Geschichten aus Galizien Teil 3

Fiesta, Siesta und spätes Essen

Wir laufen abends um kurz vor neun durch Coruña. Die Strassen sind leer. Viele Restaurants haben geschlossen. In den wenigen geöffneten sitzt kein Mensch. Komisch denken wir uns. Aber zumindest bekommen wir an einem Samstag Abend problemlos einen Platz. Genau eine Stunde später sieht das Bild komplett anders aus. Die Strassen sind voll. Hinter vorher geschlossenen Rollladen erscheint ein Restaurant nach dem Anderen. Auf der Suche nach der nächsten Tapas Bar bekommen wir mit viel Glück noch einen freien Platz an einem Stehtisch. Der Rhythmus ist ein anderer als in Deutschland. Aber selbst Crews aus anderen südeuropäischen Ländern sind verwundert über die Uhrzeiten zu denen in Spanien gearbeitet, gegessen oder gefeiert wird. Morgens gegen 10 machen die meisten Geschäfte auf. Ziemlich genau bis eins. Dann ist Siesta. Bis zum späten Nachmittag ist die Stadt dann tot, alles geschlossen. Nur ein paar Touristen sieht man durch die Mittagshitze laufen. Um fünf öffnen dann wieder die ersten Läden. Meistens so bis neun. Frühestens gegen 10 Uhr geht es dann langsam erst zur Tapas Bar oder Cerveceria und schließlich in die Restaurants Abendessen. Gerne auch erst gegen zwölf. Bestellt wird immer für den ganzen Tisch. Und auch nicht alles auf einmal sondern immer nach. Ziemlich gesellig und kommunikativ. Kein Wunder dass die Leute hier immer so gut gelaunt sind. Das eigentliche Nachtleben beginnt dann in den Clubs irgendwann zwischen zwei und drei.

August ist in Spanien die Zeit der Fiestas. Wer noch nie auf einer Fiesta war kann sich nicht ansatzweise vorstellen was dort los ist. Wir waren inzwischen gefühlt auf 10. Aktiv oder passiv. Freiwillig oder unfreiwillig. Gelegentlich haben wir sogar das Gefühl die Fiestas verfolgen uns. Haben wir eine Band gestern in der einen Bucht gehört, wundern wir uns am nächsten Abend wieso im nächsten Ort das gleiche Eröffnungslied gespielt wird. Die Erklärung ist einfach. Es ist die selbe Band die von einer Fiesta zur nächsten zieht.

Am ersten Abend wundern wir uns, als zwischen zehn und elf noch nichts los ist. Die Leute sitzen beim Essen und der DJ versucht verzweifelt die Menschen Richtung Festplatz zu bewegen. Richtig los geht es erst zwischen zwölf und ein Uhr nachts wenn die Band ANFÄNGT zu spielen. Meistens so bis vier. Lärmschutz im Interesse der Anwohner. Wieso? Es sind ja sowieso alle dabei. Am nächsten Morgen um 10 geht es dann weiter. Eine Uhr braucht man keine. Sobald die ersten Böllerschüsse zu hören sind ist es Punkt 10 Uhr.

Am meisten gewundert hat uns aber die Bühne. In einem Ort der Größe von Waschenbach (Position und Größe gerne mal bei Wikipedia nachschlagen wer es nicht kennt) steht eine Bühne wie bei Rock am Ring. Auch Licht- und Soundanlage kenne ich so nur von großen Open Air Festivals. Als die Band anfängt schauen wir uns ungläubig an. Die Multimedia Show erinnert eher an Coldplay in der Allianz Arena als an die Band aus dem Nachbardorf.

Auf den Fiestas findet man auch immer die ganze Familie. Nachts um eins haben die Eltern ihre Kinder dabei die entweder wach mitfeiern oder in der Kinderwagenkolonie dabei stehen. „Ich muss nach Hause, Louis-Finn kommt sonst aus seinem Schlafrhythmus“ interessiert hier niemanden.

Alles ziemlich cool. Gemeinsames Essen, Feiern und alles ein bisschen entspannter sehen scheint hier das Rezept für ein glückliches Leben zu sein. Davon sollte man sich als Nordeuropäer ein bisschen abschauen.

Stefan

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5 Gedanken zu “Geschichten aus Galizien Teil 3

  1. Hallo Johanna, Hallo Stefan,
    da ist schon einiges an Eindrücken zusammengekommen. Eure Berichte sind Klasse. Wenn man bedenkt, dass Ihr erst am Anfang der Reise steht, dann wird es sicher ein dickes Tagebuch werden.
    Viel Glück im nächsten Monat und nehmt Euch Zeit !
    Steffen

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  2. Hallo Stefan, hallo Johanna,

    Das sind witzige Reiseberichte. Schön zu lesen, dass es Euch sehr gut geht. Wir liegen gerade in zwei Liegestühlen mit Blick auf Afrika nur einen Steinwurf (man muss aber gut werden können) entfernt von Tarifa.

    Was Du so schreibst, haben wir in den letzten Tagen auf unserer Andalusien-Rundreisen auch ansatzweise mitbekommen (o.k.: nicht so viele Fiestas …) – Fiesta ist jetzt in Tarifa – da wollen wir dann morgen hin, nachdem wir uns an Bolonia Beach satt gesehen und gelegen haben.

    Twirly & ich wünschen Euch viel Spaß!

    LG, Eric

    Gefällt 1 Person

    1. Hi Eric. Vielen Dank für eure Gruesse. Wir sind euch inzwischen auch ein bisschen näher gekommen. Liegen zur Zeit in Lissabon. Ich fürchte nur bis Tarifa werden wir es nicht mehr schaffen. Cheers. Stefan

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