Johannas Tagebuch 22.-29.09. – Warten in Lissabon

Wir sprechen uns mit Niko von der Lisa ab. Er ist auf seiner Colin Archer unterwegs und will mit seinen beiden Söhnen nach Madeira segeln. Malte kommt allerdings erst am 25. an, also ist am 27. Ablegen angesagt. Je nach Wind natürlich. Lange Zeit sieht es für den Dienstag gut aus, weniger Wind als die Tage vorher, aber immer noch relativ viel. Wir arbeiten darauf hin. Machen Essenspläne, gehen einkaufen, ich koche vor. Pfannkuchen Kartoffeleintopf, Möhrensalat, gekochte Eier und so weiter. Wir haben alles gut im Griff und sind beschäftigt. Zwischendurch verabschieden wir noch Dörte und Felix, sie legen Montag morgen ab um aus dem Wasser zu gehen. Schon komisch, die Zwei nach ein paar Monaten mehr oder weniger gemeinsamen Segelns zu verabschieden. Aber wir werden uns wiedersehen.

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Rigg Check, alles in Ordnung

Wir blicken gespannt auf Dienstag. Die Vorhersage schwankt leicht. Aber insgesamt ist immer sehr viel Wind, mit bis zu 36 Knoten in Böen, angesagt. Wir hoffen, dass es bis zum Stichtag noch weniger wird. Jeden Morgen machen wir Wind-Konferenz bei Niko. Er hat die Wetterwelt Daten und ist guter Dinge. Ihm macht so viel Wind wohl weniger aus. Ausserdem verbringen seine Jungs ihren Jahresurlaub auf dem Boot, da will man nicht in Oeiras festhängen. So kommt es auch, dass sie sich entschließen am Dienstag abzulegen. Wehmütig werfen wir ihnen die Leinen los. Für uns ist das Nichts. Ich wäre gerne gefahren und Stefan und ich streiten uns viel in diesen Tagen. Wir wollen beide endlich weiter, aber er ist vernünftiger als ich und behält das letzte Wort. Wir haben die letzen Tage auch nicht viel Anderes gemacht, als Wetter zu checken und uns vorzubereiten. Man kann schon Stunden damit verbringen, sich verschiedene Programme, Datenquellen und Berechnungen anzuschauen. Schlauer wird man dadurch trotzdem nicht unbedingt. Das Problem ist, dass es keine Aussicht gibt. Bis Dienstag ist viel, danach gar kein Wind gemeldet. Ein riesiges Sturmtief über Irland drängt das Azorenhoch nach Süden und beschert uns Flaute. Ausserdem liegt ein zweites, lokales Hoch direkt über der Bucht vor Lissabon. Es ist wirklich frustrierend. Jeden Tag eine andere Vorhersage, aber nichts Stabiles mit dem man planen kann. Wir wollen vor Allem vermeiden, tagelang Motorboot zu fahren. Schlussendlich beschließen wir, am Mittwoch erstmal die Zeit zu nutzen und nach Sintra zu fahren.

Wir nehmen den öffentlichen Bus und fahren durch jeden Ort zwischen Oeiras und Sintra, in Schlangenlinien. Nach fast einer Stunde für eine Strecke von 20 km sind wir da. Obwohl Mittwoch Vormittag ist, ist es voll. Nicht auszudenken, wie es am Wochenende sein muss. Es gibt einen Bus, der alle Sehenswürdigkeiten nacheinander abklappert. Mit 5€ bist du dabei. Als ich die Sardinenbüchse sehe wird mir ganz anders. Wir entscheiden uns, den Palacio da Pena zu Fuss zu erklimmen. Er liegt hoch auf einem Berg, aber was solls. Wir finden den Wanderweg und erfreuen uns der plötzlichen Stille. Den ganzen Weg nach oben sind wir die Einzigen. Es ist schön und kühl. Oben angekommen kaufen wir unser erstes Sightseeing Ticket der Reise. 14€ für den Parque und den Palacio. Es lohnt sich Gott sei Dank. Der Park ist wirklich beeindruckend. Aufgrund der schon hinter uns liegenden Höhenmeter sehen wir allerdings leider nur einen Teil der 80 Hektar großen Fläche mitten im Gebirge. Es gibt kleine Teiche, Brunnen, Aussichtspunkte und kilometerlange verschlungene Wege. Ein riesiger, künstlich angelegter Park, der sich wunderbar in die natürliche Landschaft einfügt und diese ergänzt. Wir stapfen die letzten Meter hoch zum Palast und treffen sie wieder, die Touristen Horde. Es ist echt zum abgewöhnen. Aber das Innere des (alten) Bauwerks ist trotzdem sehenswert. Nach einer Runde durch die Gemächer und einem Bier auf der Terrasse machen wir uns auf den Rückweg. Der geht vorbei an der alten Maurenburg und ist nicht weniger schön. Wir sind fix und fertig, als wir im Tal sind und wieder im Bus Richtung Oeiras sitzen. Diese Mal hat Stefan mich überredet, den Weg hoch zu laufen und es war wirklich ein super schöner Tag. Als wir zu Hause sind falle ich um halb zehn ins Bett.

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Unterwegs im Wald, immer bergan. Aber keine Touristen
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Vor dem Palacio da Pena

Am nächsten Morgen das übliche Ritual. Wetter Check und auch heute sieht es wieder schlecht aus. Aber wir lernen ja dazu und statt uns zu streiten treffen wir rasch die Entscheidung nicht abzulegen. Dafür gehe ich an den Strand, zum lesen, Musik hören, sonnen und sogar schwimmen (sehr kalt!). Am späten Nachmittag nehmen wir die Bahn nach Lissabon und gehen nochmal auf „den Platz“, ein guter Tip von Niko und Laurenz, und nach Santa Catarina zum Sundowner. Wir genießen die warme Sonne und das unvergleichbare Feeling hier. Mal sehen ob wir morgen ablegen können, oder Samstag. Die Vorhersagen sehen immer besser aus.

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Gastronomie auf „dem Platz“ – zwei Bier und ein Cafè für 3,10€
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Wir genießen den Tip von Niko und Laurenz, die zwei haben hier mehrere Nachmittage verbracht
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Sundowner am Aussichtspunkt Santa Catarina
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die „Band“ – man muss wohl bekifft sein, um das cool zu finden

Weiterlesen? johannas Tagebuch

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Ein Gedanke zu “Johannas Tagebuch 22.-29.09. – Warten in Lissabon

  1. Mittlerweile seid ihr ja gestartet – juhuu! – und wir hier zuhause drücken alle Daumen für eine gute Fahrt und vor allem freuen wir uns über euer nächstes Lebenszeichen! 🙂

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