Madeira – Pixelfehler im Atlantik

Madeira wurde 1419 entdeckt und ich vermute, dass auch damals ein paar Boote einfach an der Insel vorbeigesegelt sind ohne sie zu bemerken. Die Kanaren waren zu der Zeit bereits seit mehr als 10 Jahren besiedelt. Auch unsere elektronische Seekarte scheint auf Madeira keinen großen Wert zu legen. In der Übersegler Ansicht vermutet man an der Stelle wo Madeira sein sollte eher einen Pixelfehler als festes Land. Erst bei näherem Hereinzoomen entdecken wir Madeira und die Nachbarinsel Porto Santo mitten im Atlantik.

Es hat fast drei Wochen gedauert bis wir von Lissabon nach Madeira aufbrechen. Geplant waren die nicht. Lissabon hatten wir uns vorher bereits eine Woche angeschaut, als wir im Stadthafen Alcantara lagen und wollten eigentlich weiter. Aber seit der Abfahrt in Deutschland verliert unser elektronischer Autopilot Hydrauliköl. Beim Reparaturversuch breche ich schließlich die Mutter ab, bekomme Hydraulikflüssigkeit ins Auge und die Backskiste füllt sich mit dem Rest des Öls. Zeit für einen Profi. Nach 3 Tagen hat der örtliche Mechaniker das Problem im Griff und der Autopilot ist erstmals wieder dicht. Leider ist jetzt auch das Wetterfenster für die knapp 500sm nach Madeira durch. Ein Neues nicht in Sicht. Mit einer anderen Crew checken wir täglich das Wetter. Das Azorenhoch liegt extrem weit im Süden und eine stabile Nordwindlage ist die nächsten Wochen nicht in Sicht. Entweder zuviel oder gar kein Wind. Die Crew der Lisa entscheidet sich für „zuviel“ und legt, trotz angesagten 8 Windstärken in Boen, ab. Für uns zuviel. Für zwei Drittel der Lisa Crew auch – wie wir später in Madeira erfahren. Nach einer weiteren Woche haben wir dann doch ein nahezu ideales Fenster von 4 Tagen mit Wind aus der richtigen Richtung und Stärke. Beim Auslaufen zeigt uns Cobo Raso nochmals die Zähne. Ein Amwind Kurs mit 25 Knoten Wind war weder angesagt noch haben wir uns dies zum Start der Überfahrt gewünscht. Die Rennyacht „Hugo Boss“ kommt uns entgegen und rast mit geschätzten 20 Knoten an uns vorbei. Für unsere Verhältnisse machen wir auch richtig Speed und nach 3 Stunden ist der Spuk vorbei. Langeweile jetzt ist das größte „Problem“ auf dem Raumwind Kurs der nächsten 4 Tage.

Link zum YouTube Video:

Rennyacht Hugo Boss vor Lissabon
Ich merke wieder, dass mir lange Überfahrten nur bedingt Spass machen. Selbstverständlichkeiten wie Kochen, Essen, Körperpflege, Schlafen, … alles ist deutlich schwieriger bis teilweise unmöglich. Ankern ist auf der Strecke bei 5 Kilometer Wassertiefe jedoch leider schwer möglich. Obwohl, … es gibt lustigerweise eine Stelle an der ein Seeberg auf eine Tiefe von 20 Meter ansteigt. Hat hier vielleicht doch schon mal jemand seinen Anker geschmissen und einen Anleger getrunken?
Auf der Überfahrt sehen wir nur wenige Boote. Lediglich eine Megayacht überholt uns mit geringem Abstand am 3. Tag morgens um acht. Ich stelle mir vor wie es wäre, dort jetzt eine heiße Dusche zu nehmen und gemütlich einen Cappuccino zu trinken. Was sich die Crew der Megayacht denkt als sie unser 10 Meter langes Boot sieht, das immer wieder hinter den 3 Meter hohen Wellen verschwindet, werden wir wohl nie erfahren.

Segeltechnisch gibt es wenig zu tun. Pete steuert uns zuverlässig Richtung Madeira. Wir vertreiben uns die Zeit mit Lesen, hören in der Nachtwache Hörbücher oder dösen im Cockpit oder Salon vor uns hin. Manchmal gibt es dann doch etwas mehr zu sehen als den endlosen Atlantik. Delfine begleiten uns jeden Tag der Überfahrt. Einmal winkt uns sogar eine Schildkröte mit der Flosse zu. Ich hätte nie gedacht, dass diese sich so weit draussen aufhalten. Ich tippe daher, dass sie sich hart verschwommen hat und wir überlegen den Anhalter mitzunehmen. Leider haben wir nur bedingt Platz für weitere Passagiere, da wir schon einen angespülten Tintenfisch auf Deck liegen haben. Er hat sich wohl vor der Horde von Delfinen in Sicherheit gebracht die nachts wie grün leuchtende Torpedos um unser Boot jagen. Das Wasser kocht. Aus Überlebenssicht war die „Rettung“ auf unser Boot jedoch leider eine Fehlentscheidung.

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Am Morgen des 4. Tages kommt schließlich Madeira in Sicht. Wir entscheiden uns nicht zur Hauptinsel zu fahren, sondern laufen die Marina auf Porto Santo an. Dort hat uns schon eine andere Crew beim Hafenmeister angekündigt und nimmt uns beim Anlegen die Leinen an.

Stefan

 

 

 

 

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5 Gedanken zu “Madeira – Pixelfehler im Atlantik

  1. Na, dann hoffe ich mal, dass Ihr Euch das mit der Überfahrt in diee Karibik gut überlegt habt, wenn Dir lange Überfahrten so wenig Spaß bereiten.🤔
    Auch wenn ich die Karten nicht wirklich studiert habe, meine ich zu wissen, dass die Überfahrt von Teneriffa nach Barbados deutlich länger ist als 500 Seemeilen.
    Wenn es bei der Abfahrt am 19. November bleibt und werden wir versuchen, Euch zumindest von der Mole zuzuwinken und ein paar Fotos zu schießen.

    Einen schönen Gruß von

    Sabine&Rüdiger

    Gefällt 2 Personen

  2. Von mir gibt es einen Herzlichen Glückwunsch ! Man wächst mit den Aufgaben ( Seemeilen ) weiterhin gute Winde und schönstes Segelwetter.
    Viele Grüße von Steffen und Conny

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