Johannas Tagebuch 03.-14.10.2016 Madeira Überfahrt & Urlaub

Wir legen montags ab. Nachmittags gegen halb drei geht es los. Ich habe wieder mal vorgekocht. Mal wieder Kartoffeleintopf, Pfannkuchen und das Ganze. Wir können es eigentlich schon nicht mehr sehen, so oft wie ich das in letzter Zeit gekocht habe. Der Morgen verläuft in reger Geschäftigkeit. Boot klar machen, noch ein paar Dinge einkaufen, duschen und aufräumen. Wir sind aufgeregt und freuen uns wie blöd, dass es endlich los geht. Das Wetter ist super. Nach der Vorhersage hatten wir gedacht, dass wir die ersten paar Stunden Motorboot fahren müssten. Aber im Gegenteil. Wir brausen mit einem am Wind Kurs los und machen ordentlich Fahrt, trotz Reff in Groß und Genua. Die Stimmung ist dementsprechend gut. Gegen Abend wird es ruhiger und PETE steuert zuverlässig. Im Sonnenuntergang sehen wir die ersten Delfine. Es sind viele. Und sie springen komplett aus dem Wasser. Wie beeindruckend. Wir probieren es dieses Mal mit drei Stunden Wachen, statt vier wie bisher. Man merkt deutlich, dass es Herbst ist und wir weit südlich sind. Es wird gegen sieben dunkel, viel früher als noch in Holland. Hell wird es erst wieder gegen halb acht. Die Nächte sind also länger und man ist damit irgendwie auch müder. In meiner Wache von 21 bis null Uhr sind sie wieder da, die Delfine. Ich sehe sie im Schein des Steuerbordlichtes. Und nicht nur sie. Überall glitzert es. Tausende kleine Fische, die teilweise aufgeregt aus dem Wasser springen. Es ist ein tolles Schauspiel, wie die kraftvollen Tiere durch Wasser schießen und jagen. Ich höre sie neben dem Boot auftauchen und atmen. Das geht stundenlang so und es wird nicht langweilig zu beobachten. Ausserdem hat man ja sowieso nichts Anderes zu tun.

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Die Tage verlaufen ereignislos. Wir haben bis max. 15 Knoten scheinbaren Wind und angenehme Welle. Die ersten zwei Tage essen wir Vorgekochtes und verbringen die Zeit entweder draussen oder in der Horizontalen. So haben wir Gott sei Dank nicht mal einen Anflug von Seekrankheit. Wir liegen rum, lesen oder hören Hörbücher. Der Wachrythmus um beginnt um sechs abends. Ich versuche dann schon mal ein bisschen zu schlafen, meist ist es aber ein bloßes in der Koje liegen. Um neun bin ich dran, bis Mitternacht. Wir sitzen während der Wache nicht mehr draussen. Es macht nicht so richtig Sinn. Es ist immer noch kalt nachts und man sieht eh nicht wirklich was. Ich bin also unter Deck und liege im Salon rum. Alle 20 Minuten geht der Wecker und ich gehe raus gucken, ob etwas in Sicht ist. Ab und zu sieht man ein Licht am Horizont, meißt sind wir aber alleine. Kurs prüfen, Windpiloten anschauen und AIS checken. Wenn alles ok ist wieder hinlegen. So vergehen die Stunden ziemlich schnell. Bis um drei ist dann Stefan dran, dann wieder ich bis um sechs morgens. Bis um neun schlafe ich dann nochmal, bevor wir gemeinsam frühstücken. Stefan ist es langweilig, was er häufig kund tut. Es ist aber auch unspannend. Wir haben natürlich auch gutes Wetter. Wenn wir mehr Wind und Welle hätten sähe wahrscheinlich alles anders aus. Die letzten 24 Stunden fahren wir Motorboot. Der Wind ist weg. Morgens sind wir ganz aufgeregt. Stefan hat Land in Sicht gemeldet. Die Stunden vor der Ankunft am Nachmittag vertreibe ich mir mit aufräumen und so ist alles picobello als wir in Porto Santo einlaufen. Sobald wir Netz haben kommen die Telefone raus. Ich schreibe mit Sabina von der Anyway. Sie sind schon länger im Hafen und melden uns beim Hafenmeister an. Wir sind das dritte Boot auf der Warteliste für einen Stegplatz. Das heißt wir müssten im Vorhafen ankern. Als wir kurz vor dem Einlaufen telefonieren meldet Sabina einen freien Platz an ihrem Steg. Also einfach mal rein fahren, wegschicken können sie uns immer noch. Aber wir haben wahnsinnig Glück und dürfen bleiben. Wie schön! Wir sind super happy und freuen uns angekommen zu sein. Darauf gibt es einen, bzw. einige, Anleger, bevor wir abends mit Sabina und Michael Pizza essen gehen.

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Einlaufen in Porto Santo, Sabina knipst von der Hafenmole. Eine unwirkliche Landschaft.

Die erste Nacht durchschlafen in der Koje ist wunderbar. Es schläft sich so gut und wir sind fit als wir morgens wach werden. Die ersten Tage verbringen wir entspannt und trödeln so vor uns hin. Natürlich muss das Boot entsalzt und so einiges Andere gemacht werden, aber wir lassen es ruhig angehen. Jeden Morgen kommt auch hier der Brötchenhase, in Form von Michael von der Anyway. Was ein Service. Wir planen unseren Ausflug nach Madeira, auf die Hauptinsel. Porto Santo ist unschlagbar günstig und wir haben hier einen super Liegeplatz. Daher entscheiden wir uns, mit der Fähre rüber zu fahren und uns für ein paar Tage ein Zimmer und ein Auto zu nehmen. Von den Anyways bekommen wir einen Reiseführer geliehen, was die Planung enorm erleichtert. Und Montag Abend geht es dann auch schon los. Wir packen ein paar Sachen, machen das Boot dicht und gehen rüber zur Fähre. Irgendwie schon ein komisches Gefühl, das Boot so abzuschließen und alleine zu lassen. Aber wir freuen und auf unseren Urlaub. Urlaub vom Urlaub.

Die Fähre ist richtig groß uns wir machen es uns mit einem Bier auf dem Achterdeck bequem. Nach zwei Stunden sind wir da und nehmen den Bus zu unserem Zimmer, das etwas ausserhalb liegt. Unser Gastgeber Luis ist nett und das Zimmer sauber. Zwar sehr einfach, aber ok. Wir fallen sowieso nur noch erschlagen ins Bett.

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Unser Zimmer, einfach aber dafür günstig.

Am nächsten Morgen gehen wir zu erst auf einen schellen Bica (Espresso auf Madeirisch) in das Café gegenüber. Hier wuselt es von Einheimischen, die sich hier vor der Arbeit ihr Frühstück schmecken lassen. Es wird Zeitung gelesen uns Croissant geknabbert. Wir sind begeistert von der authentischen Atmosphäre. Noch besser finden wir allerdings die Rechnung von unter zwei Euro für zwei Kaffee und ein Croissant. Mit dem Bus fahren wir in die Stadt. Unser erster Stop ist die berühmte Markthalle. Die Obststände sind eindrucksvoll. Viele der Sorten habe ich noch nie gesehen. Wir werden gleich als Touristen identifiziert und von einem netten Verkäufer auf deutsch angesprochen. Er lässt uns alles probieren, Bananen-Ananas, Maracuja-Bananen, (oder umgekehrt) und 5 weitere Sorten Maracuja. Wir lecker das alles ist. Ich kaufe einen Bananen-Ananas und eine Zitronen-Maracuja. Wieder werden wir vom Preis überrascht, allerdings dieses Mal in die andere Richtung. 7,50€ für zwei Stück Obst! Wir sind wohl auf die Masche reingefallen. Aber der gute Herr kann ja auch nicht wissen, dass wir keine wohlhabenden Kreuzfahrt Touristen, sondern arme Segelschlucker sind. Den Rest der Tages lassen wir uns durch die Stadt treiben. Viel gibt es nicht zu sehen und so machen wir ab nachmittags Bar hopping und testen die lokalen Biere. Abends essen wir die beste Pizza seit Deutschland, toller dünner Boden und frischer Belag. Genau nach unserem Geschmack ist auch, dass man sich eine Pizza mit zwei unterschiedlichen Belägen teilen kann. Bei der Größe von Pizza für uns vollkommen ausreichend. Dazu gibts einen frischen Salat. Gegen zehn nehmen wir den Bus nach Hause und lassen uns auf Bett fallen. Wir lesen noch ein paar Seiten, mehr kann man in dem Zimmer auch nicht machen.

Am nächsten Morgen holen wir den Wagen ab. Ein kleine Fiat 500 in weiss, mit Panoramadach. Ein cooles Gefährt für die Insel. Stefan fährt. Ich weiß nach 4 Monaten glaube ich nicht mehr, wie das geht mit dem Schalten. Wir fahren zunächst nach Norden und wollen uns Monte anschauen. Der Ort auf dem Berg oberhalb von Funchal soll malerisch sein. Allerdings haben wir nur eine ganz grobe Karte und lassen uns daher meist von den Schildern leiten. Zweimal klauen sie uns ohne Ankündigung die Straße. Wir kommen einfach nicht hin, nach Monte. Es hat vor kurzem ziemlich große Waldbrände gegeben auf Madeira und anscheinend sind sie noch voll mit Aufräumen beschäftigt. Nachdem wir über zwei Stunden im Nirgendwo rumgefahren sind geben wir auf und fahren Richtung Osten. Mittags gehen wir in Machico bei Gala essen, ein Tip von Kati und Johannes. Ich essen Espada, den lokalen Fisch, der aus er Tiefsee gefangen wird. Dazu gibt es gebackenen Banane, Kartoffeln und Salat. Eine sauleckere Riesenportion für neun Euro. Anschließend fahren wir weiter nach Quinta da Lorde. Da liegt Niko mit der Lisa. Wir besuchen ihn an Bord und quatschen beim Kaffee über die Überfahrt. Es ist schön ihn wiederzusehen und wir können noch stundenlang erzählen. Aber wir wollen weiter, es gibt noch viel zu sehen für uns. Die Nordküste ist beeindruckend. Es geht hoch und runter, riesige bewaldete Berge und saftig grüne Täler wechseln sich ab. Und immer sieht man irgendwie das Meer.

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Berge, Täler und das Meer. Und unser kleiner Fiat.
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Ein Aussichtpunkt nach dem Anderen. Jedes halbwegs gerade Fleckchen wird zum beackert.

Es juckt mich in den Füssen, die tausenden Wanderwege abseits der Straßen zu erkunden. Jeden Stein und Grashalb aus der Nähe zu betrachten. Aber wir haben nicht so viel Zeit und wollen wenigstens einen groben Überblick über die Insel bekommen. Mitten durch die zentralen Berge fahren wir am späten Nachmittag wieder Richtung Süden. Aber nicht ohne einen Abstecher auf den Pico Areiro zu machen, einen der höchsten Gipfel Madeiras. Als wir oben aussteigen können wir es nicht glauben. Es ist kalt. Eiskalt. der Wind pfeift und ich halte es kaum aus auf dem kurzen Pfad bis zum Gipfelkreuz. Wir lassen uns im Eiltempo von der Aussicht beeindrucken und schießen ein paar Fotos, bevor wir bibbernd zurück ins Auto hechten und Richtung zu Hause fahren. Wir haben keine Lust mehr in die Stadt zu gehen und lassen uns in einem kleinen, netten Imbiss-Restaurant gegenüber der Wohnung nieder. Hier gibt es eine Kleinigkeit zu essen, einen echten Poncha zu trinken und Internet, um die nächsten Tage zu planen.

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Pico Areiro, in schnelles Foto muss reichen. Zu kalt hier oben. Aber auch der kurze Blick war super.

Am nächsten Tag wollen wir eine der berühmten Levada Wanderungen machen. Einige Leute haben uns den Weg bei den 25 Quellen empfohlen, der an Wasserfällen vorbei führt. Dafür muss man auf die Hochebene Paul de Serra fahren, wo der Weg losgeht. Aber wir haben Pech. Je weiter wir in die Berge kommen, desto schlechter wird das Wetter. Erst ist es neblig, dann regnet auch noch. Am Parkplatz angekommen steigen wir kurz aus. In kurzer Hose und T-Shirt kann man hier nix gewinnen. Aber bei dem Wetter hätte es auch in langen Sachen keinen Spaß gemacht. Wir steigen also wieder ein und entscheiden uns, zurück an die Südküste zu fahren. Da ist das Wetter eigentlich immer gut. Man muss flexibel bleiben. Wir fahren nach Estoril de Camara de Lobos und gehen auf die Levada do Norte. Den Tip und die Wegbeschreibung bekommen wir von meiner Mama per WhatsApp. Alles richtig gemacht. Es ist angenehm warm und der Weg ist wunderschön. Durch grüne Täler, Weinreben und Bananenplantagen laufen wir bis zum Cabo Girão. Hier steht man fast 600 Meter auf einer Klippe über dem Meer. Wir gönnen uns ein Taxi zurück zum Auto und düsen heim. Heute nehmen wir Abends noch den Bus in die Stadt. Wir essen was in einem coolen Bürgerladen und gehen dann noch auf ein Bier (für 1,20€) auf die Terrasse unserer Lieblingkneipe.

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Los gehts in an der Lavada do Norte. Anfangs unter Weinreben durch.
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Dann immer an der Lavada entlang durchs Tal. Niemand hier ausser uns.
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Finale am Cabo Girao, wirklich beeindruckend so hoch überm Meer.

Wir werden wieder früh wach und haben genauso schlecht geschlafen wie die letzten Nächte. Dabei ist das doch mal wieder ein richtiges Bett. Es ist schon der letzte Tag. Wir schwingen uns ins Auto und erkunden den Westen der Insel. Wir klappern die kleinen Dörfchen an der Südküste ab, laufen hier und da ein bisschen rum schauen uns alles an. Weiter gehts zum Leuchtturm im äußersten Westen und nach Porto Moniz (kein schöner Ort). An der Nordküste fahren wir zurück und machen zum Nachmittagessen Stop in Sao Vincente. Hier gibt es ein all you can eat Buffet mit typisch madeirischen Speisen für 6€. Buffet ist sonst so garnicht unser Ding, aber heute haben wir da irgendwie Lust drauf. Der Laden ist auch nicht wirklich schön, aber voll mit Einheimischen und das Essen ist gut. Viel frischer Salat, Fischpfannen, Fleischeintöpfe und Beilagen. Alles ganz gut. Pappsatt machen wir uns auf den Rückweg, geben dann das Auto ab und laufen zur Fähre. Die Überfahrt ist dieses Mal ganz schön rau und wir sind froh, dass wir einen Platz draussen an der Luft haben. Gegen halb zehn sind wir zurück im Hafen. Die Anyways sitzen noch bei Alex und Alex auf der Noah. Wir gehen garnicht erst an Bord sondern gleich rüber zum klönen. Es fühlt sich wie nach Hause kommen an.

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Adios Madeira, es war ein schöner Urlaub.
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