Johannas Tagebuch 15.-23.10.2016 Porto Santo und Überfahrt Teneriffa

Das Stegleben hier auf Porto Santo ist toll. Fast alle Boote sind Langfahrer. Bei manchen hat man allerdings das Gefühl, das sie hier hängengeblieben sind. Da ist der Wasserschlauch dauerhaft an Deck montiert und die Leinen sind an den Klampen schon fast durchgescheuert. Aber wir fühlen uns wohl. Mit den Anyways und den Noahs hat sich eine coole Truppe gebildet. Tagsüber trifft man sich auf dem Steg, spricht über Wetter, Ausrüstung (die Männer) oder über Wäschewaschen und Kochen (die Mädels) oder hilft sich gegenseitig mit dem ein oder anderen aus. Seien es Bücher, Sackkarren oder Farbe für die Gemälde an der Hafenmauer. Einen Abend grillen wir gemeinsam am Strand. Für mich ist es eins der Highlights unserer bisherigen Reise. Wir sitzen auf Decken, grillen über einer Mulde im Sand, essen lecker, trinken Rotwein und hören Musik. Es ist warm, die Wellen rauschen und wir unterhalten uns mit netten Menschen. Was will man mehr?
Stefan geht es leider einige Tage nicht so gut. Er hat wieder Magenprobleme und ein bisschen Fieber. Ich hoffe, dass das nicht an meinen Kockkünsten liegt. Leider drückt das die Stimmung ein bisschen und ich mache mich ab und zu alleine auf in den Ort.

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Grillen im Sand, super praktisch
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Gesammelte Köstlichkeiten auf der Decke
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Sundowner

Am Donnerstag den 20. machen sich die Anyway und die Noah auf die Reise. Ihnen wird der Schwell im Hafen zu viel und sie segeln in eine Ankerbucht nach Madeira. Von dort aus wollen sie dann am nächsten Morgen gen Süden auf die Kanaren. Es ist allgemein große Aufbruchstimmung an dem Tag. Viele andere Boote legen auch ab und nachmittags ist der Steg richtig leer und wir ein bisschen einsam. Der Grund für den allgemeinen Aktionismus ist ein großes Tiefdruckgebiet, dass sehr weit in Richtung Süden kommen soll. Also auch bis Madeira und sogar weiter bis zu den Kanaren. Das ist für diese Jahreszeit eher ungewöhnlich. Noch ist aber ein bisschen Zeit um seeklar und sich aus dem Staub zu machen. Noch eine Woche wollen auch wir nicht auf Porto Santo bleiben. Es ist zwar schön und ruhig, auf Dauer aber etwas zu ruhig. Ausserdem machen Freunde von uns gerade Urlaub auf Tenriffa, sie möchten wir unbedingt noch sehen. Wir planen unsere Abfahrt für den nächsten Morgen. Mit dem leeren Steg wird es auch an der Waschmaschine ruhig. Ich nutze die Gelegenheit nochmal kostenlos Betten und Handtücher zu waschen. Wer weiß wann es wieder eine kostenlose Waschmaschine gibt. Den Rest des Tages bereiten wir ein bisschen vor, räumen auf und ich koche mal wieder Eintopf (dieses Mal indisch vegan, damit es nicht langweilig wird).

Wir legen gegen zehn Uhr morgens ab. Für den ersten Tag ist Wind von schräg vorne angesagt, aber moderat. Am zweiten Tag soll er von hinten kommen und uns schieben. Es stimmt leider nichts davon. Kaum sind wir aus dem Hafen raus fängt es an zu wehen. Von schräg vorne, aber mit ordentlich Kraft. Wir binden schnell ein Reff ins Großsegel um die Lage zu vermindern. Dafür geht es mit Rauschefahrt voran. Über sieben Knoten sind keine Seltenheit und obwohl es anstrengend ist freuen wir uns über den ungewohnten Speed. Den ersten Tag verbringen wir anfangs noch im Cockpit. Man muss sich gut festhalten, damit man nicht von der Bank weht. Irgendwann, als alles eingestellt ist und keine Boote mehr in Sicht, verziehen wir uns unter Deck. Da bleiben wir dann auch mehr oder weniger für die nächsten zwei Tage. Ausser für ein paar Stunden nachts. Da steigt der Windmesser in Schauerböen auf über 30 Knoten. Da sitzt dann doch einer von uns oben und überwacht das Geschehen. Irgendwann dann muss auch unser Topspeed von 11,4 Knoten entstanden sein, den unser GPS Tracker am nächsten Morgen anzeigt. Der Wind dreht natürlich auch nicht, wie vorhergesagt. Das macht das Leben an Bord eher beschwerlich. Daher bleiben wir einfach in der Horizontalen. Nachts halten wir Wache nach dem üblichen Schema und sind gut gelaunt weil es so flott voran geht. Am Ende der zweiten Nacht sehe ich den Leuchtturm auf Teneriffa. Es dauert dann noch bis nachmittag, ehe wir am Steg liegen. Ein paar Meilen vor dem Hafen bekommen wir allerdings noch eine kostenlose Bio-Bootswäsche. Während ich noch ein Runde schlafe, schüttet es draussen aus Kübeln. Stefan sitzt im Niedergang und versucht durch den Schleier andere Boote auszumachen. Was ein Glücksfall, so müssen wir das Boot nicht erst vom Salz befreien, wenn wir ankommen. Wir genießen unseren Anleger im sauberen Cockpit und können dann auch gleich ohne schlechtes Gewissen Sabina und Michael von der Anyway einladen, die morgens angekommen sind.

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Der Tiede, der höchste Berg Spaniens, begrüßt und mit seinem schneebedeckten Gipfel

Der nächste Glücksfall für uns sind Sabine und Stefan. Sie sind Freunde von zu Hause aus Darmstadt und machen gerade Urlaub auf Teneriffa. Nachdem wir geduscht haben stehen die zwei mit einem riesen Bierpaket bei uns auf der Matte. Endlich wieder gutes Bier, das portugiesische war nach einer Weile kaum noch zu genießen. Wir freuen uns wie bolle die beiden zu sehen und haben Mordsspaß. Es ist schön, mal wieder über andere Dinge als Boot und Ausrüstung zu sprechen. Später gehen wir gemeinsam in die Stadt, Pizza essen. Das ist fast schon Tradition nach Überfahrten. Dieses Mal ist es sogar eine ganz besonders Gute. Auch die nächsten Tage werden wir viel Zeit gemeinsam verbringen, aber dazu später mehr.

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Stefan und Sabine machen Spökes

Mein komplettes Tagebuch unter:

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