Johannas Tagebuch 24.10.-09.11.2016 – Leben und arbeiten auf Teneriffa

Zweieinhalb Wochen vergehen wie im Flug. Die erste Woche ist super busy. Tagsüber arbeiten wir unsere Todo Liste ab und abends sitzen wir mit Sabine und Stefan an Bord oder verbringen sonst irgendwie Zeit gemeinsam. Die Liste der Sachen, die wir vor dem Atlantik noch erledigen wollen ist lang. Gut, dass es hier in Santa Cruz vier gute Yachtausrüster gibt. Weniger gut ist, dass sie weit auseinander liegen und man gut daran tut, Preise zu vergleichen. Wir machen also ordentlich Meilen zu Fuss und sondieren das Angebot. Manchmal latscht man auch vergebens durch die halbe Stadt, z.B. wenn das Geschäft während der Öffnungszeiten einfach mal nicht offen hat. Wir brauchen eine neue Ankerkette und müssen einen Riss im Ankerkasten fixen und anmalen, der Sail Drive verliert immer noch Öl und muss repariert werden, verschiedene kleine Dinge für die Odyssey Ausrüstungsvorschriften wollen besorgt oder selber gebastelt werden, die Genua soll genäht werden, wir schreiben einen Essensplan und eine Proviantliste für die Überfahrt und überlegen, was wir noch in Europa für die Karibik bunkern wollen. Und so weiter. Das hört sich viel an, aber wir kommen super voran. Einen Tag nehmen wir uns sogar frei und gehen mit den Darmstädtern in den Zoo. Eine lustige und willkommene Abwechslung. Sonst treffen wir uns meistens abends bei uns auf dem Boot und klönen. Mit den Zweien wird es einfach nie langweilig. Ab und zu sind noch andere Segler dabei, die wir nicht ganz vernachlässigen wollen. Nach einer Woche fliegen sie heim, der durchschnittliche Arbeitnehmer hat ja in der Regel nur zwei Wochen Urlaub am Stück.

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Bier Probe in der deutschen Kleinbrauerei auf Teneriffa

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Zoobesuch. Die Erdmännchen entsprechen im Moment leider eher unserem Lebensstil als die Faultiere…

Wir vertiefen uns die zweite Woche in Santa Cruz ganz in die Arbeit. Die Mechaniker für den Sail Drive sind zwei Tage an Bord und bauen den ganzen Motor auseinander. Und erfreulicherweise auch wieder zusammen. Wir genießen die Zeit in der Stadt. Wir sind ja beide eher Stadtmenschen und seit Lissabon hatten wir keine mehr vor der Tür. Santa Cruz ist wirklich cool. Es gibt alles was man braucht, Einkaufsmöglichkeiten, nette Restaurants und gemütliche Kneipen mit günstigem, guten Bier und schnellem Internet. Wir fühlen uns auf jeden Fall extrem wohl hier und obwohl wir viel zu tun haben machen uns die Dinge Spaß. Abends haben wir dann Zeit die anderen Crews zu treffen. Sabina und Michael von der Anyway sind ja schon die ganze Zeit mit uns hier. Dann kommen auch noch Vera und Dominique von der Richard Parker, die wir seit Oeiras nicht mehr gesehen haben. Wir drei Boote fahren dann am 19. November auch gemeinsam mit der Odyssey über den Atlantik. Clement und Marjolaine, von dem Boot mit dem französischen Namen den ich nicht buchstabieren, kann treffen wir einen Abend zum Tapas essen bei ihnen an Bord. Als wir an einem anderen Abend auf unseren Steg kommen, sehen wir ein holländisches Boot in den Hafen fahren. Wir erkennen, dass es die Island Lady mit Pleuni und Jouke ist und brechen in Jubel aus. Sie haben wir seit Lissabon nicht mehr gesehen. Sie kommen gleich mit frisch gefangenem, gegrilltem Fisch zu uns rüber und nach dem Essen gehen wir auf zwei bis zwölf Bier in die Stadt. Ein paar Tage später kommt auch die Noah mit Alex und Alex und den Kids. Es ist ein Highlight sie auch noch wieder zu sehen. Ich hätte nie gedacht, wie eng die Community schon in Europa ist und wie sehr man sich freut, lieb gewonnene Crews wiederzutreffen.

Das ist umso wichtiger, weil wir Deutschland und unser Zuhause im Moment ziemlich vermissen. Wir würden gerne mal wieder einfach Alles unter uns fallen lassen, anstatt ständig alles rum räumen zu müssen. Oder einen Abend auf Couch vor dem Fernseher verbringen. Oder samstags mit der Bahn in die Stadt fahren, Fussball gucken im Extrablatt und dann mit guten Freunden ein paar Bier im Ratskeller trinken. Oder Freunde treffen im Allgemeinen. Oder in der Badewanne liegen. Oder abends ins Fitnessstudio gehen. Oder mit dem Auto zum Supermarkt fahren und drei Kisten Wasser einladen. Oder Kräuter aus dem Garten ernten, ein riesen Festmahl kochen und dann die Spülmaschine die Arbeit machen lassen. Oder sich einfach nicht jeden Tag den Kopf anstoßen. Versteht uns nicht falsch. Es geht uns wirklich gut und ich könnte mindestens zweitausenddreihundertachtundsiebzig Sachen aufzählen, die in unserem derzeitigen Leben einfach hammer geil sind. Aber ein bisschen Heimweh haben wir schon. Wir mochten unser Leben in Deutschland ja auch sehr gerne.

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Die Marina in Santa Cruz. Mit Fähr- und Kreuzfahrtterminal. Viele nette Leute an den Stegen.

Die Temperaturen gehen hier auch langsam runter. Tagsüber ist es meistens noch schön warm und kurze Hose und Tshirt sind angesagt. Abends wird es aber dann echt kühl, so dass man mindestens einen Pullover braucht. Ausserdem regnet es eigentlich jeden Tag ein bisschen. Wir saßen wohl einen Abend zu lange draussen auf der Richard Parker. Ohne Pulli. Zwei drei Tage später hat Stefan die Rüsselseuche. Nicht schlimm, aber er verbringt schon knapp zwei Tage im Bett. Ich muss mir auf den anderen Booten neue Spielgefährten suchen. Jetzt hat es mich auch erwischt. Halsschmerzen und laufende Nase. Dabei habe ich mir so gut zugeredet. Naja, nicht schlimm. Ein bisschen was kann ich immer noch machen. Zumindest Blog schreiben geht auch unter der Wolldecke.
Am 19. November starten wir in die Karibik. Schon diese Woche Sonntag kommen meine und dann auch Stefans Eltern. Wir wollen möglichst viel Zeit mit ihnen haben und nicht mehr viel arbeiten. Bis dahin sind es nur noch ein paar Tage. Langsam wird die Zeit knapp. Wir sind fast fertig mit Allem und ziemlich entspannt, aber trotzdem ist es ein komisches Gefühl, dass es sich jetzt eher um Tage als um Wochen handelt. Wir liegen zwei Stege weiter von der Anyway und der Richard Parker. Das ist schade, weil der Steg-Talk schwieriger ist und man sich nicht einfach über den Weg läuft. Auf der anderen Seite finden wir es manchmal gut, dass wir nicht immer mitbekommen was Andere so alles vorbereiten. So werden wir weniger nervös.

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