Geschichten aus Galizien Teil 2

Wir haben uns im Laufe unserer Reise ein Angel gekauft. Einen ersten Angelerfolg hatten wir sogar schon. Auf der Überfahrt von Plymouth nach Brest fangen wir einen Hornhecht. Ausserdem haben wir bei der Biskaya Überquerung irgendetwas Großes an der Angel. Was genau? Wissen wir nicht. Der Kollege hat uns spontan die Leine durchgebissen. Angesteckt vom Angelvirus haben wir uns in Spanien direkt einen Angelschein besorgt. Das Problem. Angeln können wir davon noch lange nicht. In Coruña habe ich mir meine Angel  und eine Dose Bier geschnappt und mich zu den Einheimischen auf die Hafenmauer gestellt. Anscheinend habe ich jedoch weder den richtigen Köder noch die richtige … Technik. Innerhalb von zwei Minuten werde ich von einem einheimischen Angler adoptiert. Er sieht in mir wohl den Sohn, den er nie hatte, oder der schon zu lange das Haus verlassen hat. Sofort hat er mir einen neuen Köder, neues Blei, neues … Zeug an die Angel geknotet und mir gezeigt wie ich damit umgehen muss. Ok. Gefangen habe ich trotzdem nichts. Als ich schließlich keine Lust mehr habe und zu Johanna sage „Heute Abend gibts wohl nix zu Essen“, hat er wohl Mitleid mit uns und will uns einen Apfel schenken, damit wir nicht mit knurrendem Magen ins Bett müssen.

Dieses Erlebnis war beispielhaft für die Menschen, die wir in Galizien getroffen haben. Wir haben selten freundlichere, offenere und hilfsbereitere Menschen kennengelernt. Überall ist man interessiert und aufgeschlossen. Niemals fühlen wir uns als Tourist oder gar als Fremde. Und das obwohl hier (fast) keiner ein Wort englisch spricht. Zum Glück kann Johanna ein bisschen spanisch. Aber auch wenn die Leute mit mir reden, versuchen sie es einfach so lange bis ich – zumindest wenn auch oft nur aus Höflichkeit – den Anschein erwecke, dass ich sie verstanden habe. So wie der Verkäufer beim „Herrenausstatter“ Ich suche ein neues T-Shirt. Superdry ist in Spanien super günstig. Obwohl ich ihm mitteile, dass ich „mui pequenio“ spanisch spreche, verwickelt er mich in eine „Konversation“ der ich nach 15 Minuten nur durch Nicken und Lächeln entkommen kann. Immerhin Johanna weiß jetzt, was seine beiden Söhne machen, dass sie Deutschland mögen und sich immer freuen mit Besuchern in Kontakt zu kommen.

Wer schon einmal im Mittelmeer gesegelt ist weiss, dass das Wort „Boot“ gleichbedeutend mit dem Wort „Geld“ ist. Es gibt Nichts was Nichts kostet. Eine befreundete Crew die uns schon seit Holland begleitet, hat sich am ersten Ankerplatz spontan das Eisen unter einem Felsen verklemmt. In 10m Tiefe. Bei 16° Wassertemperatur. Keine Chance. Ein paar Muscheltaucher haben alles mitbekommen und den Anker freigetaucht. Dass sie hierfür – im Gegensatz zum Mittelmeer wo dieser „Freundschaftsdienst“ 50-100€ kostet – ausser einem Dankeschön jegliche Bezahlung ablehnen ist typisch für Alles, was wir in Galizien erlebt haben. Wenn jemand Hilfe braucht, hilft man halt.

An unserem vorletzten Tag können wir uns glücklicherweise auch einmal revanchieren. Wir segeln bei Nebel – also richtig Nebel – von den Islas Cies nach Baiona. Ungefähr 5 Seemeilen vor dem Hafen sehen wir neben einer Tonne ein kleines Motorboot. Die vier Angler treiben im Nebel und haben anscheinend keine Ahnung in welche Richtung es weiter geht, ausserdem weder Kompass noch irgendetwas anderes zur Navigation an Bord. Spontan fragen Sie uns wohin wir fahren und ob Sie uns wohl bis Baiona folgen könnten. Bis zum Hafen haben wir jetzt einen Schatten.

Eine Idee woher dies positive Einstellung zum Leben kommt bekommen wir nachdem wir unsere erste Fiesta in Spanien erleben. Dazu mehr im letzten Teil der Geschichten aus Galizien.

Stefan

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2 Gedanken zu “Geschichten aus Galizien Teil 2

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