Stimmt das mit dem Siebenschläfer?

Am 27. Juni ist Siebenschläfertag. Wir liegen nach dem grandiosen 3:0 Sieg der deutschen Nationalmannschaft bei 6 Windstärken und Regen in Ijmuiden bei Amsterdam.

Aber zurück auf Anfang. Wir sind jetzt knapp vier Wochen unterwegs und haben inzwischen mehr als 600 Seemeilen hinter uns. Die Ostsee, Nordsee und der Eingang des Ärmelkanals liegen im Kielwasser. Jetzt sind wir in Dover und warten auf besseres Wetter. Eigentlich machen wir das schon seit unserer Abfahrt. Besonders die Nordsee hat es uns nicht leicht gemacht. Bei schönstem Wetter in Heiligenhafen abgelegt folgt seit Kiel ein Tiefdruckgebiet dem Nächsten. Die Tage an denen die Sonne scheint können wir an einer Hand abzählen. Wind aus der richtigen Richtung hatten wir bisher noch keinen. Wir nutzen trotzdem jedes Wetterfenster um Strecke Richtung „Süden“ gut zu machen. Etwas mehr als die Hälfte der Strecke konnten wir bisher segeln. Wenn auch nur mit Kreuzschlägen gegen Wind und teilweise Strömung. Den Rest der Zeit fahren wir Motorboot. Inzwischen haben wir schon mehr Motorstunden auf der Uhr als in der kompletten letzten Saison.

In der erste Woche dachten wir uns bei den ersten Regen- und Starkwindtagen noch nichts dabei. Sommer in Norddeutschland eben. Aber als es auch in der zweiten Woche abwechselnd regnet, stürmt oder bei Flaute die Sonne scheint kommt uns das Wetter langsam spanisch vor.

Auch nach fast vier Wochen ist immer noch keine Besserung in Sicht. Wir sind bei Regen durch den Nord-Ostsee Kanal, nach Cuxhaven und Helgoland motort. Über Nacht nach Borkum und Terschelling gegen den Westwind aufgekreuzt. Als wir an der Nordspitze Hollands Richtung Süden abbiegen dreht der Wind erwartungsgemäß auf Süd / Südwest und kommt wieder von vorne. Über Ijmuiden, Scheveningen, Zeebrugge und Dünkirchen erreichen wir schließlich die englische Küste und laufen bei 5 Windstärken und 4 Knoten Gegenstrom in den Hafen von Dover ein.

Das Wetter ist Topthema in allen Häfen, auch die längerfristigen Prognosen zeigen ein Tief nach dem Anderen heran rauschen. Langsam nimmt sich auch die Presse trotz Europameisterschaft dem Thema an und spricht von einem extrem schlechten Sommer. Über dem EM Wunderland Island liegt ein Tiefdruck Komplex der Europa ähnlich gut im Griff hat. Wie die Isländische Nationalelf England bei der EM.

Oft treffen wir in den Häfen Segler, die mit einem kürzeren Zeitfenster als unserem aus Deutschland, Holland, Schweden oder Dänemark in Richtung Süden unterwegs sind. Sie wollen mit ihren Booten den Sommer im Süden verbringen, um dann im Herbst wieder in die Heimat zu segeln. Viele von haben sich nach vier Wochen Westwind bereits auf den Rückweg in ihre Heimatreviere gemacht. Lieber dort noch ein bisschen nordeuropäischen Sommer genießen, anstatt in hässlichen Transithäfen auf ein Wetterfenster für die nächsten schmerzhaften Amwind-Meilen zu warten.

Dass das Wetter einen ganz besonderen Einfluss auf die menschliche Stimmung hat ist nichts Neues. Auf einer Tour wie unserer allerdings offenbart sich das auf unterschiedliche Weisen.

Segeln. Wir segeln gerne. Klar. Sonst würden wir nicht freiwillig über ein Jahr auf einem Segelboot verbringen. Oft haben wir jedoch das Gefühl, dass wir los segeln weil wir müssen bzw. immer dann die Leinen loswerfen wenn es das Wetter irgendwie erlaubt. Es geht nicht darum an einem Ort zu bleiben weil man mehr davon entdecken möchte, oder weiterzuziehen weil es einem nicht gefällt. Nein. Wir bleiben weil wir nicht weiter können oder segeln weiter weil wir Strecke machen müssen.

Draussen sein. In unseren Jobs haben wir viel Zeit drinnen verbracht. In Meetings oder aus dem Büro bei Sonne nach draussen geschaut. Uns gewünscht auch mehr Zeit im Freien verbringen zu können. Auf einem Boot verbringt man einen Großteil der Zeit draussen. Dachten wir. Im Moment sitzen wir allerdings oft drinnen, auf 5 Quadratmetern, mit geschlossenen Fenstern. Die frische Luft, Sonne und Bewegung fehlen noch.

Das Gute dabei ist, dass man sich keinen Stress macht. Man muss nicht raus, es gibt Nichts, das auf einen wartet. Wir haben Zeit, Nichts zu tun. Oder zu lesen, zu schlafen oder am Boot zu basteln. Das ist für uns auch eine Form von Luxus.

Zurück zum Siebenschläfer. Gemäß der Bauernregel soll das Wetter sieben Wochen so sein wie am 27. Juni.  Die letzten beiden Wochen hatte der Siebenschläfer recht. Wir sind gespannt wie es die nächsten fünf aussieht. Fest steht, dass wir uns von dem Kollegen nicht unterkriegen lassen. Unser Plan steht. Wir nutzen weiter jede Chance weiter Richtung Süden zu kommen. Auf nach Spanien!

Stefan

Anm. d. Red.: Da die Siebenschläfer Regel bereits vor der gregorianischen Kalenderreform 1582 entstand, liegt der Siebenschläfertag eigentlich auf dem 7. Juli und nicht auf dem 27. Juni. Am 7. Juli hatten wir zumindest auf dem englischen Kanal ganz passables Wetter ohne Regen und mit ein bisschen Sonne.

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4 Gedanken zu “Stimmt das mit dem Siebenschläfer?

  1. Moin Johanna, moin Stefan,

    schön, mal wieder von Euch zu lesen!
    Ja, das Wetter ist dieses Jahr wirklich nicht sonderlich stabil und auch bei uns setzt sich hier auf der Ostsee langsam der Wetterfrust durch. Aber Sabine ist sich sicher, dass sich in spätestens 2 Wochen eine stabile Hochdrucklage durchsetzt, ab dem 22. Juli heben wir nämlich 3 Wochen Urlaub😎
    Lasst Euch von dem Wetter nich frusten und genießt Eure freie Zeit – und Ihr seid nicht die Einzigen, die auf den Brexit warten!

    Rüdiger

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    1. Moin Ihr Beiden. In der letzten Zeit hatten wir tatsächlich wenig Zeit zu schreiben. Waren viel auf dem Wasser. Habe mir gerade mal die aktuelle Wetterkarte angeschaut und glaube Sabine orakelt mit eurem Sommerurlaub ganz gut. Dienstag dreht der Wind auf Nordwest und danach sieht es tatsächlich so aus als ob sich das Hoch nach England schiebt. Fair Winds für euren Sommertörn. Beste Grüße, Stefan und Johanna __/)__

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  2. Genau, nicht unterkriegen lassen! Ab Plymouth – oder wo auch immer ihr nach Süden abbiegt – ist’s dann ja zumindest mal Am Wind ;-))
    Keep my fingers crossed.

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