Auf dem Atlantik – Tag 17-20 Passatsegeln

Seit 3 Tagen haben wir die Segelstellung kaum verändert. Mal schiften wir die Fock. Pete müssen wir außerdem von Zeit zu Zeit kontrollieren, feinjustieren oder die Steuerseile nachspannen. Das wars aber auch schon. Ansonsten ist nicht viel zu tun. Die Wellen werden immer höher je weiter wir nach Westen kommen. Der Alltag wird beschwerlicher. Persönliche Hygiene, kochen, abwaschen, selbst schlafen wird zur artistischen Herausforderung. Wir alle haben inzwischen blaue Flecken an diversen Körperstellen, weil man immer mal wieder von einer besonders tückischen Welle überrascht und gegen Tisch, Schrank oder Waschbecken geschleudert wird. Nach ein paar Tagen habe ich aufgehört mitzuzählen wie oft ich schon mit dem Kopf gegen den Badezimmerspiegel geschlagen bin.

Die Geräuschkulisse unter Deck ist beachtlich. Man kann sich kaum vorstellen wie laut es an Bord eines Bootes ist das 24h am Tag mit Höchstgeschwindigkeit durch die Atlantik Wellen pflügt. Der Wind heult. Das Rigg pfeift. Wasser rauscht vorbei. Die Möbel knarzen und Küchenuntensilien sowie Vorräte rappeln wie verrückt in den Schränken. Sobald man eines vernünftig ruhig gestellt hat fängt es woanders an.

Besonders hart ist es an Tagen mit etwas weniger Wind wenn die Good Times wie verrückt in den Wellen rollt. Das Material leidet und ich mit ihm. Es tut mir innerlich regelrecht weh wenn unsere neue Fock in der Dünung knallt. Erste Teile gehen kaputt. Wir mussten heute Johanna bei drei Meter Welle in den Mast ziehen. Unsere Funkantenne hatte sich losvibriert und schlug nur noch am Antennenkabel hängen an der Mastspitze hin und her. Als wir Johanna an der Mastspitze schwingen sahen hatten wir alle ein flaues Gefühl im Magen. Zum Glück ging bei der Aktion alles gut.

Die Abstände in denen wir die restlichen Meilen bis Barbados kontrollieren werden immer kürzer. Wir können es kaum erwarten endlich Land zu sehen. Zum Teil liegt es daran, dass wir uns immer mehr auf die Karibik freuen, je näher wir kommen und je mehr Revierführer wir lesen. Aber uns reicht es auch langsam mit der Ozean Segelei. Wir sehen uns nach frischer Bettwäsche. Eine Nacht durchschlafen. Ein kaltes Bier und gemütlich mit Messer und Gabel am nicht-schwankenden Tisch essen. Das Boot entsalzen und endlich ausgiebig mit Süsswasser duschen.

Noch 1.000 Meilen.

Stefan

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2 Gedanken zu “Auf dem Atlantik – Tag 17-20 Passatsegeln

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