht im Griff. Mit dem Ergebnis, dass sich wirklich nur noch vereinzelte Yachten auf die Insel verirren. Auch wir haben die Insel nicht angelaufen, sondern sind vorbei gesegelt. Insgesamt fühlt sich die Tour durch die Grenadinen echt an wie zwei Wochen Charter Urlaub. Wir chillen die meiste Zeit anstatt am Boot zu arbeiten, segeln nach ein bis zwei Tagen weiter anstatt Wochen an einem Ort zu verbringen und lassen es uns richtig gut gehen, wie immer.

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Traumhafte Aussicht über unsere Bucht in den Tobago Cays. Looks like paradise!

Aber bevor es nach St. Lucia geht segeln wir nach Bequia. Die Admirality Bay ist süß und und relativ ruhig. Wir schlendern ein bisschen durchs Städtchen und testen die Strandbar. Leider können wir nur eine Nacht bleiben und segeln am nächsten Tag abends schon weiter. Der Wind ist für unseren Kurs gerade so angesagt, dass wir nicht gegenan kreuzen müssen. Und da Pete uns bald von St. Lucia verlassen muss, haben wir keine Wahl. Nach dem Abendessen brechen wir auf. Zwischen Bequia und St. Vincent bekommen wir schon richtig auf die Mütze und binden das erste Mal überhaupt das dritte Reff ins Groß. Wir haben oft 30 Knoten scheinbaren Wind, auf am Wind Kurs nicht angenehm. Dafür erreichen wir bald die Südspitze von St. Vincent, wo es schlagartig ruhig wird. Stefan und Pete legen sich schon mal hin, obwohl es gerade erst halb acht ist. Ich muss in der Landabdeckung dann sogar den Motor anwerfen. Kaum nähern wir uns später dem offenen Wasser vor St. Lucia geht es wieder ab. Trotz viel Wind kommen wir nur leider kaum voran, da wir Höhe knapsen müssen wo es geht und die steilen Wellen uns ausbremsen. Als wir früh morgens 15 Meilen vor der Marigot Bay sind schaffen wir es unter Segel nicht mehr näher zum Ziel. Ich werfe den Motor an. Wir müssen jetzt genau gegen Wind und Welle und kommen nur mit quälenden 3 Knoten voran. Wir sind heilfroh, als wir mit dem Heck am Steg in der Capella Marina liegen. Spaß hat dieser Schlag wirklich keinen gemacht.

 

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2 Gedanken zu “Johannas Tagebuch 27.12.2016-05.01.2017 – Chartertour durch die Grenadinen

  1. Hallo ihr lieben, schön,daß es euch so gut geht, hatte mir bei eurer Überfahrt schon Sorgen gemacht! Freue mich immer auf Neues von euch!
    Liebe Johanna leider muß ich dir Recht geben,
    Die Charterer sind leider fast überall die Pest ;-))

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